BuiltWithNOF

Venezuela, Bonaire und weiter...

Freitag, 20.09.2013
Sonnenaufgang. Unter Genua und Grosssegel "rauschen" wir mit 5kn Venezuela entgegen. Vor gut einem Jahr hatte sich Frieda aus dem guten, alten Chaco (Paraguay) gewundert, warum wir hierher wollen. "Chavéz steht dann am Strand und empfängt euch", meinte sie lachend. Tja, ist ja nun eher unwahrscheinlich. Mal sehen, wer und was uns jetzt erwartet ;) Die Islas Los Testigos sind schon am Horizont auszumachen, weit und breit kein weiteres Boot. Die Schleppangel ist draussen - hoffen wir mal, dass das nicht wieder nur Badespass für den Köder wird. - 12 Uhr. Unser Anker rassAnkern vor Isla Iguanaelt mitsamt der (immer noch alten!!) Kette ins klare, grüne Wasser vor der Isla Iguana. Kleine Häuser, bunte Fischerboote, Palmen, ein grösseres Gebäude und ein knallblauer Iglu der ESGCLT, "Estacion Secundaria Guarda Costa Los Testigos". Kein Empfangskomitee am Strand. Bei der Guarda Costa wollen wir uns anmelden, müssen dazu allerdings erst das Dingi los tüddern und runterlassen, AB anbauen und vor allem DUSCHEN (kann man ja keinem anbieten ;) Sind beinah fertig (sitze noch nackig mit Handtuch rum), da kommt ein Boot längsseits. Doch Empfangskomitee? Ein wichtig aussehender Uniformierter weist uns darauf hin, dass wir ins oficina zu kommen hätten. "Si, solo 10 minutos." Sind ja schon fast unterwegs! ... Das Büro ist leider nicht im Iglu. Wir werden von netten, jungen Männern erwartet, die sehr gewissenhaft alle Daten in ihr Formblatt eintragen. Einer sagt an, der andere schreibt. Drei Tage können wir bleiben, sollten wir mehr wollen, müssen wir uns wieder bei ihnen melden. Und in Polamar, auf Isla Margarita, haben wir danach einzuklarieren. "Naturalmente. Gracias." - Beim Dorfspaziergang kommen wir an der Schule und der kleinen Kirche vorbei (hübsche Bootsmodelle hängen an der Wand beim Altar), es gibt zwei Denkmäler - sehr beeindruckend im Verhältnis zur Einwohnerzahl - eine Mutti grillt lecker duftenden Fisch, ist aber leider grade mal genug für ihre Familie, da und dort döst jemand in der Hängematte. Wir fragen nach einem Weg um die Insel herum. "No, no hay." Gibt es nicht, geht nicht. Da müsste man sich quer durch´s Gestrüpp schlagen. Dafür sind wir heute nicht mehr in Form und ausserdem haben wir gerade unsere drei Macheten nicht dabei ;) Wir bewundern noch die schönen Boote mit dem extrem hoch gezogenen Bug, jedes hat mindestens zwei grosse Aussenborder am Heck und diverse Benzinkanister an Bord. Mit dem Vorrat kann man schon ´ne Weile unterwegs sein. - Verholen uns dann auf die Mira, das Abendessen braucht nur noch aufgewärmt zu werden und beinah anschliessend fallen wir beide hundemüde in die Koje.

Sonnabend, 21.09.2013
Dürfen heute ausschlafen. Geht aber nicht so richtig, weil schon frühs die Fischerboote des Dorfes unterwegs sind. Müssen natürlich gaaanz dicht an der Mira vorbei, um mal zu gucken - na gut, wir sind ja auch das einzige Segelboot hier. Also sitzen wir eben richtig FRÜH, noch bisschen zerknittert beim Frühstück und schmieden Pläne: wKokosnussernte ;)ohin heute? Die Wahl fällt auf Isla Testigo Grande, genau gegenüber, gerade mal 1,5sm entfernt. Auf unser Morgenbad verzichten wir lieber, denn die Strömung, die hier steht, ist beachtlich. Mein Capitano klappt so ganz nebenbei das Netbook auf und siehe da - es gibt ein Wifi-Netz der Guarda Costa! Bisschen müde und etwas schwach auf der Brust, aber immerhin! Sofort baue ich meinen Rechner auch auf, um die Website zu aktualisieren, die letzten Tage vor St. George`s konnten wir ja irgendwie nichts mehr senden. Blöde Idee - mein Programm mit der Website ist sich zwar sicher, dass es alles gesendet hat, beim “Kontrollblick” auf unsere Homepage starren wir dann auf eine weisse Seite! Das ist jetzt irgendwie nicht so gut! Wir senden noch ein paar mal, probieren es mit dem anderen Rechner - bleibt dabei, wenn wir www.symira.de eintippen, glotzen wir auf einen leeren Bildschirm! Gegen Mittag zotteln wir den Anker hoch und tuckern rüber zur Nachbarinsel. Erst in die südlichere Bucht - ach ne, Playa Tamarindo sieht doch netter aus - um das Riff herum, bisschen rumkabbeln wegen der richtigen Stelle (hätten wohl doch noch bisschen mehr Schlaf gebraucht ;), Anker einfahren, Motor aus, Schnorchel greifen, ins Wasser springen - HERRLICH! Käpt´n mimt den Fleissigen und schabt mittels Spachtel am Unterwasserschiff rum und legt sich dabei mit den drei handtellergrossen Krabben an, die während der Überfahrt nach Venezuela irgendwo ein komfortables Reiseplätzchen für sich entdeckt hatten. Ich schnorchle zum Anker, von dem guckt nur noch ein Stück Bügel raus. Perfekt! ´Ne Menge Fischchen sind schwarmweise am Rumwuseln und haben den Mira-Schatten als perfekte Tarnung auserkoren. Klar, bei den Unmengen Fregattvögeln und Tölpeln, die´s hier gibt, lebt Fisch gefährlich. Von der Seite kommt eine Schildkröte angepaddelt, stoppt auf, schaut herüber (ich hoffe, dass sie neugierig ist und näher kommt) und schwimmt ganz entspannt weiter. Cool hier! - Nachmittags entern wir den Strand. Eine Handvoll bunter Fischerhäuser unter Kokospalmen. Dazwischen sind Hängematten gespannt, in einer schaukelt ein Paar und beobachtet unseren Landfall. Wir grüssen und fragen, ob wir das Dingi hier lassen dürfen. Claro, kein Problem! Sie zeigen uns den Weg zur Ostseite der Insel, der an einer Salzpfanne vorbei führt. Der andere Strand ist recht klein, schnell abgelaufen. Viel alter Plastikmüll ist hier angespült worden. Vom Festland oder Trinidad? Das Meer verteilt es. Bisschen hier, bisschen da - Riesenschweinerei! Der Käpt´n erleichtert die einzige Kokospalme um zwei Nüsse und mit der Beute im Rucksack geht´s wieder retour. Den Tamarinden-Strand noch mal rauf und runter, dann lassen wir uns mit Saft und Keksen bei den beiden nieder. Galletas mampfend erzählen sie, dass hier jede Familie ein Boot besitzt und zeigen stolz auf ihr eigenes, grösseres, die "Dona Doris". An den Bug ist ein grosser Schwertfisch gemalt. Ja, damit fangen sie viel Fisch! Grosse Fische, die dann nach Martinique verkauft werden. -- Wenn´s hier so viel Fisch gibt, warum beisst bei uns keiner?! Liegt wohl doch am rostigen Haken.

Sonntag, 22.09.2013
Käpt´n beim Morgenbad - ein Aufschrei! Hat doch einer der riesigen Fregattvögel einen halben Meter hinter ihm ein Fischlein entdeckt und sich direkt darauf gestürzt! Hat er überhaupt `ne Badehose an? Vielleicht war da auch gar kein Fisch und der Vogel hat bloss sein Ziel verfehlt? ... Ich vergnüge mich bei 34°C unter Deck. Aufklaren, Brot backen, wühle mich durch den monströs grossen Berg dreckigen Geschirrs, das Bad achtern braucht mal wieder ne komplette Reinigung ... Sauna umsonst. Wie gut, dass Frau sich anschliessend gleich ins "kühle" Nass fallen lassen kann! - Nachmittags tuckern wir im Dingi in die kleine Nachbarbucht, wollen heut die 30m hohe Sanddüne bezwingen und an den Playa Barlovento (auch  an der Ostseite von Testigo Grande). Hernan, der hier im Casa Verde lebt, zeigt uns den Weg (immer den blauen Zeichen nach) und warnt uns vor den Manzanillo-Äpfeln. Oki, die kennen wir schon. Der schmale Pfad führt direkt durch den "Busch" und alle stachelbewehrten Pflanzen recken ihre Dornen extra in unsere Richtung während wir Kannst du irgendwo nen blauen Pfeil entdecken?über grosse Steine klettern (Mist, wieder keine Machete mit!) Die blauen Pfeile sind mit einem Mal verschwunden - egal, die Richtung stimmt! Dann stehen wir irgendwann doch im kochend heissen Dünensand und können über einen Hügel schon den Playa sehen. Weisser Sand, angespültes verwaschenes Holz, Unmengen von grossen Schneckenhäusern, weit und breit keine Menschenseele! Wir finden Fische, die offensichtlich zu hoch, zu weit gesprungen sind (jetzt ein Festmahl für die Krabben) und leider auch diversen angespülten Plastikmüll. Über lose Steine und Felsen klettern, kriechen wir auf Ziegenpfaden (altbewährt ;) südwärts, bis es nicht mehr weiter geht. Fregattvögel kreisen über uns, Tölpel stürzen sich wie Kamikaze-Flieger ins Meer, kurz darauf mit einem zappelnden silbernen Fisch im Schnabel wieder auftauchend, bei den Pelikanen sieht der Sturzflug nicht ganz so elegant aus, aber sie scheinen genauso erfolgreich zu sein. Im Strandsand entdecken wir die treckerähnlichen Spuren zweier Schildkröten, die hier wohl ihre Eier abgelegt haben. War ja auch gerade Vollmond. - Was für ein herrliches Fleckchen, gefühlt am Ende der Welt! - Der Rückweg durch den Busch ist gruselig. Winzige Fliegen umschwirren uns, kriechen in die Nase (sind dauernd am Niesen), auch in die Ohren. Während man versucht, sich der Viecher zu erwehren, tappt man schon in die nächste Dornenfalle. Wieder ein Aufschrei des Käpt´n: Ein Kaktusohr mit langen Stacheln hat sich fast mittig, vorn an seiner Hose festgebissen. Das hätte aber auch ins "Auge" gehen können! Ich bleib stehen, richte mich auf und knalle volle Kanne unter einen dicken Kaktusarm, der ganz zufällig quer über den Weg wächst. Die kompletten Stachelreihen rammen sich durch das Basecap in die Kopfhaut! Wird Zeit, dass wir hier raus kommen! Nach viermal um die Ecke und gefühlt 30 Stichen mehr landen wir wieder bei Hernan, sacken auf seine Holzbank im Schatten. Er drückt uns ein kaltes Polar-Bier in die Hand, schaukelt neben uns in der Hängematte, erzählt von seiner Familie, vom Leben auf der Insel und hat anscheinend kein grosses Problem, unser "angestaubtes" Spanisch zu verstehen. Seine Frau Ciria brutzelt uns derweil leckeren Fisch - ah, geht uns das gut!!

Montag, 23.09.2013
Irgendwie habe ich frühs um Sechs schon Ankerkettengerassel gehört, aber um die Zeit gehört das ja irgendwie in einen blöden Traum und man dreht sich einfach auf die andere Seite. Von wegen blöder Traum, als wir zum Morgenkaffee ins Cockpit stolpern, liegt da tatsächlich noch ein Boot neben uns. Wie jetzt???!!! Dann sind wir hier ja schon zu zweit - das ist ja fast so voll wie in den Buchten auf den Windwards ... Obwohl es hier jetzt so hoffnungslos “überlaufen” ist, wollen wir noch etwas bleiben und fahren mittags rüber zur Isla Iguana zwecks Verlängerung. Da liegen auch schon zwei grosse Boote, vonVor Testigo Pequeno der Guarda Costa - heute trifft sich wohl alles auf den Los Testigos. Mein Käpt´n springt in´s Dingi, kommt aber kurz darauf unverrichteter Dinge wieder an Bord. Heute geht gar nichts, die Obrigkeit ist da. Manana. Den Anker also wieder hoch, weiter geht´s zur Isla Testigo Pequeno. Wunderschöner Ankerplatz genau hinter dem kleinen Riff, das die Isla Testigo Pequeno mit der Isla Calentador verbindet, daneben weisser Sandstrand, Palmen, ... Das gibt `n Faulitag! So`n bisschen Lesen, bisschen Schnorcheln, bisschen Rumdösen, ...

Dienstag, 24.09.2013
Wieder zurück zur Isla Iguana. Nix da mit Verlängerung! Nicht mehr möglich - hätte die Obrigkeit gesagt. Maximal 48 Stunden ohne Einklarierung und wir sind schon vier Tage hier. Morgen früh müssen wir fahren. Mist! Na ja, was soll´s? Ist uns ja jetzt eh zu voll hier ;) - Zurück zur Isla Testigo Pequeno. Wir packen unsere Wander-Flip-Flops, noch ein bisschen Füssevertreten vor der Abfahrt. Auch hier gibt´s ein paar Fischerhäuser direkt am Strand, aber niemand ist zu sehen, Siesta-Zeit eben. Vier Papageien fangen laut an zu Zetern, ein paar Hunde raffen sich daraufhin zu einem halbherzigen Gekläffe auf (die Vögel sind echt die besseren Wächter!) Von Bord eines ankernden Fischerbootes winken die Männer herüber. Wir wagen einen Ziegenpfad um den Inselberg herum, natürlich wieder quer durch Kaktus und Co (und ohne Machete. Vielleicht sollten wir eine im Dingi deponieren). -  Zurück an Bord, bereiten wir alles für die Abfahrt vor - wir finden es besser, heute Abend schon zu verschwinden und auch nicht zum Einklarieren zur Isla de Margarita zu fahren, wie wir der Guarda Costa brav erzählt haben, sondern zur Isla Blanquilla. Und kurz nach Sechs, als die Sonne gerade untergegangen ist, rasselt unsere Ankerkette hoch, wir rollen die Segel aus, winken den Fischern noch mal zu und treiben gemütlich in die Nacht. Sicherheitshalber erstmal `ne Stunde lang Richtung Isla de Margarita ...

Mittwoch, 25.09.2013
Die Sonne geht auf, Bordfrau steht auf ;) Sind mit 6-7 kn unterwegs, der Wind fast achterlich, eine "nette" Welle rollt die Mira hin und her. Kurze Einweisung von wegen der Islas Los Hermanos voraus, die wir südlich umfahren wollen. "Sollte passen" murmelt gähnend mein Käpt´n und tappert in die Koje. Bin ja noch gar nicht so richtig wach ... erstmal Kaffee! Na, das ist ja spannend. Wellen und Autopilot arbeiten fleissig gegeneinander, der Bug wandert beachtlich von Backbord nach Steuerbord und wieder hin und her. Die südlichste Insel, ein winzigkleiner, von Vögeln bekackter Felsenpopel, gefühlt direkt voraus... Käpt´n hat natürlich Recht! Es passt. - 11 Uhr. Werfen den Anker in einer Bucht im Süden Blanquillas, hier ist der Posten der hiesigen Guarda Costa. Der starke Schwell lässt unser Dingi springen wie´nen wildgewordenen Ziegenbock. Na, das kann ja lustig werden! Papiere raussuchen und duschen müssen wir noch. Sitze grad eingeschäumt im Cockpit, da kommt ein Lancha mit vier Männern (zwei von der Guarda Costa). WAS FÜR EIN TIMING! Mitsamt Schaum flüchte ich unter Deck und greife das Nächstbeste zum Anziehen. Der Käpt´n, schon duftig und behost, platziert die Beamten im Cockpit. Sie haben ihr Formblatt wasserfest verpackt und nehmen gleich unsere Daten auf (dabei schreiben sie "heimlich" von einem alten ab ;) Sie sind beide sehr jung und höflich, erzählen, dass sie hier 30 THier haust die Fischer-WGage lang Dienst tun, dann wieder auf dem Festland, immer im Wechsel. Ausser den Männern von der Guarda gibt es hier noch einige Fischer, die mit ihren Booten von Margarita oder dem Festland kommen und etwa 2000 wilde Burros (Esel). Boah! Wie ich meinen Käpt`n kenne, überlegt er jetzt gerade, ob man Esel essen kann! Wir dürfen 5 Tage bleiben, oder auch eine Woche, wie wir wollen. Sollen uns nur über Funk abmelden, wenn wir weiter fahren. Das klingt ja doch supi!! Die beiden bekommen ein kaltes Feierabendbier mit auf den Weg und wir gehen wieder mal ankerauf, wollen in eine der westlichen Buchten, in denen man hoffentlich ein bisschen geschützter liegt.

Sonntag, 29.09.2013
Das war sie - die letzte Zigarette. Brüderlich geteilt zum Kaffee nach dem Frühstück. Und jetzt? Da müssen wir halt durch, die nächsten Tage werden sicher anstrengend ... Blanquilla gefällt uns. Seit Mittwoch ankern wir vor einem kleinen Sandstrand in der grossen westlichen Bucht der Insel. Geschützt vor Schwell, aber nicht vor dem Wind. Was sollte den auch aufhalten, Blanquilla ist flach, einfach nur flach. Sieht aus wie ein aus dem Meer aufgetauchtes Korallenplateau, gespickt mit Kakteen, stacheligen SträucheAU!rn und ´ner Handvoll Palmen. Die höchste Erhebung misst ca 20m - Wahnsinn! Am Strand nebenan haust die Fischer-WG in ihrer offenen Hütte. Jeden Tag bringen sie mit den kleinen Booten das grosse Netz aus, sogleich umzingelt von interessierten Pelikanen und Tölpeln, die, überhaupt nicht zaghaft, sich direkt vom Fang aus dem Netz bedienen. Die Männer sind von Isla Margarita und kampieren für zwei bis drei Monate hier. Ausserdem liegt dort noch ein venezolanisches Segelboot vor Anker, Jean-Pierre und Silvia mit uralt-Hund Lola (schon seit zwei Monaten!). Seit heute früh schaukelt ein brasilianischer Katamaran einen Steinwurf weit weg an Steuerbord von uns, Peter, Dora und Hund Lucky, und vorm letzten, südlichsten Strand, liegen zwei Franzosen-Boote - also wieder nichts mit Alleinsein ;) - Waren ein paar Mal wandern, was man so eigentlich gar nicht bezeichnen kann, denn auch hier schlängelt man sich auf Eselspfaden (die Tiere müssen sehr schmal sein!) zwischen Kakteen und anderen stachligen Gesellen hindurch. Auch wenn des öfteren ein Schrei die Stille zerreisst, auch wenn Blut fliesst, es macht Spass. Ansonsten der ganz noHUNGER!!! ;)rmale Alltag: Brot backen, aufklaren, Käpt´n kümmert sich um die Müllverbrennung am Strand, strahlt frühs in der Funkrunde mit Micha und Karl, spielt Karten am Computer, hat mal Zeit zum Lesen, “Was kochen wir? Und wer ist dran?”, schon wieder ich? ... - Heut sind wir mit Flossen, Schnorchel und Harpune bewaffnet zu den Felsen rüber. HUNGER! Nein, nicht wirklich, aber wir hatten echt mal wieder Lust auf Fisch. Und auf Grillen am Strand. Mein Jäger hat dann auch sechs rote erlegt, von denen wir zwar nicht wissen wie sie heissen, aber dass sie gut schmecken. Meinereiner ist in der Zeit hin und her "gepaddelt" und hat die Korallen nebst bunten Wasserbewohnern bewundert. Soweit es möglich war, denn in den riesigen Schwärmen silbriger winziger Fische schwimmt man wie in ´nem Haufen Aluschnipsel, Sicht = Null. - Käpt´n hat sich mächtig mit den Schuppen rumgequält und das Feuerzeug vergessen. Zurück zum Boot ... beim Sonnenuntergang ist dann der erste Fisch essbar. Lecker! Nu aber fix. Im Dunkeln Gräten pulen ist doof.

Montag, 30.09.2013
Der Watermaker ist fleissig am maken, als er auf einmal "in die Knie geht". "Warum kommt hier kein Strom mehr rein?! Alles steht auf NULL!" Bloss gut, dass der Käpt´n ´ne Menge Ahnung von dem ganzen Zeug hat. Der Fehler ist relativ schnell gefunden: beide Hauptschalter für die Verbraucher-Batteriebank sind platt. Wie das geht? Keine Ahnung. Wieder mal ist Improvisieren angesagt, die ganze Hütte ist mit Werkzeugkisten zugestellt, es flucht laut und herzhaft aus dem Durchgang zur Achterkoje, dem "Wohnort" der Batterien ...  und während er alles zusammen räumt bastle ich für meinen Helden ´ne leckere Pizza. Hmmmm!

Dienstag, 01.10.2013
(Meine Güte, schon wieder Oktober!) Der Wind hat auf NNE gedreht und ein ordentlicher Schwell steht in "unsere" Bucht. Peter vom brasilianischen Cat nebenan geht mit wehender Wäsche auf der Reling ankerauf und ruft uns noch "Los Roques" herüber. Aha. Auch die Venezolaner, Fischer wie Segler, nehmen die Anker hoch und verholen in die nächste, weiter südlich gelegene Bucht. Bei uns an Bord gibt´s erstmal Frühstück, danach machen wir uns in die selbe Richtung auf. Alle Boote liegen dort im unteren Teil der Bucht. Warum? Wir fädeln uns in den oberen Teil. Ist doch nett hier! Bisschen später kriegen wir mit, warum: Hier bei uns, hinter einer kleinen Sanddüne, ist nämlich ein See, der reichlich von den Insel-Burros besucht und rundherum zugekackt ist. Riecht echt wie im Stall und der Wind trägt die originale Landluft direktamente rüber zur Mira. Na, egal! Wir sind ja keine Weichpitties, stört uns mal gar nicht ;) Werfen uns in die Wanderkluft und ins Dingi. Das Anlanden wird zum kleinen Kraftakt, denn am Strand geht´s gleich steil bergauf, zwei Schritte vor, einen rutscht man zurück. Oki, von da oben ist der See schon zu sehen, dessen Besichtigung schnell abgeschlossen ist. Scheint BrackEcht chicwasser zu sein. So mochig wie das aussieht kommt man gar nicht auf die Idee, das mal zu testen. Danach rechts am Strand entlang und über Felsen, bis es nicht mehr weiter geht, dann die andere Richtung. Finden einen kleinen Altar der Fischer, aus dem zwei kleine Marienfiguren auf´s Meer hinaus schauen, fast nebenan zwei halb zerfallene Häuser. Drumherum die üblichen Kakteen (Käpt´n probiert unfreiwillig Akupunktur - der Lautstärke nach zu urteilen, ist das nicht so sein Ding), aber die Pfade sind etwas breiter, was darauf schliessen lässt, dass die Esel hier wohl dicker sind. Am Strand sinken wir im weichen, weissen Sand ein, das Wasser umspült die Füsse und alles, was man trifft ist ein, gar nicht mal so kleiner, flinker Einsiedlerkrebs mit einem wunderschön, modisch gestreiftem Haus auf dem Rücken. - Zurück an Bord will mein Holder mich bekochen und es schnuppert bald phantastisch - bin schon hin und weg ;) ... Aber leider misslingt die Sauce, er ist nur noch am Fluchen, ich ziehe vorsichtshalber den Kopf ein und bin mal ganz still. Er will alles über Bord kippen, ich kann ihn gerade noch davon abhalten ... Obwohl ich alles aufesse (so schlimm ist es dann doch nicht ;), ist die Stimmung nicht mehr zu retten. Er ist ziemlich gereizt, ich inzwischen auch - na dann, GUTE NACHT!

Donnerstag, 03.10.2013Wer beobachtet hier wen?
An Bord knistert es immer noch. - Den gestrigen Tag könnte man auch glatt streichen. Käpt´n schwimmt irgendwann an Land und ist dort stundenlang unterwegs. Na, so hatte ich wenigstens Ruhe, um hier für die Website was fertig zu machen.. Mein, ach, so fleissiger, spassiger Schreiberling hat darauf momentan keinen Bock. Leider. Abends gibt´s noch mal Knatsch. Liegt das am Nikotinmangel, oder was?! - Heute war´s schon mal wieder ein bisschen kuschliger und wir sind ausgezogen, die Burros zu suchen ... und haben etliche gefunden. Herrliche Wanderung, denn hier im Süden ist das Grünzeug ein bisschen lichter und die Kakteen in nicht so grosser Zahl vertreten - läuft sich einfach besser und schneller. War eine Riesenrunde, am Ende sind wir noch komplett um den See gegangen. Zwecks Abkühlung bin ich zum Boot zurück geschwommen und später warn wir am Riff nebenan schnorcheln. Ist, als ob man im Aquarium schwimmt! Fische en masse, grosse, kleine, kunterbunt, weniger bunt, alle gucken einen staunend an, manche stehen Kopf, andre machen Geräusche, die nächsten jagen sich, riesige Fächer- und Hirnkorallen (die gucken nicht, klar ;) ... kurz vor Sonnenuntergang sind wir dann zurück... und es gibt schon wieder Knatsch! Langsam fällt mir dazu nix mehr ein.

Freitag, 04.10.2013
Getrennte Tagesgestaltung - warum nicht? Käpt´n liest. Ich werfe frühs gleich ein Brot in die Pfanne, kurz alles aufklaren, Flossen, Schnorchel, Maske greifen, in den Shorti zwängen (war der mal grösser? ;) und rüber paddeln in Richtung Strand. Am vorgelagerten Riff gibt´s ´ne ganze Menge Flossenträger zu begucken, danach Aufwärmpause und später noch mal ins Wasser. Dem Leser ist´s an Bord anscheinend auch zu langweilig, er hat sich mitsamt Buch, Hängematte und zwei Döschen kalten Königsbachers zwischen zwei kleine Palmen gehängt. Coole Idee. Kann ich jetzt aber nicht so zugeben. Letzte Schnorchelrunde, dann zurück zum Boot. Jaaaa! Sturmfrei!! Was stellt Frau denn da so an? Yep! Haare schneiden! Ist schon mehr als überfällig und meinen Käpt´n mag ich wegen der derzeitigen Verstimmung nicht fragen. Also Spiegel raus, Kamm, Schere, Haarklemmen, ... hab ich schliesslich früher auch selber gemacht. Muss Frau sich natürlich ganz schön verrenken bei ;) Erster Schnitt hinten rum. Ein 6cm langes, dickes Haarbüschel fällt runter. Oh! Na ja, das wird schon. Einfach weiter schnippeln. Muss noch ´nen zweiten Spiegel holen, dann geht´s. Natürlich würde jeder echte Friseur die Hände über´m Kopf zusammen schlagen, ich bin am Ende ganz zufrieden mit dem Ergebnis :) Schwimme stolz extra noch mal zum Strand rüber, tapper klatschenass, splitterfasernackt durch den heissen Sand zu meinem Käpt´n und baue mich mit elegantem Hüftschwung vor der Hängematte auf. Er guckt bisschen verständnislos und merkt überhaupt nichts! Grrr! Möcht ihn fast anbrüllen: MANN, ICH WAR BEIM FRISEUR!!! aber das lass ich mal lieber, gibt nur Stress. Immerhin bekomme ich den letzten Schluck vom, inzwischen warmen Königsbacher. Whow! Na, denn schwimm ich mal zurück ... muss ja noch das haarige Cockpit aufklaren ... Kurz bevor ich damit fertig bin hab ich noch eine unheimliche Begegnung mit dem einen Spiegel, der ja sonst nicht da steht - verfehle knapp die grosse Ader an der Stirn. Das Blut läuft mir sofort quer durch´s Gesicht. UND WO, BITTESCHÖN, IST MEIN RETTER?! Der schaukelt in der Hängematte am Strand! Na, irgendwann hat´s doch aufgehört, zu bluten. Hab den Scheitel aber so gekämmt, dass er den Schnitt auch gleich sieht, wenn er zurück kommt. - Käpt´n kocht heute wieder. Und er hat noch gar nicht geflucht ;)

 

Sonnabend, 05.10.2013Einsamer Strand, Schatten, Hängematte, ´n Buch von Tom Sharpe und ein kühles Bier - was gibt´s besseres?
Ich muss ja echt mal feststellen, dass es in punkto "Faulenzen" bei mir einen echten Qualitätssprung gegeben hat! Ist eben ein Unterschied, ob man einfach nur so mit`m Buch in der Hand im Cockpit rum döst, oder im Schatten der Palmen beim Lesen in der Hängematte schaukelt. Einziger Nachteil: kein Kühlschrank in Reichweite! Muss Mann halt vorher drüber nachdenken, ob man jetzt zwei Bier einpackt, oder lieber drei ... ? Andererseits ist das Dritte dann warm, wenn`s dran ist ... Obwohl, heute haben wir uns wieder lieb, Marion will mit unter die Palmen - also doch drei! Sie packt auch gleich noch Schere und Rasierer ein - mein Haardesign sagt ihr nicht mehr zu. Sie musste sich ihre Haare ja gestern alleine schneiden, fängt sie am Strand wieder an zu stänkern. Na und! Ich wollte mir meine sowieso selber schneiden! Grinsend drückt sie mir die Schere in die Hand - bitte schön, ich geh dann mal den, mittlerweile schon ganz grünen Dingiboden schrubben. Da hocke ich also nackt auf einem Stein und schnippel so nach Gefühl auf meinem Kopf rum (Spiegel hab ich ja nicht dabei). Ging auch ganz fix und ich bin mächtig stolz auf das Ergebnis. Sieht supi aus - glaube ich jedenfalls, sehen kann ich`s ja nicht. Als Als Marion zurück kommt und sich die Tränen vom Lachen aus den Augen gewischt hat, will sie dann doch lieber noch `n bisschen nachschneiden. So `ne halbe Stunde lang. Ihr ist halt doch noch eher was peinlich, als mir. Jetzt sind wir beide wieder schick, was hier ausser den Eseln und Pelikanen allerdings eh keiner würdigt. Teilen uns die kalten Dosen, schaukeln in der Hängematte, springen ab und zu mit Taucherbrille ins Wasser, um die Fische zu erschrecken, lesen, wieder ins Wasser, weiterlesen, ... Jo, ist schon ein geiles Inselchen! Völlig unverständlich, warum die Segler sich auf den Karibikinseln so auf der Pelle hocken. Hier ist man fast alleine, der nächste Nachbar (wenn denn einer da ist) schaukelt einen Kilometer entfernt am Anker, ewig lange Sandstrände, ein paar Palmen, man kann Kilometerweit wandern, wenn man HungBoah! Die schon wieder!er hat sich ein paar Fische speeren, morgens wecken einen die zeternden Papageien und keine Musikboxen und abends, im Cockpit geniesst oder erträgt man das Eselkonzert. Iiiiiiaaaaah! Äh, kennt vielleicht irgend jemand ein Rezept für Eselfleisch?

Sonntag, 06.10.2013
Marion will mal wieder wandern, verkündet sie beim Frühstück und ich tue natürlich gleich so, als ob ich mir für den heutigen Tag nichts sehnlicher gewünscht hätte (wegen der Familienharmonie und so). Dafür darf ich auch den Rucksack tragen: Getränke für `ne Woche, Fernglas, Fotoapparat, Kekse, ... Diesmal Richtung Süden. Wir müssen nicht auf schmalen Eselspfaden durchs Dornengestrüpp und Kakteenwälder, um hinterher auszusehen wie nach `ner Akupunkturbehandlung, heute trampeln wir stundenlang über weite Grasebenen und sanfte Hügel, dabei argwöhnisch beobachtet von Dutzenden Eseln, könnten ihnen ja schliesslich die besten Grasbüschel wegschnappen. Machen wir nicht, wir haben ja Kekse! Wie bei Inseln nicht anders zu erwarten, stehen wir irgendwann wieder vorm Wasser, `ne kleine Bucht, Felsen, steile Abstiege, jede Menge Dornen und Kakteen. Den selben Weg zurück wollen wir Geht doch nix über uralte chinesische Behandlungsmethoden ;)aber auch nicht, quälen wir uns da also durch. Dauert ein, zwei Stündchen, wir kommen doch noch zu unserer Akupunktur, `n paar Schrammen vom Klettern auch, folgen jetzt doch lieber wieder den Eselspfaden (wenn keine Köddel mehr rumliegen, dann falscher Weg) - weil, die sind einfach klüger bei der Wahl des Weges, finden irgendwann aus dem Gewirr von Schluchten raus und stehen wieder vor den weeeeeiiiiiten Grasebenen. Der Leuchtturm ganz in der Nähe, der Guarda Costa Posten ein paar Eselspfadwindungen vor uns - da müssen wir jetzt aber nicht noch Hallo sagen - wir machen uns auf den Rückweg. Die Kekse sind eh fast alle, die Getränke auch - was das Gewicht des Rucksacks ganz erheblich reduziert und dessen Träger (also mich) davor bewahrt, sich demnächst wegen akuter Rückenprobleme in physiotherapeutische Behandlung begeben zu müssen. Wir erschrecken mehrere vor sich hindösende, gruselig aussehende Leguane, oder die uns, wenn sie so einen halben Meter vor uns los wetzen, sind auf der Sympathieskala der Esel immer noch nicht viel weiter nach oben gerutscht, sind froh, dass wir bei gefühlten 60°C und knallender Sonne einen Hut aufhaben, noch mehr, dass wir am Ende auch wieder einen Weg zu dem kleinen Salzsee finden, wo unsere Wanderung begonnen hat und am allermeisten, dass im Kühlschrank so richtig schön KALTES BIER auf uns wartet! PROSCHT!!!

Montag, 07.10.2013
Eigentlich wollten wir uns nächste Woche mit den Marlin´s treffen, aber irgendwie wechselt gerade bei jeder morgendlichen Funklaberrunde mit Micha der Treffpunkt (offensichtlich iBleiben wir eben noch ;)st dort noch nicht so richtig ausgeknobelt, wer sich durchsetzt - Micha, Nathalie, oder die Kinder :-) Man, haben wir es da gut! Der Käpt`n zeigt mit `m Finger auf die Karte und die Crew muss eben sehen, wie sie das Boot da hin bringt. Und ich hab grad wieder `ne neue Idee: Puerto La Cruz. Liegt nicht so direkt auf dem Weg zur Marlin, sind aber nur 100sm und der Wind passt hin und zurück eigentlich immer. Ich muss nur noch meine Crew überzeugen. Bei meinem geballten Optimismus gehen der natürlich schnell die Ausreden aus - alles klar, wir fahren heute Nachmittag los. Vorher tuckere ich aber noch die halbe Meile zu unseren Nachbarn, der venezolanischen Segelyacht, um mich mit ein paar Tipps und Infos versorgen zu lassen. Zwei kalte Dosen als kleines Gastgeschenk kommen immer gut und schon setzen Silvia und Jean-Pierre ihre Lesebrillen auf, klappen Karten auseinander und legen los: Welche Marina ist besser, welche sicherer, welche Werft kann was, wo einklarieren, wo Geld tauschen, wo lecker essen, wo auf`s Klo, ... ach ne, da ging`s um `nen Swimmingpool. Nebenbei bekomme ich noch etliche Tipps, was wir unbedingt im Land besuchen sollen, wie wir die Reisen am besten organisieren sollten, Namen von Freunden, die uns bei was auch immer helfen können, ... sie sind kurz davor, mir auch noch die Namen der Indios zu diktieren, die unser Gepäck auf den Trekkingtouren schleppen würden. Mein Zettel ist voll, ich bedanke mich überschwenglich, bei Silvia mit Küsschen, bei Jean-Pierre ohne, und tuckere wieder zurück, wo meine fleissige Crew schon das Essen vorgekocht hat, abgewaschen, alles weggeräumt, verstaut, abfahrbereit dasitzt ... und nur noch auf ihren geschwätzigen, sich bei der Nachbarin rumtreibenden Capitano wartet. Brauch ich eigentlich nur das Schlauchboot auf`s Deck hieven, verzurren und dann kann`s losgehen. Vorher noch schnell die aktuelle Wettervorhersage holen. Gute Idee, der Wettercomputer hat sich nämlich seine Prognose von gestern Abend noch mal durch`n Chip gehen lassen und ist jetzt der Ansicht, dass der Wind nur noch auf der ersten Hälfte der Strecke passt, danach gibt`s keinen mehr. 50sm motoren müssen wir aber auch nicht - fahren wir halt erst morgen. Also braucht das Schlauchboot doch nicht hoch und wir können statt dessen lieber mit Brille und Flossen ins Wasser springen ...

Dienstag, 08.10.2013
Nachdem wir uns die halbe Nacht mit grummelndem Wanst in der Koje gewälzt haben (ich hatte gekocht), sind wir heute früh etwas zertreten ins Cockpit geklettert. Hab sogar meine Laberrunde mit Micha verpennt. Erstmal `n schönen Kaffee - freut sich der Magen - und noch mal Wetter gucken. Der Wettercomputer bleibt diesmal bei seiner gestrigen Meinung, soll eher noch `n bisschen mehr Wind geben. Na prima, können wir den Anker also hoch leiern und uns nach zwei erholsamen Wochen von dem einsamen Inselchen verabschieden. Wir rollen die Segel aus und nehmen Kurs auf`s venezolanische Festland. Kann man auf keinen Fall hinfahren, weiss jeder zu berichten, viel zu gefährlich, es gibt nichts zu kaufen und falls doch, ist es unheimlich teuer. Die fundiertesten Reisewarnungen gibt es natürlich von den "Experten", der dauerhaft mit ihren Booten in den Karibikbuchten schaukelnden "Kleingartenvereine" - ... Da kann man vor lauter Piraten kaum treten, von morgens bis abends wird rumgeschossen, ... ! Mit Rum abgeschossen haben sich einige dieser Informanten übrigens auch von morgens bis abends :-) Und wenn man denn mal nachhakt, war keiner jemals da. Aber jeder kennt einen, der jemanden kennt, ... ! Bleibt uns also gar nichts weiter übrig, als selbst mal hinzufahren und zu gucken, wie`s dort aussieht.

 

Mittwoch, 09.10.2013
Was für `ne stressige Nacht! Nicht, weil ich in Orkanen mit zerfetzten Segeln ringen musste, nö, der Wind hat gepasst, wir sind nur so im Zickzack dahin gerauscht. Nicht etwa im Zickzack weil wir kreuzen mussten oder der Käpt`n betrunken war - die FISCHER! Fischerboote, Fischernetze, blinkende Netze ohne Fischerboot und zur Abwechslung auch mal `n paar Frachter. Da lob ich mir doch `ne geruhsame Nachtfahrt in der Karibik. Da sind die Jungs abends alle brav zu Hause. Immerhin dödeln wir vormittags so ganz gemütlich auf die Inseln des Mochima-Nationalparks zu, dem Wind ist es heute wohl irgendwie auch zu heiss, ein laues Lüftchen treibt uns mit 3kn vorwärts, dann 2, 1,5 - als das GPS 1kn Fahrt anzeigt, kann ich das Elend nicht länger mit ansehen, rolle die Segel ein und wir motoren die letzten 5sm bis Puerto La Cruz. Diesel soll dort ja billig sein :-) Meine venezolanischen Informanten hatten empfohlen, erstmal in die Marina Redonda zu gehen, da gibt`s zwei Agenturen, die das Einklarieren übernehmen, man kann Geld tauschen, liegt geschützt, grosser Swimmingpool, nettes Restaurant, ... Nützt uns aber alles nichts, wenn sie dort denn keinen Platz mehr frei haben. Stückchen weiter den Kanal hoch gibt`s noch jede Menge mehr Marinas, wir sollen es da mal versuchen. Tuckern wir also um die Ecke in den Kanal, sehen schon von weitem die, wie auf `ner Perlenschnur aufgereihten Megayachten und wissen im selben Augenblick, dass wir da eigentlich nicht hinwollen. Aber gleich hinter der Einfahrt liegen auch zwei Yachten an der Kaimauer, da passen wir doch glatt noch dahinter. Die lustigen Franzosen liegen schon seit zwei Wochen hieSchöner als in der Marina und nachmittags hat´s sogar Schattenr, ist zwar ausserhalb des stacheldrahtbewehrten Marinabereiches, aber Strom und Wasser gibt`s hier auch, sogar ein Duschhäuschen und zur Marina Redonda kann man mit dem Schlauchboot fahren. Das machen wir dann auch gleich - mit sauberem Hemd, Pässen und Papieren. Dort sitzen zwei Agenturen, die sich um die Wünsche und Befindlichkeiten der ausländischen Yachtis kümmern, die Franzosen haben Keigla empfohlen. Drücken wir ihr also unsere Pässe und Dokumente zwecks Einklarierung in die Hand (will sie gleich morgen erledigen) und zücken auch noch 200 Dollar zwecks Umtausch. Das war einer der wichtigsten Hinweise von Silvia und Jean-Pierre auf Blanquilla: auf keinen Fall in `ner Bank tauschen oder die Plastikkarte in `nen Automaten schieben! Der offizielle Kurs ist etwa sechs Bolivar für einen Dollar, der Schwarzkurs ist sechsmal höher. Am besten wäre es gleich in der Agentur zu tauschen, die sind seriös und wir können sicher sein, die Scheine dann auch zum Bezahlen nutzen zu können und nicht nur zum Feuer anzünden. Keigla gibt uns 42 Bolivar für jeden Dollar - ich kriege das Bündel kaum in die Hosentasche. Anschliessend wieder auf die andere Kanalseite, ins oficina, wo wir den Liegeplatz bezahlen müssen. 500 Bolivar für drei Tage, ungefähr 12 Dollar, inclusive Strom und Wasser :-) Und zur Belobigung noch mal zurück in die Marina, in das nette Restaurant gleich neben dem grossen Swimmingpool. Blick auf die zusammengepferchten Yachten, eisgekühltes Bier, seitenlange Speisekarte. So`n fürstliches Essen gönnen wir uns sonst ja nur zur Silberhochzeit oder `nem runden Geburtstag, aber wenn man denn am Ende, einschliesslich reichlich Getränken umgerechnet nur knapp 10 Euronen auf den Tisch legen muss ...

Donnerstag, 10.10.2013My home is my castle
So richtig friert man bei 34°C ja nun nicht. Bisschen bewegen wollen wir uns aber trotzdem, machen wir halt einen Spaziergang. Entlang der Wohnparks der Leute mit etwas ausgeprägterem Sicherheitsbedürfnis - hohe Mauern, Stacheldraht, Security am Eingang und schmückende Gitterdekorationen vor den Fenstern. Wie in Brasilien, nur gab`s da noch mehr elektonischen High-Tech-Überwachungskrempel. Ein Gewirr von Kanälen, luxeriöse Reihenhäuser an den Ufern und vor jedem eine Mega-Motoryacht. Ganz praktisch so`n Wohnsitz. Zur Abwechslung gehen wir mal zum Strand - menschenleer, Uferpromenade mit ein paar Verkaufsbüdchen. Legen wir doch gleichmal Bolivars in kaltes Bier an (bei dem Preis halten wir`s doch glatt `ne Weile im Schatten aus :) Etwas lustlos schlendern wir hinterher noch durch eine Shopping Mall, einfach unglaublich was für`n Kitsch und Krempel die Leute hier raus schleppen. Da wir grad keine Glitzerschuhe, Weihnachtsdeko oder Designerunterwäsche brauchen, machen wir uns langsam auf den Rückweg, müssen schliesslich noch unsere Papiere bei Keigla einsammeln. Die zuckt bedauernd mit den Schultern, dauert doch etwas länger, irgendein Beamter vom Zoll will sich morgen um Zehn noch unser Boot angucken. Na wenigstens hatte der nicht die blöde Idee, schon frühs um Sieben anzutraben. Und weil wir eh grad neben dem Marina-Restaurant stehen und ausserdem mal wieder Hochzeitstag haben, lade ich meine Angebetete ganz generös zu einem üppigen Dinner ein ... Für dich ist mir nichts zu teuer, Baby! (So kriegt man Frauen rum ;) !

Freitag, 11.10.2013
Sitzen wir um Zehn frisch geduscht und behördentauglich gekleidet im Cockpit und warten und warten und warten ... Das machen wir auch um Elf noch, um Zwölf, vom Duschbadduft  ist nichts mehr zu riechen, die Klamotten sind durchgeschwitzt - um Eins haben wir die Backen dick! Schnell noch mal `ne Dusche, in die Wandershorts springen, auf zum Stadtbummel. Müssen wir erstmal auf die andere Kanalseite, dafür gibts `ne kleine wacklFerry a otra bandaige Fähre. Die beste Art ins Zentrum zu gelangen, ist ein Colectivo-Taxi, erfahren wir hier und davon gibt´s reichlich. Uralte Ami-Schlitten, ewig lang und herrlich verbeult. Klettern wir also in so`n Teil, quetschen uns nebst vier weiteren Fahrgästen in die durchgesessenen Polster und stehen `ne halbe Stunde später durchgeschwitzt im Zentrum. Ein historisches Kleinod ist Puerto La Cruz nun nicht gerade, aber irgendwie hat man es geschafft, dass selbst die modernsten Hotelbauten an der Uferpromenade schon ganz schön alt aussehen. Dafür ist jede Menge Leben in den Strassen, Laden an Laden, Strassenhändler, Imbisse, Restaurants, alles voller Leute, es wird flaniert, gesessen, gekauft, geschwatzt - das pralle Leben eben. Kann man schon `ne Weile hier aushalten. Wir entdecken das Touristen-Informationcenter, zugepappt mit Chavéz-Postern, -Flyern, -Aufklebern, etc., wo uns drei nette Mitarbeiter höflich erklären, in welchem Hotel wir nachfragen müssen, wenn wir touristische Informationen benötigen. Sie wären aber schon die Touristen-Information ... Stückchen weiter gibt´s einen Yachtclub, da fragen wir doch glatt mal nach `nem Liegeplatz. Dauert schon `ne Weile bis sich der Comodore, ein weiterer Entscheidungsträger und der Obermarinero darüber einig sind, dass sie noch ein Plätzchen für uns hätten, noch länger, bis sie den beiden Damen im Sekretariat den Preis dafür entlocken können. Umgerechnet 3 Dollar pro Tag, inclusive Strom, Wasser, Dusche. Klingt supi! Aber vorher müssen wir mit Einklarierungspapieren vorbeikommen. Claro, die holen wir ja nachher bei Keigla ab. Wir lempeln noch `n bisschen durch die City. Marion will mir neue T-Shirts verpassen, ich will aber lieber `n kaltes Bier, sie kann sich nicht zwischen zwei Blusen entscheiden, ich mich dafür für `ne neue Sonnenbrille und irgendwann versinken wir wieder in einem durchgesessenen Strassenkreuzer-Polster, um uns zurückschaukeln zu lassen. Schnell bei Keigla vorbeifahren, unsere Papiere einsammeln - ne, ne, so schnell geht`s hier nicht - jetzt will uns die Migracion auch noch persönlich sehen. Sie hätten versucht, uns um Zwei abzuholen, aber niemand war am Boot und (leicht vorwurfsvoll!) per Cellular sind wir ja nicht zu erreichen. Manchmal hat man schon fast ein schlechtes Gewissen, so ohne Handy zu leben. Neuer Termin: Montag früh um Neun! Um Zehn hätte unserer Meinung nach auch gereicht :) Abendessen heute mal nicht im Marina-Restaurant (können schliesslich nicht immer so mit dem Geld rumschmeissen), wir schlendern die Strasse auf unserer Kanalseite lang, da werden jeden Abend zwei miteinander konkurrierende Strassenimbisse aufgebaut. Grosse Grills, Salattheke, Plastestühle - der Eine hat`s mit Hamburgern, aber beim Zweiten drehen schöne grosse Fleischberge am Grill. Natürlich, gehen wir zu den Fleischbergen!

Sonnabend, 12.10.2013
Schon den ganzen Morgen rauschen sie an uns vorbei, grosse Yachten, Megayachten, Monsteryachten und Megamonsteryachten - der "Durchschnittsvenezulaner" fährt mal eben nebst Familie und Freunden zum Wochenendausflug mit seinem Bötchen raus. Marion findet, wir hatten jetzt lange genug Wochenende, wir müssten wieder `n bisschen was am Boot machen. Hat sie natürlich recht und bei ihr klappt das auch gut. Ich fummele dagegen hier rum, fang da was an, möl die Ecke voll und zum Abend bin ich eigentlich ganz froh, dass sie mich nicht fragt, was ich denn den ganzen Tag gemacht habe?! Weiss ich eigentlich selber nicht. Dusche, Feierabendbier im Cockpit, die Motoryachten rauschen wieder alle an uns vorbei nach Hause und wir können deutlich eine Gesetzmässigkeit zwischen der Grösse der Yacht und der Lautstärke ihrer Musik erkennen: Je kleiner, desto lauter! Abendessen wieder am Grill, ich schaff diesmal zwei Kühe und lerne wieder was dazu: war ´ne blöde Idee!

Sonntag, 13.10.2013
Für heute habe ich endlich eine Idee, wie ich mich sinnvoll beschäftigen kann. Gefühlt sind unsere Trinkwassertanks immer ziemlich schnell alle, der Wassermacher ist beim Befüllen auch beindruckend schnell fertig und überhaupt blubbert es oft wenn wir den Wasserhahn aufdrehen. Ich könnte ja mal unser Trinkwassersystem überprüfen. Die Idee:  die Tanks rammelvoll machen (haben ja grad Trinkwasser aus Schlauch) und dann jeden der drei Tanks einzeln über einen Messbecher leeren. Weiss man immerhin schon mal, wieviel da jeweils noch raus kommt. Ist natürlich `ne stupide Beschäftigung, versuche ich also Marion überzuhelfen. Die will aber ihre Fotos am Rechner sortieren (Strom haben wir ja auch grad im Überfluss) und ich nicht solange warten. Fang ich also schon mal an, Tanks füllen, auf Tank 1 schalten, am Küchenwasserhahn `ne Schüssel voll laufen lassen, auskippen, wieder voll laufen, auskippen, ... Passen immer genau 4Liter rein, braucht man bloss noch mitzählen. Natürlich ist Marion zwischendurch am Labern, ich bin so blöd zu antworten, verzähle mich natürlich, kann den Tank noch mal vÜbeltäter gefundenollmachen, wieder mit Zählen anfangen, ... kann MANN sich echt Stunden mit beschäftigen. Hinterher weiss ich immerhin, dass aus Tank 1 mit viel Geblubber 80Liter rauskommen, aus Tank 2 100Liter und aus Tank 3 gar nichts. Da blubbert`s nur noch. Zieht die Saugleitung im Tank vermutlich Luft. Muss ich nur noch rauskriegen, welcher Anschluss an den Umschalthähnen im Motorraum zu welchem Tank gehört. Eine müde Erinnerung (der Einbau ist schliesslich schon Jahre her) sagt mir, dass der Nur-noch-blubber-tank links unter der Sitzecke ist. Also Sitzecke leer räumen, Bodenbrett abschrauben und schon sehe ich die Saugleitung. Einfachster Weg rauszubekommen, ob ich richtig liege, ist Saugleitung am Tank und am Absperrhahn abschrauben, ich puste dann im Motorraum da rein und Marion kontrolliert im Salon ob Luft raus kommt (hähä, war noch Wasser drin)! Ist aber die richtige Leitung. Tankdeckel abbauen (hatte ich natürlich mit Sika eingesetzt) und wieder einmal begeistert feststellen, wie findig doch die Hersteller bei der Auswahl der preiswertesten Materialien für ihre Produkte sein können. Die Saugleitung besteht aus geripptem dünnen Plastik, das offenkundig die Neigung hat sich in Trinkwasser zu zersetzen. Voller Löcher, am Anschluss ist das Teil schon halb durchgerissen. Da kann nur noch Luft kommen! `N anständiger Skipper hat in seiner Bastelmöl natürlich auch irgendwo Schläuche rumliegen, ich finde sogar die passende Grösse, das Ding an den Anschluss fummeln, Deckel wieder anschrauben, alle Schläuche anschliessen, Wasserhahn aufdrehen, wundern, dass kein Wasser kommt - ach ja, im Motorraum muss die Leitung natürlich auch wieder ran, neuer Versuch - Wasser läuft! Satter Strahl, kein Blubbern mehr - bueno! Jetzt kommt der Punkt, wo man in Europa das Bodenbrett unterm Salontisch abschrauben würde, um sinnvollerweise auch gleich den Blubbertank 1 zu reparieren. Hier sind wir aber in Südamerika! Da packt man einfach sein Werkzeug zusammen, räumt den Krempel zurück unter die Sitzbank, holt das Feierabendbier aus ´m Kühlschrank und murmelt ganz entspannt MANANA!

Montag, 14.10.2013
Eigentlich sollte die Überschrift heute heissen: Hurra, wir haben einklariert! Klappt aber nicht. Auf jeden Fall steht schon mal fest, dass wir einen neuen Rekord im "Langzeiteinklarieren" haben. “Mitten in der Nacht” hatten wir unseren Termin zwecks "Migracion" (die wollten uns unbedingt persönlich sehen). Um Neun! Waren wir denn also da, mit einer Mitarbeiterin von Keigla, kein Mensch hat uns angeguckt, statt dessen glotzt die Dame auf den mitgebrachten Berg von Papieren. Und schon piekt ihr Finger auf eine Zeile auf Seite 4329 - da ist was verkehrt!!!! In dem Fall das Ausstellungsdatum eines unserer Pässe. Interessiert keine Sau! Hier schon, können wir natürlich keinen Einreisestempel bekommen. Fahren wir eben wieder zurück, die Keigla-Mutti darf im Office alles noch mal richtig ausdrucken und wir fahren erstmal zum Boot, um im Cockpit rumzulungern. Gerade rechtzeitig, um anwesend zu sein, wenn die Guarda Nacional sich die Zeit mit der Kontrolle von Segelyachten vertreibt. Ist jetzt auch nicht soo anstrengend für die Jungs, da nur zwei Boote bewohnt sind - beim ersten wird schon mal "unautorisiert" mit der Flex gewerkelt und bei uns ist es noch viel schlimmer: wir haben kein "Permiso de Estadia"! Überhaupt haben wir gar keine Dokumente! Immerhin können wir wenigstens noch Kopien unserer Pässe und Schiffspapiere zücken, aber ohne das Permit sind wir hier irgendwie verkehrt. Ist aber nicht schlimm, lernt man ja schliesslich schon als kleines Kind, dass man nicht alles haben kann - bekommen wir halt einen Zettel mit ganz vielen Stempeln in die Hand gedrückt, wo draufsteht, dass wir das eben nicht haben. Morgen früh sollen wir unsere Originaldokumente nebst Permit vorzeigen und bis dahin machen die Jungs schon mal ein paar Erinnerungsfotos mit Sturmgewehr vor unserem Boot. Um Zwei stehen wir wieder frisch geduscht vor Keiglas Office, neuer Versuch bei der "Migracion". Diesmal scheinen alle Papiere in Ordnung zu sein, uns würdigt wieder keiner eines Blickes, dafür werden schwungvoll zwei Stempel in unsere Pässe geknallt. Grad wollen wir HURRA schreien, da werden wir auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Es fehlt ja noch die Capitaneria, zwecks "Permiso de Estadia". Dauert etwa drei bis vier Tage. Ups, das wird unseren Kumpels von der Guarda Nacional aber gar nicht gefallen! Per Taxi zurück, wir werkeln so`n bisschen am Boot rum, ich klapp den Kühlschrankdeckel hoch zwecks Feierabendbier, gibt`s den nächsten Nackenschlag. Bier alle! Nicht so schlimm, paar hundert Meter weiter in der "Americo Vespucci Marina" hatte ich einen Minimercado gesehen. “Ich bin mal kurz weg”, rufe ich Marion zu. Nettes Lädchen, die ganze hintere Reihe voller Kühlschränke mit Getränken und eine Mutti, die sich begeistert auf ihren einzigen Kunden - also mich - stürzt. Ich brauch kaltes Bier! Claro, hat sie - stolz zeigt sie auf die Kühlschränke. Vier verschiedene Sorten, das erschwert die Kaufentscheidung natürlich. Die "light"-Sorten kann ich schon mal ausklammern, bleiben noch zwei übrig. Am besten einfach mal probieren - greif ich mir also zwei Dosen und reiss sie auf. Die Mutti strahlt immer noch, fängt jetzt an, alles aus ihren Regalen und Truhen zu zerren, was ein Segler aus Deutschland ihrer Meinung nach noch so brauchen könnte. Ich brauch heute aber nur Bier! Macht nichts, vielleicht morgen und schon hält sie weiter tiefgefrorenes Fleisch, Käse, Butter hoch, ich watschel, in jeder Hand `ne offene Dose, brav hinterher, geduldig erklärt sie alles, was ich nicht gleich verstehe solange, bis ich nicke, ist mittlerweile bei den Zutaten für echt venezulanisches Essen angekommen und überhaupt, ich muss unbedingt morgen früh herkommen, da hat sie auch richtig leckere Empanadas. Ein anderer Kunde steht mit seinen zwei Bier schon `ne Weile an der Kasse und hört uns staunend zu - Whow, die hat dich aber in´s Herz geschlossen, meint er dann auf Englisch zu mir. Ich nutze die Chance, um gleich mal die Palette meiner Wahl daneben zu stellen und mich mit dem Versprechen, morgen wiederzukommen, nach draussen zu verdrücken. Bin ich aber noch nicht viel weiter, vorm Laden kann man gemütlich im Schatten sitzen und schon bin ich mit Rob, dem anderen Kunden am Labern. Rob spricht Englisch, arbeitet in der Ölindustrie (was soll man auch sonst tun in Venezuela), hat einen deutschen Grossvater und kann noch ein bisschen Deutsch. Prost, zum Beispiel. Ist dann auch schon `ne Weile dunkel, als ich mich auf den Heimweg mache (meine Palette ist etwas leichter geworden) und mit strafendem Blick empfangen werde. Für mal kurz weg, sind zwei Stunden aber ganz schön lange! Schieb ich natürlich alles auf die schladdernde Ladenmutti und ködere meine Holde mit einem lecker Abendessen im Marina-Restaurant. Klappt nicht, da sitzen alle im Dunkeln vor ihren Drinks - Stromausfall, keine Küche! Marion guckt mich an, als wenn ich das Kabel durchgeschnitten hätte - dann eben wieder zurück, wandern wir halt zum Strassenimbiss.

Dienstag, 15.10.2013
Musste ich doch glatt zweimal nachfragen: Ich bin mal rüber zur Marina-Tankstelle, um nach dem Preis zu fragen. “1Bolivar por 1Litro”. Wieviel ich denn brauche? Ungefähr 200Liter. Macht dann halt 200Bolivares! Brauch ich glatt `n Taschenrechner, um den Literpreis in Euro umzurechnen - keine 2Cent pro Liter! Kann ich den dauerjammernden deutschen Autofahrern eigentlich nur empfehlen, zum Tanken hierher zu kommen :-) Ansonsten warn wir heute auch noch bisschen fleissig, früh um Acht hatten wir ja schon den ersten Termin bei der Guarda Nacional. Dauert fast `ne Stunde eh wir uns alle einig sind, dass es ja schon mal toll ist, wenn wir jetzt ein Zolldokument und `n Einreisestempel im Pass haben. Gut, das "Permiso" ... aber wenn die Capitaneria nun mal soooo langsam arbeitet. Nachdem wir uns auf einen Schuldigen geeinigt haben, entwickeln die Jungs ungeahnte Aktivitäten. Sie schreiben einen offiziellen Beschwerdebrief an die Capitaneria. Das wird denen Dampf machen! Aber nicht jetzt, der Computador ist gerade ocupado - wir sollen um Elf wiederkommen. Machen wir natürlich brav, Sargento Taranudo (mittlerweile unser Kumpel) gibt seinem Untergebenen am Computador klare Anweisung wie so`n richtiger Dampfmachbrief auszusehen hat und schon suchen dessen Finger nach den dazu passenden Tasten. Dauert so `ne halbe Stunde, der Sargento liest sich alles noch mal durch und knallt dann zufrieden seinen Stempel unter den Schriebs. So, den schicken sie jetzt zur CapA la salude! Unsre lärmigen Nachbarn :)itaneria! Warum wir dafür nun daneben sitzen mussten, wird wohl zu den ewig ungeklärten Geheimnissen der venezolanischen Bürokratie gehören. Wir gehen erstmal zum Minimercado in der Marina, die Mutti ist sowas von hin und weg, kann Marion gleichmal ihr gesamtes Sortiment vorführen uns mit Empanadas vollstopfen und findet in Marion auch endlich eine interessierte Zuhörerin bezüglich des dazugehörigen Rezepts. Ich steh ja mehr auf die uruguayanischen Steaks in ihrer Kühltruhe. Nächster Tagesordnungspunkt: Näherei. Die haben wir auf der anderen Kanalseite entdeckt, genauer gesagt `ne Frau, die vor ihrem Minimercado eine Singer-Nähmaschine stehen hat. Sie repariert auch ropas. Genau das, was Marion sucht, sie erklärt der guten Frau wie hinterher alles aussehen soll, die nickt ganz verständnisvoll, nennt ihren Preis, jetzt nickt Marion und dann schwatzen sie noch gemütlich weiter. Vermutlich über die Probleme mit den Verursachern der zu reparierenden Risse. Paar cuadras weiter finden wir auch eine Wäscherei, versuchen das verwirrende Preissystem zu verstehen, kaufen auf dem Rückweg Brot und schaffen es gerade noch im Hellen zurück zur Fähre. Heute wird an Bord gespeist, der Käpt`n kocht!

Mittwoch, 16.10.2013Die Welt ist echt klein
Bisschen nerven tut es ja schon - während wir versuchen, IN RUHE zu arbeiten, sind unsere Nachbarn dabei, mit der Flex ihr Stahlboot zu zerlegen. Zumindest klingt es so. In Wirklichkeit trennen sie aber “nur” die Süllkante überm Deck ab - rundherum, stundenlang, seit gestern schon! Die kann dann nicht mehr rosten, erklärt Lobo, der Besitzer mit einem breiten Grinsen. Aber ausser der Neigung stundenlang Krach zu machen, haben er und sein italienischer Kumpel Biagio keine erkennbaren Macken, wir verstehen uns prima! Mittags und zum Feierabend gibt`s kaltes Bier auf der Mira, die beiden waren ebenfalls lange in Südamerika unterwegs, haben wir schon mal jede Menge zu Labern. Lobo hat sich jetzt in Santa Fé, einem beliebten Badeort in der Nähe, ein Häuschen gekauft, wo wir ihn unbedingt besuchen sollen. Marion sieht grosszügig über ihren Schleifstaub auf unserem Deck hinweg, hat sie trotz ihrer filzigen Haarpracht und dass sie den Käpt`n zum Rauchen anrüchiger Selbstgedrehter verleiten, in ihr Herz geschlossen und serviert ihnen zwischendurch kalten Orangensaft. Claro, sie mögen mein Bier lieber. Pünktlich zum Feierabend kommt dann ein Segelboot den Kanal rein, dreht mit mal und fährt auf uns zu - guck mal, die "Songerie",  ruft Marion. Tatsächlich rufen und winken Jaco und Christelle aufgeregt zu uns rüber. Mit den beiden hatten wir vor drei Jahren in Brasilien einige lustige Abende verbracht. Sie machen in der Marina auf der anderen Kanalseite fest, wenig später kommt Jaco auch schon rüber gerudert, umarmt Marion und drückt mir `ne Tüte mit einem Riesenfilet Dorada in die Hand. Hat er gerade geangelt. Da war es natürlich noch ´ne Goldmakrele und kein Filet. Lecker! (Wir sind ja inzwischen schon total Fisch-entwöhnt)!

 

Donnerstag, 17.10.2013
Immerhin schaffen wir es noch, Marions leckere Frühstückseierkuchen zu verdrücken, bevor unsere Nachbarn den gemütlichen Liegeplatz wieder in einen Werftbetrieb verwandeln. Aber nicht lange. Ihre Flex gibt den Geist auf. Lobos Reparaturversuche (aufschrauben und das Teil mal schütteln) bringen nichts, ein Boot mit einseitig abgetrennter Süllkante sieht aber selbst für seinen, nicht ganz so anspruchsvollen Geschmack blöd aus - kommt er also zu mir. Ob ich nicht vielleicht eine ... Da ringt man schon so`ne Sekunde mit sich - der Wohnkomfort ist eindeutig höher, wenn sie nebenan nicht flexen - aber logischerweise krame ich meine Flex raus und drück sie ihm in die Hand. Viel Spass beim Krachmachen! Machen wir uns einfach vom Acker. Erstmal zu Keigla, um zu erfahren, dass der Port Käpt`n jetzt gar nicht mehr da ist und unser "Permiso" also erst nächste Woche bearbeitet werden kanMira-Bar!n. Warum er der Einzige ist, der in dem riesigen Capitaneria-Gebäude unser "Permiso" bearbeiten kann und ob er jetzt Urlaub macht oder sich wegen dem Dampfmachbrief der Guarda Nacional aus dem Staub gemacht hat, weiss Keigla dann aber auch nicht. Egal, wir wandern weiter zur benachbarten Werft. Unser Unterwasserschiff ist mehr als überfällig und wenn die Preise hier so günstig sind ... ?! Unser einziges Problem, dass wir für den Aluminiumdampfer halt spezielles Antifouling brauchen. Gross wählen kann man auf der Werft eh nicht, sie haben nur eine Sorte, die sie überall drauf pinseln. Hecho en Venezuela, einfach super das Zeug - fährt hier jeder (meint der Werftchef jedenfalls). Halbe Stunde später halten wir das komplette Angebot in den Händen - umgerechnet 500Euronen für Kranen, Stellplatz, Schleifen, einmal Primern und drei Lagen Antifouling. Natürlich inclusive der Farbe!! Bueno, da bräuchten wir nur noch mit den Händen in den Tasche im Schatten stehen und zugucken, wie die Jungs werkeln. Der Weg zur nächsten Werft führt an der Songerie vorbei und weiter kommen wir denn auch nicht. Nicht weiter schlimm, Jaco und Christelle pendeln seit zwei Jahren zwischen Cuba und Venezuela und haben hier natürlich `ne Menge Kontakte. Dem ersten laufen wir gleich über`n Weg - DEM Ansprechpartner für Farben in Puerto La Cruz. Antifouling für Aluboote? Jotun wäre kein Problem, wegen Trillux von International braucht er ein paar Tage, er sagt Jaco Bescheid. Klingt doch schon mal gut. Die Werften weiter ablatschen brauchen wir nun nicht mehr, Jaco kennt die Ansprechpartner - spart schon mal jede Menge Zeit. Die nutzt Marion dann auch, um aus dem Fischfilet ein megalecker Fischcurry zu zaubern und entdeckt so nebenbei in der Tüte noch einen riesigen LobstIch bau dir ein Schloss ... :)erschwanz. Den gibt`s dann morgen!

Freitag, 18.10.2013
Lobo schleimt sich jetzt vollends bei der Bordfrau ein - er bringt ofenfrische Baguettes zum Frühstück mit! Müssen wir uns natürlich beeilen, dass wir die Dinger verschlungen haben, bevor er seine Flex wieder anschmeisst. Dann verdrücken wir uns eh, Marion hat zwei riesige Wäschesäcke vollgestopft (einfach erstaunlich, was Frauen immer so an Dreckwäsche zusammen bekommen), die wir dem Mädel im Waschsalon überhelfen wollen und ich will in die FerrAusziehn!!eteria. Also mit dem Fährbötchen auf die andere Seite und dort die Säcke gefühlte 5km bis zur Lavanderia buckeln. Bezahlt wird hier nicht per Kilo oder Maschine, sondern pro Stück. Für jedes Teil gibt es `nen Preis, also wird jedes T-Shirt, Slip oder Handtuch einzeln raus gezerrt, hochgehalten, begutachtet und auf `m Zettel vermerkt. Das liebt Marion ja besonders!!! Ich glaub, wenn sie das vorher gewusst hätte, hätte sie das Zeug schnell noch gewaschen, bevor sie`s herbringt :-) (SO´N QUATSCH!) Dafür geht`s in der Ferreteria wesentlich schneller, Schläuche haben sie nicht, die gibt`s in der Gomeria und schon folgt eine ellenlange Wegbeschreibung. Hab ich jetzt aber keine Lust mehr drauf - wir stöbern noch durch ein paar Minimercados, ich entdecke `nen Sack Holzkohle, Marion Joghurt, kaufen bisschen Obst am Strassenstand und dann winkt die Nähmaschinenmutti uns auch schon ran. Alles fertig! Marion guckt die Sachen durch, alles schön - bis auf das letzte Teil. Aus zwei Stücken von unserem alten Bimini sollte ein Rechteck genäht werden, mit sechs Laschen an den Seiten (wollen damit das hintere Solarpaneel abdecken solange wir jetzt Landstrom haben). Draus geworden ist so`ne Art Sack mit Laschen, aber rundherum zugenäht. Sieht ja nicht schlecht aus, können wir nur nichts mit anfangen :-) Trennen zusammen alles wieder auf und versuchen uns in einer neuen Erklärung. “Entiendes?” Sie nickt kräftig, lacht. Na, werden wir ja sehen ;) Zurück an Bord verkündet Lobo stolz, dass er mit Flexen fertig ist. Erleichtert reisst Marion alle Luken auf, schmeisst mich von Bord und baut uns neue, duftige Betten. Passt mir ganz gut, ich will unserem Backskistendeckel endlich mal ein Schloss verpassen. Baue ich also den Deckel ab, ziehe zu Lobo und werkel mit Bohrmaschine und FLEX an dem Teil rum. Zum Sonnenuntergang trag ich den Deckel dann stolz wieder zurück - jetzt hat er ein richtiges Edelstahl-Einbauschloss mit Zylinder und Haustürschlüssel! Nachdem Marion mich gebührend gelobt hat, hält sie mir den Lobsterschwanz hin: "Ich koche ihn, aber du ziehst ihn aus!"

Sonnabend, 19.10.2013
Ist ja eigentlich noch nicht so ganz unsere Zeit, aber was soll`s, ist ja für einen guten Zweck: Morgen ist Asado angesagt und wir wollen mit Jaco und Christelle Fleisch kaufen. Das könnte man auch beim Fleischer um die Ecke, aber noch besser geht`s in der Edelfleischerei, ein Stück ausserhalb. Düsen wir also FRÜH UM ACHT mit dem Taxi hin und tragen dem nächstbesten Verkäufer unsere Vorstellungen vor: Gross muss es sein, von `ner Kuh und auf `nen Grill passen. Schon werden die erlesensten Fleischberge an uns vorbeigetragen, T-bone, Rumpsteak, Spearribs, Lomo - das is`es! Das Kilo für 3Dollar, gut, etwas teurer (ist schliesslich `n Edelfleischer), wir nehmen 5! Der Laden hat seine Regale und Theken aber auch mit allerlei weiteren erlesenen Spezialitäten vollgestopft, ich greif gleich mal `n 5Liter-Kanister Olivenöl und dann hängt da noch SERRANO SCHINKEN!! Komme ich ja einfach nicht dran vorbei. Marion findet, dass ein halbes Kilo vielleicht doch `n bisschen viel ist, aber andererseits schleichen wir uns den Rest des Tages abwechselnd heimlich zum Kühlschrank und schieben uns edlen luftgetrockneten Jamón in den Mund. Hmmmm! Hätte vielleicht doch `n Kilo nehmen sollen?! Ist jetzt aber nicht so, dass wir den ganzen Tag nur gegessen hätten - bisschen fleissig sind wir trotzdem - ich beende mein Backskisten-Klausicher-Projekt und Marion bastelt inzwischen `ne riesige Schüssel Kartoffelsalat. Boah, sieht der lecker aus ... kloppt sie mir doch glatt auf die Finger. Der ist für morgen!

Sonntag, 20.10.2013
Gleich nach dem Frühstück überkommt mich der Bastelwahn. Salontisch abbauen, Bodenbretter hoch, Sitzpolster raus schleppen, die Staufächer darunter leer räumen, Inhalt gleichmässig im Salon verteilen, Bretter abschrauben - Wassertanks, die Zweite. So was lieben Bordfrauen! Vor allem am Sonntag. Damit sie diesen auch so richtig geniessen kann, gebe ich meiner sicherheitshalber noch ein paar Tipps - sie soll sich unbedingt einen Platz ausserhalb des Salons suchen, alle eventuellen Unmutsäusserungen meinerseits ignorieren und sämtlichen Dreck und Wasserlachen grosszügig übersehen. Kann sie ja hinterher wegputzen. Klappt auch ganz gut mit uns. Sie schleppt ihr Nähkistchen ins Cockpit und sticht dort im Schatten des Biminis mit der Nähnadel munter auf Sitzpolster ein, während ich in den akrobatischsten Positionen und Verrenkungen versuche, Schläuche zu lösen, Inspektionsdeckel abzuschrauben und mit super haftendem altem Sika-Kleber ringe. Bei den anderen beiden Tanks sind die Ansaugschläuche genauso zerfressen und der vom letzten Wochenende bekommt noch mal eine neue, verbesserte Version. Die Deckel setze ich diesmal mit Silikon als Dichtung ein (damit ich sie in fünf Jahren dann auch wieder aufkriege), Schläuche anschliessen, alle Schellen anziehen und Wasserhahn aufdrehen. Wasser sprudelt nur so, nix blubbert. Hinterher Tanks wieder auffüllen - alles dicht! Wirft der Chefmonteur sich natürlich schon so`n bisschen in die Brust. Muss ich nur noch mein Chaos beseitigen, Werkzeuge wegräumen, alles wieder in die Staufächer und Schränke räumen, BodenbretGrillmaster Jacoter rauf, Tisch anbauen, nach den Polstern greifen ... HALT!!! Nicht mit deinen Dreckpfo..., geh lieber duschen! Und während ich mich anschliessend wohlriechend mit dem wohlverdienten Bier im Cockpit räkele, versucht Marion schweissgebadet, die Spuren meiner Bastelexzesse vom Fussboden zu entfernen. Viel Zeit bleibt ihr nicht dafür, der nächste Termin ruft. Schmeisse ich also schon mal Salat, Fleisch, Teller und diverse kalte Dosen in den Picknickkorb, Frau springt unter die Dusche und dann tuckern wir auf die andere Kanalseite. Jaco hat schon den Grill angeheizt, seine gesamte (umfangreiche) BBQ-Ausrüstung daneben verteilt und (einfach unglaublich, was manche Leute auf ihren Booten so spazieren fahren), sogar einen Räucherofen aufgebaut. Da hängt frischer Fisch im Rauch, den gibt´s als Starter. Sogar jede Menge davon, schmeckt lecker und langsam kommen Zweifel in mir auf, ob ich das für mich eingeplante Kilo Fleisch noch schaffe. Wir schieben Tische zusammen, müssen immer mehr Stühle nachholen - die Runde wird immer grösser. Schweden, Kanada, Deutschland, zweimal England und Namibia sind vertreten - wir sind die Einzigen mit Dosen - hier trinkt man aus dem Glas ... und zwar Rum! Fleischberge wandern auf den Grill, Salatschüsseln werden hin und her geschoben, wir kriegen auch noch zwei Gläser, es geht laut und lustig zu, Kenner streiten über den besten Rum, Cuba-Zigarren werden gezückt, Engländer Nr.1 kriegt jetzt auch was mit, weil er sein Hörgerät auf Laut gedreht hat, Schweden und Kanada streiten übers Tauchen, Kananda verliert, Namibias Grillversuche sind eindeutig die Besten, die Rumvorräte der Leute scheinen grenzenlos, .... gegen 1.30 Uhr schleppen wir uns langsam RichtuWas wollen sie uns damit sagen? ...ng Schlauchboot ... äh, ich hab mein Kilo nicht geschafft!

Montag, 21.10.2013
Sitze nun schon `ne ganze Weile rum und überlege, wie ich es am elegantesten ausdrücke. Wir fühlen uns heute nicht so ganz frisch. Bringt es nicht ganz auf den Punkt. Ehrlich gesagt könnte man den Tag komplett streichen. Marion rafft sich immerhin noch auf, kramt unsere Bordapotheke raus. Dutzende Schachteln mit unaussprechlichen Namen werden auf dem Salontisch verteilt, sich an französischen, arabischen oder spanischen Beipackzetteln erfreut, und  dann alles in ihrer dazugehörigen Excel-Tabelle aktualisiert (last update: Oktober 2009/Malta!)... Ich leg mich wieder in die Koje, da stör ich sie wenigstens nicht!

Dienstag, 22.10.2013
Da war`n wir heute doch schon mal wieder wesentlich produktiver! Nach dem Frühstück zu Keigla - kein "Permiso", nächste Woche! Fanden wir jetzt nicht so gut - o.k., sie versuchen es morgen noch mal bei der Capitaneria. Wäscheberge in der Lavanderia einsammeln, die Nähmaschinenmutti heimsuchen (das letzte Teil hat jetzt zumindest die Form, wie es soll, nur die Laschen sind nicht da wo sie sein sollten). Wir nehmen es trotzdem mit, hat Marion eben noch was zu nähen :-) Einkaufen, in der Werft "Referenzobjekte" zwecks der Malerfähigkeiten hiesiger Anbieter anschauen - jetzt wissen wir schonmal, wen wir nicht malern lassen. Kurz Jaco und Christelle besuchen - Jaco geht`s heut schon wieder besser - für morgen zum Marktbesuch verabreden, Marion sortiert Wäsche und Apotheke ein, ich darf Mails beantworten, ... War jetzt nicht soooo viel, aber im Vergleich zu gestern doch echt `ne Steigerung.

Mittwoch, 23.10.2013
Schon wieder ein Termin: 8.30 Uhr, Christelle und Jaco wollen mit uns zum hiesigen Mercado. Cool, wir lieben Mercados! Natürlich kommen wir zu spät, weil Käpt´n erst noch die Leinen unseres lärmigen Rasta-Nachbarn los wirft. Der muss mit seinem Stahlpott in die Werft, Löcher im Rumpf! (Nebenbei sehen wir, dass auch die FranzShopping-Tagosen verschwunden sind, die Mira liegt nun ganz allein an der lauschigen Betonmauer). - Wir winken uns einen der ramponierten Strassenkreuzer-Colectivos ran und springen ´ne Viertelstunde später total verschwitzt in der Nähe des Marktes raus. An jeder Ecke ein Chinaladen oder eine Ferreteria, mittendrin der Mercado. RIESIG! Christelle mit Einkaufsliste (Früchte- und Gemüsenamen auf Spanisch) voraus, Jaco hinterher, dann wir. Ich bleib irgendwie immer weiter zurück - es gibt auch so viel zu begucken: Berge von Obst und Gemüse, Kräuter, Stände mit grossen Fleischstücken und sogar Gehacktem, zerlegte Hühner und lebendige, am Strick oder im Käfig, Eierpyramiden, Dörrfisch, Gewürze, Tabak, papelón con lemon (Melasse, aus der Limonade gemacht wird - schmeckt auch super im Rum ;), Säcke mit verschiedenen bunten Bohnensorten, Mais, Hundefutter, Kinderbekleidung, Trekkingschuhe aus Columbien, ... dazwischen immer wieder Stände, an denen man Empanadas, Perros Caliente (Hot Dogs ;) und etliches anderes mampfen kann, alles frisch zubereitet , claro. Daneben gibt´s Saft, wofür die Früchte vor unseren Augen in so ´ne Art Mixer wandern (ES MUSS JA NICHT IMMER BIER SEIN :) Die Leute sind echt nett und freuen sich, wenn wir sie mit Fragen löchern - Was ist das? Was macht man damit?... Jaco und Christelle sind schneller, aber die kennen ja auch schon alles. Am Ende sind wir voll bepackt und landen, nach einem "kleinen" Imbiss an der Strasse, gegen Mittag mit der Beute wieder auf der Mira. Da steht dann noch Abwasch und Wäschewaschen auf dem PrograVorher - nachhermm, Käpt´n schrubbt den Motorraumboden (das ist mehr als nötig!) - muss man ja ausnutzen, wenn´s mal Wasser satt gibt.

Donnerstag, 24.10.2013
"Und tschüss!" Der 3,5er-Tohatsu jault auf, da fährt er hin, mein Capitano. Wir vereinzeln uns heute. Er geht auf die "Jagd"nach unserem "Permiso de Estadia", nach Antifouling, Primer, Gas, Brot..., ich schraube alle Hölzer rund um den Niedergang ab (sehen saumässig aus) und vergnüge mich beim Schleifen. Trickse ein bisschen und nehme die argentinischen Rasquillas. Die müssen zwar dauernd angeschliffen werden und es gibt Blasen an die Finger, geht aber definitiv schneller. Anschliessend kurz mit Sandpapier drüber - fertig. Klingt fix, dauert aber, mit allen anderen Arbeiten drumherum, den ganzen Tag. Zwischenzeitlich kehrt mein Holder dreimal zurück (hat er wohl doch keine Ruhe, wenn ich hier alleine bin? ;) Als erstes hat er Wladimir aus Bulgarien getroffen, dessen Boot steht in der Werft, der kennt sich mit dem hiesigen Antifouling aus und er weiss auch, wo´s das gibt. Natürlich hilft mein Käpt´n Unser Nachbar schaut auch mal nach dem Rechten (wunderschöne Tiere, sehn echt wie Drachen aus)ihm nebenbei, das Ruder erst an- und dann wieder abzubauen. Erstes Bier! Er schaffts noch zu Keigla, von unserem "Permiso" noch keine Spur, eventuell nachmittags. Beim zweiten Mal erwischt er den Farbenmann, bekommt auch Preise dafür (an Bord angekommen hat er den vom Primer schon wieder vergessen). Dann hat er Lobo getroffen, der schon den halben Tag versucht, seinen Propeller abzuziehen. Claro, ihm kann auch geholfen werden, als Dank fahren sie gleich mal in seinem uralt Strassenkreuzer ein, zwei Bier trinken. Das dritte Mal dann zu Keigla, wieder Fehlanzeige. Er trifft Elke, eine deutsche Seglerin aus der Marina, kurzes Schwätzchen, trifft Lobo und vertieft sich mit ihm in das Thema Wellendichtung, dazu gibt´s n Bier ... und kommt erstaunlicherweise noch vorm Dunkelwerden zurück. Natürlich "erwischt" er mich dann gerade beim Plausch mit dem Marina-Gärtner.  ;) "Sch..., hab das Gas und das Brot ganz vergessen!" Egal, morgen ist ja auch noch ein Tag. Schieben uns zusammen unter die kalte Dusche, ich hab bisschen mehr zu schrubben, er weniger - aber dafür bekocht er mich dann lecker: Huhn an Reis mit edlen venezolanischen Gemüsen :)

 

Freitag, 25.10.2013Super schattiger Arbeitsplatz
WIR HABEN ES!!! Unser "Permiso de Irgendwas"! Gerade mal 15 Tage hat`s gedauert - eigentlich keine Zeit für ein, so begehrtes Dokument. Sieht beeindruckend amtlich aus, so mit Verzierungen und jeder Menge bunter Marken und Stempeln dekoriert. Ein Unikat eigentlich, mit persönlicher Widmung vom Hafenkapitän - steht sogar mein Name drin! Kriegt natürlich `n Ehrenplatz bei uns. In der Schrankwand, schön mit Lampen angestrahlt ... Gross feiern können wir das Ereignis aber nicht, haben jede Menge zu tun und am Besten klappt das, wenn wir uns vereinzeln. Hat sich gestern schon bewährt. Ich zuckel kurz zur Werft, anschliessend per Taxi in die Stadt und streunBiagio hat auch den Sch... Schleifjob erwischt und ist happy über jede Pausee durch diverse Farbenläden, um die Verkäufer zu nerven, Marion schleift an ihren Hölzern rum oder ölt oder schwatzt mit dem Gärtner - keine Ahnung, seh sie ja nicht. Ich weiss irgendwann, dass der Preis vom "Farbenmann" der Werft der Beste ist, es in Venezuela kein Aceton zu kaufen gibt und Verdünnung nur in Verbindung mit der Farbe. Hat den Riesenvorteil, dass ich auf dem Heimweg nichts zu tragen habe. Kommt sogar noch besser, der Bäcker kurz vor der Fähre kann nicht backen wegen Stromausfall, brauch ich nicht mal Baguettes zu schleppen :-) Ist jetzt für das Ego des Mannes natürlich nicht so förderlich, wenn er so völlig ohne Beute und mit leeren Taschen von der "Jagd" zurückkehrt, aber ich bin ja dickfellig und Marion glaubt mir meine Ausreden. Sie scheint immerhin doch mehr gearbeitet als geschwatzt zu haben, ihre Hölzer sind alle fertig! Und weil es für eine Beziehung ja gut ist, wenn man auch gemeinsame Erlebnisse hat, tuckern wir noch mal zusammen zur Werft. Wir bestellen beim "Farbenmann" für Montag Primer und Antifouling, halten Lobo und Biagio von der Arbeit ab, indem ich eine Tüte voller kalter Dosen vor ihrer Baustelle ausbreite, vergessen beim Schladdern fast die Zeit und schaffen es gerade noch kurz vorm Feierabend ins Werftoffice. Dauert `ne Weile, bis wir uns so richtig einig sind, was wir eigentlich alles wollen - am Ende haben wir einen Krantermin für Montag früh und das "Komplett-mit-den-Händen-in-der-Tasche-daneben-steh-Paket". Kranen, Stellplatz, Hochdruckreiniger, Schleifen und sechs Anstriche für umgerechnet 290 Eurönchen! Ist jetzt bloss blöd mit dem Sonntags-Assado ... letzten Montag hätte ich um Acht noch nicht Boot fahren wollen :-(

Sonnabend, 26.10.2013!Buen provecho!
Frühs schnell die letzte Ölung (für die Hölzer natürlich ;), nebenbei Kaffee und Banane, duschen, anhübschen, auf zum Mercado! Der ist, wie uns schon angekündigt wurde, zum Wochenende besonders voll. Stürzen uns ins bunte Getümmel und landen beim Schuhverkäufer, dessen Angebot uns das letzte Mal schon ins Auge stach: Trekkingschuhe aus Columbien. In meiner Grösse gibts 15 verschiedene, mein Capitano hat nicht die Qual der Wahl, gerade mal 1 Paar in der 42. Probiere alle an (komisches Gefühl mit Schuhen an den Füssen, wenn man nur noch Flip-Flops gewöhnt ist), bin anschliessend schweissgebadet, aber halte irgendwann doch grinsend die Auserwählten in der Hand. TIMBERLAND! Für 500 Bolivares (knappe 9 Euro!) Whow! Der Capitano weiss nicht so recht ... NIMM SIE!, helf ich ihm bei der Entscheidung :) ´Ne Stunde später sind wir vollbepackt mit Fleisch, Gemüse und Obst, essen uns an einem der Marktstände für umgerechnet 2,85 Euronen (für beide!) kugelrund und machen uns auf den Rückweg. In unserer Panaderia gibt´s heut wieder Brot (heiss, gerade aus dem Ofen :), dann mit der Lanchita ans andere Ufer, wo die Mira noch als einziges Segelboot uAu Backe!nter Palmen und Mangobaum an der Mauer liegt. - Die Hölzer am Niedergang können wieder dran, erneuere vorher rundherum unsere Ameisenfalle aus China-Kreide (unglaublich, wie das Zeug wirkt!!) Muss nur aufpassen, dass mein Mitbewohner im Vorbeigehen nicht wieder alles abwischt, davon wächst ihm vielleicht ein drittes Auge oder so. Inzwischen hat´s angefangen leicht zu regnen und in der Ferne grummelt Donner. Punkt 15 Uhr gibt´s ´nen Mordsknall. Das war jetzt aber kein Donner! Gehen beide ins Cockpit und sehen in der Marina genau gegenüber eine schwarze Qualmwolke, die schnell grösser wird. Ein zweiter Knall und Flammen schlagen hinter den Segelyachten hoch. Weia! Da möchte ich jetzt nicht liegen!! Christelle und Jaco mit ihrer Songerie sind nur ein paar Liegeplätze entfernt. ´Ne Menge Leute sind am Rumrennen, Feuerlöscher werden ausgelöst, irgendwann zieht ein Schlauchboot die, inzwischen lichterloh brennende, Motoryacht langsam aus der Marina in den Kanal und hinaus auf´s Meer. Eine riesige Feuerwalze (hab noch nie gesehen, dass Feuer sich "drehen" kann!) und eine gigantische, pechschwarze Qualmwolke hinterher. Hoffentlich wurde niemand verletzt dabei! - Puh, gut, dass wir so weit weg waren. Vonwegen, unser Platz hier ist nicht sicher!

Sonntag, 27.10.2013
Böckchen-Tag. Warum?? Hitze? Wechseljahre des Mannes ;)? - Frühs hockt Käpt´n vor der Funke, ruft die Maia, danach die Marlin - nichts. Rauschen. Er brubbelt und knurrt vor sich hin, noch ein Blick auf die Uhr ... die hat sich mal eben automatisch eine Stunde zurückgestellt. In Deutschland beginnt ja heut die Winterzeit, aber hier doch nicht!!! - Ich mache mich vormittags auf den Weg ins Marina-Büro und breite stolz alle, nun vollständigen Dokumente aus. So ´n Pech, der Kopierer geht nicht. Erfrage den Preis für die 14 Tage, die wir am Mäuerchen verbracht haben und vergesse selbstverständlich nicht, nach descuento, einem Preisnachlass zu fragen. O.k. den eigentlichen Preis sagt sie mir, den Nachlass handeln wir aus, wenn wir Montag oder Dienstag bezahlen kommen (müssen erst noch Dollar tauschen). Bueno. - Wir haben am Boot bisschen vorzubereiten, noch mal die Wassertanks auffüllen, etc. mo15 Tonnen in der Schwebe - Millimeterarbeit (Achterstagen - Windgenerator)rgen früh geht´s nach Varadero - so nennt man hier die Werft. Käpt´n stürzt sich auf die Winchen, baut sie auseinander, reinigt sie, hat die Schmiere schon bis hoch zu den Ellenbogen, ... "Wäre das nicht nach dem Werftaufenthalt sinnvoller? ", traue ich mich zu fragen. "Gibt ja doch noch ´ne Menge Dreck ..." Statt einer Antwort gibt es einen vernichtenden Blick. O.k., geh ich eben unter Deck, da gibt´s auch genug zu tun. Den absoluten Tiefpunkt erreicht die Stimmung, als er sich gegen 16 Uhr zum Bierkauf entschliesst und sämtliche Mercados beiderseits des Kanals geschlossen haben (ist ja schliesslich Sonntag). Nix mit Feierabendbier! Wir wählen das Assado drüben bei Christelle und Jaco auch gleich ab, sind ja schliesslich lernfähig - Assado am Sonntag = Kopfschmerzen am Montag. Und da haben wir gleich frühs unseren Krantermin.

Montag, 28.10.2013
Viel besser, können uns nach der Dusche schon mal wieder angrinsen. Geht doch :) 8.30 Uhr haben wir Krantermin. Blödsinn, zu denken, dass 8.30 Uhr auch 8.30 Uhr meint. Sind schliesslich in Südamerika. Sehen schon von weitem, dass die "Box" besetzt ist und noch ein weiteres kleines Motorbötchen dahinter wartet. Kurven wir eben noch bisschen rum. Vielleicht war auch ein anderer Wochentag, oder Monat gemeint? Die Marina-Seglergemeinde gerät in Aufregung, denken, wir wollen auf einen Liegeplatz dort und wollen alle helfen. Aufgereiht stehen sie am Steg und winken. "Ne, wir müssen da rüber, in die WKuschliges Unterwasserschiff, aber immerhin keine Seepockenerft". Irgendwann ist es doch soweit und wir gehen mit dem Heck zuerst in die Box. Unsere Lieblingsdisziplin! Dann heisst es wieder warten ... Zwischendurch kommt Jo aus Deutschland vorbei und erzählt uns in ca. 15 Minuten das Wichtigste über Venezuela, wo es Klopapier gibt, Zucker, Milch, ... Reisetipps und wo er bisher überall war. Auch in Argentinien ... Der Kranfahrer winkt, jetzt wird´s ernst. Käpt´n erklärt ihm, dass wir zwei Kiele haben und an welche Stellen die Gurte müssen. Dafür ist der Kran zu klein, er will die Gurte direkt hinter dem Ruder. Käpt´n greift schon nach Maske und Schnorchel, um in die ölige Brühe zu springen, aber sie haben einen eigenen Taucher, der kurz darauf in der Suppe verschwindet. Brrrrr! Dann heben sie die dicke Mira aus dem Wasser (immer wieder spannend!!), die Gurte sitzen perfekt, tropfend wird sie an Land gefahren und erstmal geschrubbt. Das macht allerdings mehrere Dutzend Krabben obdachlos, die sich ja schon länger bei uns heimisch fühlten und jetzt völlig entnervt, auf der Suche nach einem neuen Zuhause, in Richtung Kaikante flüchten. Am Ende sieht sie RICHTIG sauber aus (obwohl das Zitrone-Salz-Peeling des YCA in Buenos Aires ihr auch mal wieder gut getan hätte). Gegen 15 Uhr steht sie auf ihrem neuen Varadero-Platz, bereit, sich am Bauch kratzen, schleifen und bepinseln zu lassen. Zum Nachmittag gibt´s hier sogar Schatten, echt perfekt! Wir müssen noch rüber zu Keigla, Dollar umtauschen. Der Kurs steht heute bei 1:50! Cool! Gehen wir gleichmal ins Werft-Office und bezahlen die Hälfte des veranschlagten Preises - Preis von voriger Woche, Umtauschkurs von dieser - grins!

Dienstag, 29.10.2013Wort des Tages: lijar - schleifen
WAS SOLL DER LÄRM!? Ist ja nicht auszuhalten! 6.14 Uhr falle ich aus der Koje. Direkt neben meiner Luke sitzt ein winziger, quietschgelber Vogel mit rotem Kopf (garantiert rot vor Anstrengung) und schmettert sein Lied. Lautstärke gefühlt = Trompete. Wie macht der das?! O.k., o.k., hast es geschafft! Wir haben ja auch ´ne Menge zu tun heute. - Gegen 8 erwacht dann auch das Werftleben, nebenan wird Fiberglas geschliffen, der Wind steht "günstig", passt prima zum Frühstück. Schnelle Dusche - dürfen die der Marina nutzen, gibt sogar warmes Wasser! Wie lange hatten wir das denn nicht mehr?! Anschliessend natürlich auf kalt drehen, draussen warten schon mal satte 28°C. Unsere Schleiftruppe ist mit vier Mann angetrabt und beginnt ihre Arbeit. Sie schleifen per Hand, was irgendwie zu erwarten war. Käpt´n brubbelt vor sich hin und kramt den Schwingschleifer raus. Dafür brauchen wir 220V, ergo einen Adapter, ergo trabe ich ins oficina und komme mit 20m Kabel (mittig durch nackte, zusammengedrehte Kabelenden verlängert) nebst Stecker zurück. Am anderen Ende grinsen uns drei "blanke" Kabelenden an. Who is who? Wieder einmal. Dem Nachbarn unter die Nase halten, dem von gegenüber auch, aha, das müsste also Erde sein ... Dem Käpt´n stehn nicht die Haare zu Berge als er den Stecker einsteckt, war also richtig. Er fängt an, abgeplatzte Stellen im Primer zuAlle war´n fleissig, Zeit für das Feierabendbier aus der Mira-Bar schleifen, ich such mir und dem Propeller ein schattiges Arbeitsplätzchen unterm Nachbarboot - bald sehn wir alle aus wie S.. Die Jungs quälen sich echt, besonders zwischen den Kielen (ist ein Sch...job, das wissen wir, aber darum lassen wir es ja machen ;) Darwin, der Farbenmann kommt zwischendurch und wuchtet in einem unbeobachteten Augenblick die Primer-, Verdünner- und Antifoulingdosen auf´s Boot. Primer ist bisschen viel geworden, da haben die Männer wohl aneinander vorbei geredet. Egal. Lobo und Biagio sind auch fleissig, einer klatscht weisse, der andere schwarze Farbe auf´s Boot, dementsprechend sehen sie auch aus :) Zwischendurch kommt Wladimir von nebenan, er braucht ´ne Feile und fragt ganz nebenbei, ob René denn Ahnung von Mechanik hat, denn er bastelt schon seit Wochen an seiner Steuerung rum. Käpt´n schüttelt tapfer den Kopf (momentan müssen wir erstmal zusehen, dass wir fertig werden). So ganz nebenbei ist unser Schleiftrupp verschwunden. Mittagspause? Ist wohl noch zu früh. Dem Käpt´n schwillt schon der Hals - ich will nach dem Mittag mal im oficina fragen. "Nein! Dann können wir das gleich alleine machen!!" Oh, tranquillo! Es Ameria del Sur! ;) Hüpfe in die Dusche, danach duftig (!!) ins Marina-Office und schildere nett unser Problem. Der Jefe nimmt sich dessen persönlich an, kommt gleich mit, sieht sich den Mira-Bauch an und hat zwei andere Jungs, die dann fleissig weiter schleifen. No problem! No pagar mas. Soll nichts extra kosten. Bueno! Wir haben noch für 14 Tage in der anderen Marina zu bezahlen, mache mich mit den Dokumenten und abgezählten Bolivares auf den Weg. 2 Bolivares für die Lanchita. Im anderen Marina-Office sitzen zwei gelangweilte Damen, die über Internet gerade ihre Weihnachtsgeschenke bestellen. ICH STÖRE! Blöd. Mann hat ja auch gern mal was jüngeres im Arm ;)Leider ist die Nette, mit der wir sonst alles klargemacht haben, nicht da. Also fange ich beim Urschleim an ... angekommen am 10. usw. Ich kriege den Preis, über 3000 Bolivares. "No, es no correcto!" (hab ja auch nur 2400 mit). Hin und her, am Ende landen wir doch bei eben diesen 2400 Bolivares. Blöde Tussen, denke ich mir, bezahle, bedanke mich und gehe. Noch ein Abstecher zur Guardia Nacional gleich um die Ecke, die freuen sich, unser "Permiso de Estadia" zu sehn, kurzer Plausch auf der Kunstledercouch im tiefgekühlten Empfangszimmer und ich darf wieder gehen. Unsere ehemaligen Nachbarn von den Pilotbooten winken und fragen, wo wir hin sind und ob wir zurück kommen. Echt lieb, die Leute hier! - Wieder die Lanchita über den Kanal, schnell zum Bäcker und frische Pancitos kaufen (denkt René eh nicht dran), auf dem Rückweg fahren sie an mir vorbei: lässig den Arm im Fenster, im dicken fetten Amischlitten von Lobo. MÄNNER eben! Da kann ich winken soviel ich will, sie gucken nur nach den Chicas ;) Claro. Zurück auf dem Boot sind die Jungs noch fleissig am Schleifen, neben dem Niedergang stehen zwei monströse Bolzen - aha, war er also doch nicht nur am Quatschen. Wir brauchen ein neues Ruderlager und anscheinend hat er eine Werkstatt mit Drehbank gefunden. Material dafür haben wir da. - Stunde später kehrt mein Käpt´n MIT frischen Baguettes heim! Wir schicken die Lobo-Arbeitscrew duschen und anschliessend sitzen wir alle bei uns zwecks Feierabendbier (später beim Grappa - DER LETZTE!). Lustiger Abend, wir blödeln schön rum, bekommen von Biagio und seiner Claudia zwei Kettenanhänger mit irgendwelchen mystischen Steinen als Abschiedsgeschenk, haben Spass ohne Ende und lachen wohl irgendwann so laut, dass die Werft-Security leicht nervös wird und doch mal nach dem Rechten sieht. Upps! ;)

 

Mittwoch, 30.10.2013
Heut reisst uns ein Kompressor aus dem Schlaf. Also dann doch lieber der Vogel! -  Käpt´n verschwindet morgens im Motorraum und demontiert die kompEr hat einen Plan ...lette Wellenanlage. Er hat wohl einen neuen Plan ... Ich nehme mir den Paddelradgeber der Logge vor  und versuche, das Lebewesen, das dort wohnt, herauszupulen. Vom Paddelrädchen keine Spur mehr, da ist nur noch ein glibberiges, stinkendes Etwas und das hält sich fest! Kommt er halt in ´ne Tasse mit Essig, wollen wir doch mal sehen. Der Bolivares-Stapel ist schon wieder alle, also sprinte ich zwischendurch rüber zu Keigla, Dólares tauschen. Bin kaum zurück, fängt es an zu schütten und dabei bleibt`s dann auch für den Rest des Tages. Nicht weiter schlimm, wir haben drin auch genug zu tun. Räume ich also die Schränke unter der Spüle und die Bilge darunter leer, der Abflussschlauch braucht dringenst ´ne Reinigung. Schlauchschellen lösen (hoffentlich kriegen wir ihn anschliessend wieder richtig dicht), Schlauch raus schleppen und mit Wasserstrahl, Lappen und Stock solange drin rumpulen, bis das Teil wieder blank ist. Mein Käpt versucht inzwischen, den Ruderquadranten zu lösen, damit wir das Ruder ziehen können (das obere Lager ist auch ausgeschlagen). Lempeln dann trotz Regen noch mal los in die Stadt, um Lager Nr.1 einzusammeln. Tolle Bude, und die haben richtig viel zu tun! Unsere Buchse ist trotzdem fertig, sieht prima aus, gute Arbeit! Käpt´n überreicht dem Meister dafür gleich das nächste Teil. In der Ferreteria gegenüber sacken wir Schleifpapier und Abklebeband ein, essen Mittag bei der Mutti paar Häuser weiter, frische Brötchen, Bier und Zigaretten kaufen, zurück zur Werft. Da steht Lobo mit seiner Frau Gabi im Regen. Er versucht, sein Ruder zu streichen, geht natürlich nicht, ist zu nass. !Mierda! Und überhaupt! Gestern Nacht wurde er (ziemlich betrunken, da er mit Biagio ja noch `ne Flasche Rum auf dem Heimweg trinken musste) von Polizisten gestoppt, die ihm Handy, eine Palette Bier und den Winkelschleifer, der im Auto lag, abgenommen haben (vermutlich statt Strafe). Na ja, in Europa hätten sie ihm die Fahrerlaubnis abgenommen (und er hat nicht mal eine!) - was ist jetzt schlimmer? Ziemlich bedröppelt zieht er wieder ab, wir werkeln noch rum - das Ruder kriegen wir so nicht raus, das Boot müsste ein Stück angehoben werden. Oder graben wir eine Grube? ... Das verschieben wir auf morgen - FEIERABEND!

Donnerstag, 31.10.2013
Heutige Hauptbeschäftigung: wir graben ein Loch. Nicht, dass wir nichts besseres zu tun hätten, wir brauchen das Loch, um das Ruder ziehen zu können. Ein halber Meter fehlt. Der Travellift kann uns nicht so hoch heben wegen der achterlichen Aufbauten und Stagen. Also dreschen wir auf den, von der Werft liebevoll aufgeschüttetem Boden, mit Hammer und altem Schraubendreher ein. Mühe haben sie sich gegeben, das muss man sagen. Stein an Stein. Hoffen, irgendwann auf Öl zu stossen. Wär doch was, ´ne eigene Ölquelle (haben ja schliesslich den Stellplatz bezahlt)! Leider sprudelt nichts, aus der Traum von einer nie versiegenden Einnahmequelle. Der Jefe läuft paarmal an uns vorbei, sagt aber nichts. Löcherbuddeln findet er bestimmt nicht sooo toll. Lobo ist heut wirklich zum letzten Anstrich erschienen, am Nachmittag soll die "Océan" ins Wasser. Was Farbe so ausmacht! Sie sieht recht gut aus. Kaum noch Einschläge und Löcher zu sehen, der Anstrich hält alles zusammen. Käpt´n guckt noch mal durch, der Propeller ist jetzt richtig gesichert und kann nicht nach ´ner Woche wieder abfallen, ...die Sicherungssplinte am Ruder fehlen. Lobo zuckt mit den Schultern. Die alten hat er weggeschmissen oder verloren, geht sicher so. Rasta eben! Wir kramen welche aus unseren Kisten und mein Käpt´n baut sie sicherheitshalber auch gleich selbst ein ;) Danach ziehen die beiden aus, Schrauben, Muttern und Sikaflex zu suchen, heisst sie schwingen sich auf die weichen Sitzpolster von Lobos himmelblauen 76er Ford Landau Kombi, der V8 startet und die zwei entschweben in Richtung Stadt. Zweieinhalb Stunden später sind sie zurück. Käpt´n sieht reichlich geschafft aus, bringt aber Schrauben, Sikaflex und sogar Verdünnung als Beute mit. Er kann gar nicht sagen, in wievielen Geschäften sie waren. Allein hätten wir damit bestimmt einen Tag zugebracht, aber Lobo kennt sich hier ja aus. Als Belobigung gehen wir drei anschliessend bei der Mutti um der Ecke was essen, dann ist wieder buddeln angesagt. Die "Océan" hängt gerade in den Gurten des Kranes als der Himmel die Schleusen öffnet. Soviel zum Thema Loch! Morgen früh haben wir vielleicht ´nen eigenen Pool ;) Die Männer fahren das Boot zusammen rüber in eine andere Marina und kommen danach auf ein Bier an Bord. Sofort steht die Security bei Fuss und will Lobo wegschicken. Es ist Feierabend, alle Arbeiter haben die Werft verlassen, alle Tore sind verschlossen, nur die, die auf den Booten wohnen dürfen noch hier sein. Man, die passen aber auch auf! Lobo quatscht die Männer so zu, dass sie abziehen. O.k., 10 Minuten hat er bekommen. A la salud!!

Freitag, 01.11.2013
Hock ich also wieder vor meinem Loch, höre mir die Bemerkungen der vorbei schlendernden Werftarbeiter an und dresche mit Hammer und Meissel munter auf die Steine ein. Nö, ich grabe nicht nach Gold oder Öl, das ist für meine Frau! Gucken doch einige tatsächlich rein, ob sie da unten liegt. Irgendwann ist es dann endlich tief genug - nicht für Marion, sondern damit wir das Ruder nach unten rausziehen können. Klappt super, dafür wird`s mit den alten Ruderlagern wieder spannend. Die Dinger sind so fett mit Sika eingeklebt, da hilft nur noch brutale Gewalt, sprich Hammer und Meissel. Während ich Marion dann generös Wer andern eine Gräbe grubt, ...das Entfernen der Klebereste überlasse, krame ich aus den Tiefen meiner Ersatzteillager schon mal die neuen Lagerbuchsen raus. Über den Ruderschaft schieben - passt perfekt, null Spiel. Wäre natürlich zu schön, wenn`s ganz perfekt ist, am Ruderkoker passt es nicht. Lager zu dick! Aber kein Problem, kann man schliesslich abdrehen (ich weiss ja jetzt, wo `ne Drehbank steht). Schnell noch meine Mitarbeiterin motivieren: "Das muss ordentlich sauber und fettfrei sein! Bin gleich zurück!", schnappe mir den Rucksack und zieh los. Die kleine Werkstatt ist rammelvoll, einige Schlosser sind am Werkeln, andere am Schwatzen, ein paar Kunden versuchen, noch jemanden zu überzeugen ihre Radlager, Getriebedeckel oder sonstwas doch noch kurz vor Feierabend zu reparieren, der Meister an der Drehbank schüttelt gleich den Kopf als ich meine Lagerbuchsen hochhalte. Natürlich überrede ich ihn, die Dinger doch noch heute abzudrehen. Dauert aber `ne Stunde. Kein Problem! Wladimir, unser bulgarischer Werftnachbar hat auch gerade jemanden gefunden, der sich seines Steuergetriebes annimmt - können wir also zusammen warten. `N Bierchen? Gute Idee! Wir auch, rufen gleich die Schlosser. Schlendern wir also die Strasse runter zum nächsten Bierstand, unterstützen die lokale Brauerei und sacken anschliessend noch `n paar Dosen für die Werkstattjungs ein. Das bringt uns auf der Warteliste schlagartig nach ganz oben ;) Einer dreht gleich mal die letzten Gewinde in meinen neuen Adapter für den Wellenflansch (der sonst erst Montag fertig wäre), Wladimirs Schlosser kann mit `ner Dose vor sich auch viel schneller feilen, der Meister hat die Lagerbuchsen in die Drehbank gespannt und nimmt noch mal `n Schluck bevor er loslegt - hätten die anderen Kunden ja auch drauf kommen können! Die Dosen sind schnell alle, zwei Jungs holen `ne Kiste Nachschub, alle langen kräftig zu, wir auch. Während die Stimmung weiter steigt, nimmt die Arbeitsmoral im direkten Verhältnis zum Kisteninhalt ab. Irgendwann sind die Schlosser ausschliesslich mit Flaschenöffnen beschäftigt (da ist mein Adapter aber fertig) - die Einzigen, die noch arbeiten sind der Meister an meinen Buchsen und `ne Putzmutti, die verzweifelt versucht, Metallspäne und Kronkorken zwischen unseren Füssen wegzufegen. Dann nur noch die Putzmutti, die Jungs holen `ne neue Kiste, draussen ist es stockdunkel, meine Teile sicher im Rucksack, wir sind noch `ne Weile am Labern und irgendwann mach ich mich mit Wladimir auf den Heimweg. Ist `n langer Weg! Kurz vor der Marina überlegen wir, ob wir nicht noch ein Feierabendbier trinken sollten. Super Idee, Wladimir kennt `ne nette Kneipe direkt am Strand. Kühle Brise, Seeblick, das Meer rauscht - perfecto! Hier sitzen die Jungs, sind gemütlich am Schwatzen, trinken ihr Bierchen und damit die Kellnerin sich nicht soviel merken muss, bleiben die leeren Flaschen immer auf dem Tisch stehen. Wenn Tisch voll, wird `ne Kiste daneben gestellt, leere Flaschen rein und die Jungs können weiter trinken, bis Tisch wieder voll :-) Sooo lange sitzen wir dann natürlich nicht! Als wir uns dann mal wieder auf den Heimweg machen, kommen wir noch an einer anderen Kneipe vorbei, was auch ganz gut geklappt hätte, wenn Wladimir da nicht ein paar Jungs kennen würde. Muss man ja kurz Hallo sagen und Schwups, stehen zwei Flaschen vor uns. Aus Anstand müssen wir dann natürlich auch `ne Runde holen und jetzt haben die restlichen Jungs den Ehrgeiz der Reihe nach den Tisch mit Bierflaschen voll zu stellen. Können wir ja nichts dafür, wenn das hier so Tradition ist! Jedenfalls kommen wir dadurch etwas später nach Hause als geplant und als ich dann so die Bootsleiter hoch klettere und meiner Holden stolz zurufe "Alle Teile fertig!" habe ich das Gefühl, dass mein diesbezüglicher Einsatz nicht richtig gewürdigt wird. Merkwürdigerweise haben Frauen wohl immer die Angewohnheit, sich nicht über das Ergebnis (die passenden Ersatzteile) zu freuen, sondern sich über das Drumherum (also den Mann) zu ärgern.

Sonnabend, 02.11.2013Geschafft!
Wenn ich zum Frühstück Rührei mache ist das meist ein Zeichen, dass ich mich bei meiner Crew einschleimen will. Heute auch wieder! Klappt aber meist. Da Marion ja gestern genug Zeit zum Putzen hatte, sieht der Ruderkoker natürlich aus wie geleckt, halte ich gleich mal die abgedrehten Lagerbuchsen rein - passt! Zum Glück haben wir die geniale Idee, bevor wir die Dinger einkleben erstmal alles "trocken" zusammenzubauen. Ruder in die Grube stellen, nach oben schieben und die untere Befestigung anschrauben. Dauert natürlich viel länger, weil schöne Quälerei zu zweit - dafür passt es auch nicht! Bei der Befestigung bleibt ein Spalt und das Ruder ist regelrecht festgeklemmt. SCH...! Wühlt Marion also noch mal in der Mülltonne (ist ja zum Glück Wochenende und keiner da), um die Reste vom alten Lager zu suchen. Der obere Rand ist nur 5mm, beim neuen 10! Das kann nicht passen! Schnapp ich mir also wieder den Rucksack, werde mit einem liebevollen "Pass auf, dass du Wladimir nicht triffst!" verabschiedet und flitze in die Stadt. Wladimir wartet schon in der Werkstatt! Aber nicht auf mich, sondern auf sein Getriebe. "Sein" Schlosser hatte gestern doch vorschnell die Feile zuBeweisfoto! Ich tu hier auch wasgunsten der Bierflasche eingetauscht :-) Ich beschwatze den Meister, meine Buchse unbedingt als nächstes in die Drehbank zu spannen, plausche mit Wladimir über das mangelnde Verständnis unserer Ehefrauen für die Schwierigkeiten bei der Ersatzteilsuche und Werkstattaufenthalten, wander irgendwann mit dem fertigen Lager ALLEINE wieder zurück, vergesse nicht einmal noch Brot zu kaufen und hab sogar noch einen Arm frei für `ne Stiege Kaltgetränke. Diesmal klappt auch der probeweise Ruderzusammenbau, wir schleifen alle "Einschläge" im Unterwasseranstrich noch mal nach, klatschen die erste Runde Primer drauf, ich darf sogar noch mein Lieblingsspielzeug, die Flex, auspacken und die ganzen Schrauben für den neuen Wellenadapter zuschneiden und nachdem wir uns in der Marinadusche auf zivilisationstauglich getrimmt haben, lade ich meine Holde zum romantischem Abendessen ein. Kleine Kneipe am Meer - Seeblick, der Mond scheint, die Wellen plätschern, leere Flaschen auf dem Tisch ...

Sonntag, 03.11.2013
Wir sind weiter fleissig am Werkeln, verpassen den "Einschlägen" auf der Backbordseite die zweite Runde Primer, kleben die Ruderlager ein, montieren das Ruder und ich bau unsere Wellenanlage fast wieder zusammen. Dauert den halben Tag, ich darf auch noch mal flexen und würde das normalerweise ausgiebigst schildern, aber Marion findet, dass ich zuviel über Technik schreibe. Ich könnte stattdessen auch mal erwähnen, dass ihr heute beim Reinigen der Lenzrohre `ne Klobürste drin stecken geblieben ist. Gibt`s also statt dessen die Klobürste. Und um die Würdigung der weiblichen Leistungen des heutigen Arbeitstages noch abzurunden, lobpreise ich an dieser Stelle auch noch den vorzüglichen Braten, den sie aus dem anderthalb Kilo Fleischbatzen, der seit einer Woche in unserem Kühlschrank rumlag, gezaubert hat. Lecker!!!!!Umzug

Montag, 04.11.2013
Na, da sind wir doch schon mal `n ganzes Stück weiter! Ungefähr 50 Meter! Irgendwie hat die Schleiferei auf dem Kunststoffdampfer nebenan ja vorige Woche schon genervt, aber heute legen die Jungs richtig los - alles voller Fiberglasstaub - da hilft auch keine halbherzig vorgehaltene Plane. Stört mich im Motorraum nicht unbedingt, aber wir müssen alle Luken zu rammeln und wo immer MANN das vergisst, haben wir den Staub auch drinnen. Erzürnt natürlich die Bordfrau! Draussen, in den Fiberglasstaubwolken arbeiten kann sie auch nicht Einigen wir uns mit der Werft also darauf, dass unser Schiff an einen anderen Platz gestellt wird. Blöd ist nur, dass unsere erste Lage Primer gerade drei Stunden vorher gestrichen wurde. Da konnte ich den Jungs beim Streichen noch soviel auf die Finger schauen - für die abgeschabten Stellen, von den Krangurten können sie nichts. Darf ich morgen also gaaaanz früh aufstehen und noch mal nachschleifen. Um Acht streichen sie die nächste Runde! Aber dafür haben wir jetzt Seeblick! Auch nicht schlecht.

Dienstag, 05.11.2013Mittagspause
Irgendwie war der Plan ja, dass wir die Schleif- und Malerarbeiten machen lassen (weil´s natürlich so billig ist) UND damit wir in der Zeit andere Arbeiten erledigen können. Geht natürlich mal wieder nicht auf. Zumindest für mich nicht. Während Marion gemütlich im Schatten sitzt und fröhlich am Ruderquadranten rumschleift, bin ich für die vier Jungs am Farbe anrühren und krieche hinterher rum, ob sie die auch überall drauf streichen. NERVT! Bei der ersten Runde gestern war das ja noch recht einfach - wo alte Farbe zu sehen war, mussten sie noch mal rüber - aber jetzt sieht alt und neu natürlich gleich aus. Hocke ich also fast mit der Nase vorm Rumpf, fass probeweise mal an ob`s klebt und erkläre zum x-ten Mal, dass es nicht um Geschwindigkeit, sondern um einen KOMPLETTEN Schutzanstrich geht. Vier Jungs sind eindeutig zu viel und eigentlich arbeiten auch nur zwei von ihnen gut. Die beiden dürfen dann auch am Nachmittag zur dritten Streichrunde wiederkommen. Sind die anderen beiden zwar `n bisschen beleidigt, aber da sie ihr Geld von der Werft ja auch bekommen wenn sie im Schatten stehen und schwatzen, hält sich ihr Ärger in Grenzen. Und jetzt, wo sie nur noch mit "auf-den-Feierabend-warten" beschäftigt sind, suchen sie den Rumpf ab, auf der Suche nach nicht glänzenden Stellen, um mit dem Finger drauf zu zeigen "Da muss noch!" Entlastet mich natürlich ungemein :-) Feierabendbier gibt`s dann auch für alle.

Ruderquadrant zieht wieder auf seinen Platz, unter die Koje achtern

Mittwoch, 06.11.2013
Der Käpt`n hat Geburtstag und was kriegt er?! ´Nen Werftaufenthalt und ´ne Runde Antifoulinganstrich! Na gut, auch noch Spiegeleier zum Frühstück - aber andere Männer kriegen `ne Rolex oder ´ne knallbunte Krawatte oder wenigstens den Fein-Werkzeugkoffer (den ich immer besonders ausgiebig preise, wenn ich Marion unauffällig die Seite im Katalog hinhalte). Jo, die haben auch andere Frauen, grinst sie mich an und wenig später hat sie mir die Vorzüge meiner Wahl wieder in Erinnerung gebracht... Sie hätte mir sogar noch den zweiten Antifoulinganstrich geschenkt, aber statt dessen gibts `nen Regenschauer. Auch nicht schlecht, wäscht wenigstens mal den Schleifstaub vom Deck. Dafür darf ich noch den gestrichenen Ruderquadranten einbauen, mit unserer Malertruppe `n Feierabendbier trinken und zum Abendessen lädt sie mich stilvoll ins Marina-Restaurant ein. Ich muss bezahlen. Sie hat ja schliesslich kein Geld - sie hat andere Vorzüge :-)

Freitag, 08.11.2013
Gestern hat unser Bötchen die letzen beiden Runden Antifouling verpasst bekommen und schon trampeln die Jungs hier, ob wir nicht bald ins Wasser wollen? Nö, wollen wir noch nicht. Die Farbe soll ruhig ein bisschen aushärten und ausserdem haben wir noch so`n paar Bastelprojekte, die wir vorher erledigen wollen. Vertrösten wir sie also auf Montag. Der Ruderkoker kriegt `ne schöne Fettinjektion, was ´ne ziemlich schmierige Angelegenheit ist, zumal ich dafür auch noch zweimal die Fettpatrone wechseln muss. Der Auspuff vom Generator muss wieder runter, hatte ich in Buenos Aires ja gerade erst "restauriert". Gut, ist jetzt auch schon wieder zwei Jahre her. Trotzdem irgendwie merkwürdige Geschichte: Hinter der Gummimanschette sammeln sich Unmengen von Salzkristallen und dem SEEWASSERBESTÄNDIGEM Alu fällt dazu nichts besseres ein, als sich vor Schreck aufzulösen. Wieder jede Menge Löcher! Zum Glück gibt`s ja Aluspachtel (DANKE SVENi!!!), `n Stück von der Wurst abschneiden, durchkneten, in die Löcher scGammelei am Auspuffhmieren, Stunde warten und dann glattschleifen. Einfach genial das Zeug! Ein MUSS auf jedem Alu-Dampfer! Hat sich schon mehrfach bewährt - z.B. wenn der Skipper noch nicht so ganz auf der Höhe ist und Löcher bohrt, wo keine hin sollen :-) Diesmal ziehe ich um die Manschette `ne schöne Sika-Naht, damit kein Wasser darunter kriechen kann. Mal sehen ob`s hilft. Das Ruder der Windfahnensteuerung zeigt auch leichte Auflösungserscheinungen - kriegt `nen Epoxi-Einlauf! So gefühlt bin ich bei den Dingen, die wir am wenigsten benutzen (sprich, die man eigentlich auch über Bord schmeissen könnte) am meisten am Reparieren - wie Waschmaschine, Windfahnensteuerung, ... Oder kommt mir das nur so vor?

Sonnabend, 09.11.2013
Das Chaos nimmt kein Ende! Der Auspuff vom Motor müsste unbedingt auch mal abgenommen werden, die Gummimanschette drückt`s schon richtig hoch!, bemängelt die Bordfrau. Hat sie Recht, aber sie muss das blöde Ding ja auch nicht abbauen! Das Teil hab ich irgendwann mal montiert, da waren da noch kahle Wände. Aber jetzt ist `ne Kabine davor! Natürlich habe ich eine Inspektionsöffnung gelassen, aber entweder hatte ich damals kleinere Hände oder der Plastikschwanenhals (das ist so`n Ding, das hinter der Auspufföffnung sitzt und verhindert, dass Wasser von aussen in den Auspuffschlauch läuft) ist grösser geworden. Da liege ich also die nächsten Stunden “gemütlich” auf dem Lattenrost der Achterkoje, stecke mit zwei Händen und Werkzeugen in der InspektionsöffnArbeitsplatz Backskiste - gibt nichts tolleres bei 35°C!ung, versuche irgendwelche Schrauben zu ertasten, fluche schweisstriefend vor mich hin und träume mal wieder von einem grösseren Schiff mit riesigen Inspektionsdeckeln und jeder Menge Platz zum Arbeiten. Marion hat sich klugerweise weit weg, unters Boot in den Schatten verzogen, um voller Hingabe mittels Sandpapier und irgendwelchen merkwürdigen Schabern ihrem geliebten Cockpittisch zu neuem Glanz zu verhelfen. Irgendwann hab ich aber alles abgebaut, entdecke unter der Gummimanschette des Auspuffs `n schöne fette Salzkruste und unter der eine Alu-Bordwand im Auflösungsprozess. Ist jetzt nicht wiklich `ne Überraschung, dafür gibts ja den Aluspachtel. Drahtbürste in die Flex spannen, alles schön blank machen, Stück von der Wurst abschneiden, durchkneten und in die Löcher damit. Muss ich nur noch darüber nachgrübeln, wie ich das Auspuffendstück noch retten kann. Von der Gummimanschette ist nicht mehr viel übrig und damit soll das Ding ja wieder angeschraubt werden. Ich könne jetzt ruhig mal schreiben, dass sie die entscheidende Idee zur Reparatur hatte, findet Marion. Mach ich doch promt! Also, Marion hatte die tolle Idee, wie ich das Teil reparieren kann: Aus `nem alten Fender (das sind die Dinger, die in den Häfen immer an der Seite von den Schiffen runterbaumeln) einen gleichgrossen Ring schneiden und diesen unter die alte Manschette kleben. Klingt jetzt ganz einfach, dauert aber schon zwei, drei Stunden bis alles geschnitten, gebohrt, dick mit Sika eingeschmiert, in eine Hilfskonstruktion geklemmt und, zwecks gleichmässigem Anpressdruck, verschraubt ist. Müssen wir jetzt nur noch warten, bis der Kleber fest ist. Bis morgen also!

Sonntag, 10.11.2013Fast fertig. Sieht doch echt schnittig aus in schwarz :)
Endspurt! Die Gummimanschette sieht wieder aus wie neu, diesmal schmier ich das Ding schön fett mit Sika ein, bevor ich es einsetze, liege erneut schimpfend vorm Inspektionsloch, um mit kleberverschmierten Händen die acht Muttern festzukriegen, baue alles wieder auseinander, weil ich die Isolierpaste für die Schrauben vergessen habe, bekomme irgendwie auch den Schwanenhals wieder da ran und mit gereinigten Händen sogar die Wandverkleidung . Nebenbei "erwische" ich Marion, wie sie neben dem Cockpittisch auch noch die Frühstücksbretter abschleift und verkneife mir grosszügig `n Kommentar bezüglich der Prioritätenliste der Arbeiten bei einem Werftaufenthalt. Schliesslich hatte sie ja gestern die tolle Idee :) Das Ruder der Windfahnensteuerung muss noch zusammengebaut und auf`s Boot gewuchtet werden, der Propeller nebst Anode montiert werden, lauter Kleinigkeiten fallen uns noch ein - langsam wird`s hektisch, morgen früh wartet schliesslich der Kran! Marion leiert noch die Ankerkette runter, um die Markierungsbänder zu erneuern und sie nebenbei einer Schnellinspektion zu unterziehen - prompt findet sie natürlich zwei Kettenglieder mit Lochfrass. “Die solltest du dir unbedingt mal ansehen!” Mach ich ... davon werden sie aber auch nicht besser - die müssen raus! Genau das fehlte uns ja noch :-(

Montag, 11.11.2013
Die keifenden Vögel auf dem Deck sorgen zumindest dafür, dass wir früh wach sind. Schnelles Frühstück, Kaffee schlürfen, Dusche fällt heut aus, ich spring gleich in die Bastelhose und und flitze zur kleinen Edelstahlwerkstatt gegenüber. Dem Meister erkläre ich mein Problem (so ganz perfekt war mein spanischer Vortrag dann wohl nicht, er guckt sich die Sache lieber am Schiff an). Alles klar, er hat die selbe Eingebung wie ich, die zwei Schrottkettenglieder rausschmeissen, zwei weitere auftrennen und alles wieder zusammenschweissen. Sag ich doch! Er lässt gleich jemanden damit anfangen, dauert zwWerfthund Negra, wird uns und die kleinen Leckerbissen bestimmt vermissenei Stunden und soll umgerechnet 5 Euro kosten. Ich muss ja langsam aufpassen, dass ich bei den Preisen nicht zu auffällig grinse. Schleppe ich also Kette nebst Anker in die Bude rüber, versichere dem drängelnden Kranfahrer, dass wir jeden Augenblick fertig sind, rolle ganz demonstrativ das Stromkabel ein, stelle die Leiter zur Seite und versuche auch sonst den Eindruck zu vermitteln, dass es sich nur noch um Sekunden handeln kann. Marion macht sich inzwischen (geduscht!) auf zur Bürorunde: Ins Marina-Office zwecks Liegeplatz, zu Keigla zwecks Geldtausch und in die Werft zwecks Bezahlung. Das Kettenbündel liegt auch endlich vor der Werkstatt, ich bezahle und will mir die zwei geschweissten Kettenglieder ansehen. Wieso zwei?! Der Schlosser weiss nur von einem! Nachdem das innerbetriebliche Kommunikationsproblem geklärt ist, zotteln wir die Kette also wieder rein, der Schlosser macht sich an die Arbeit und ich vertröste wiedermal den Kranfahrer. Stunde später ist er fertig, ich schleppe den Berg zurück zum Boot, mit Hilfe der Ankerwinch verschwindet sie wieder im Kettenkasten. FERTIG! Jetzt will aber der Kranfahrer nicht mehr, halb zwölf, da ist Mittagspause! Um zwei geht`s weiter. Gehen wir also auch erstmal was essen und trampeln ab halb zwei vorm Boot rum. Das tun wir auch noch um halb drei, um drei - halb vier trudelt er endlich ein, startet den Travellift, wenig später hängen wir in den Gurten und kurz darauf auch im Wasser. Schnell die Borddurchlässe kontrollieren ... die Wellenabdichtung leckt. Ich zottel noch so`n bisschen dran rum - natürlich ist keine funktionierende Taschenlampe aufzutreiben! - keine Ahnung, wo genau das Rinnsal herkommt, aber auf jeden Fall müssen wir wieder raus. SO EINE SCH...!!! Stehen wir wenig später also wieder auf unserem alten Platz, ich verschwinde im Motorraum, um die Welle und Wellendichtung zu demontieren, Marion überhört wohlwollend meine Flüche, bastelt mir aus mehreren eine funktionierende Taschenlampe zusammen, bringt Werkzeuge, sucht benötigte Teile, reicht kaltes Bier rein, ´n trocknes Tuch zum Schweissabwischen, verbindet die aktuellsten Verletzungen, ... Drei Stunden später ist das Problem gelöst, Welle wieder dran, Abdichtung auch, ich krieche ich aus meinem Keller - FERTIG! Da ist es dann aber auch stockdunkel und ausser dem Nachtwächter und uns keiner mehr auf der Werft. Dann eben morgen!

Dienstag, 12.11.2013
Eigentlich hat die Bordfrau ja heute Geburtstag, können wir aber keine Rücksicht drauf nehmen - Krantermin, der Zweite! Kurz nach acht hängen wir in den Gurten, ich haste gleich als erstes in den Motorraum - die Stopfbuchse ist dicht! UFFF!!! Noch so`n bisschen dran rumfummeln, Gummibalg trocken, unter der Gleitfläche trocken ... mit mal ein kleines Rinnsal! Diesmal hab ich ja zum Glück `ne Taschenlampe - das Wasser läuft am Stevenrohr lang und kommt eindeutig durch die kleine Öffnung zur Achterkabine. Die beiden einzigen Borddurchlässe dort sind aber dicht, kann also nur irgendein Schlauchanschluss, Wasserleitung oder was weiss ich lecken - kümmer ich mich später drum. Marion`s Blick sagt mir, dass sie nicht ganz überzeugt ist, egal, die Gurte können ab. Ich stell mich ans Steuer und rufe meiner Crew die Befehle zu: Motor starten! Klick machts, mehr nicht. So´n Mist, haben wir uns bei der Kettenhoch- und -runterzuckelei doch glatt die Starterbatterien leergelutscht! Zum Glück können wir den Motor per Umschalter auch mit den Servicebatterien starten, Sekunden später brummelt der Diesel, die Leinen werden losgeschmissen und wir gleiten langsam aus der Kranbox. Jetzt müssen wir gleich scharf links rum, lässig dreh ich am Steuerrad, es geht weiter geradeaus! SCH...! Mit Vollgas zurück stoppe ich das Boot, ruf meiner, schon leicht panisch guckenden Crew zu, dass sie aufpassen soll, dass wir nirgends gegen knallen und sprinte unter Deck. Hatte ich Blödmann doch bei meiner Ruderbastelei den Sperrblock der Hydrauliksteuerung geöffnet undAb, in´s Wasser!! vergessen, ihn wieder zu schliessen! Sekunden später steh ich wieder an Deck, jetzt können wir auch scharf links rum fahren und tuckern langsam zu unserem neuen Liegeplatz. Dass unsere Spezialdisziplien, mit Seitenwind rückwärts an den Steg und vorher noch `ne Leine in die Mooringtonne fädeln, auch erst beim zweiten Anlauf klappt, war ja irgendwie klar - aber irgendwann liegt der Dampfer vertäut am Ponton, alle Leinen sind dran und der Käpt`n spendiert seiner etwas verzweifelt rumhockenden Crew `n Rum zur Nervenberuhigung. JA, ES GIBT TAGE, DA TRINKEN WIR AUCH SCHON VORMITTAGS! Heute zum Beispiel! Ich mach mich dann in die Achterkabine, nehme Bodenbretter hoch, schraube einen Schrank halb auseinander, eine Wand im Gästeklo ab - immer schön dem Rinnsal nach - und da entdecke ich endlich den Übeltäter: Der Kacktank! Hatte ich beim Ausbau natürlich so brav und ordnungsgemäss (ist ja Vorschrift in Deutschland) für`s Gästeklo einen schicken Edelstahl-Fäkalientank eingebaut. Und das blöde Ding tropft munter vor sich hin. Nicht, dass da jetzt IRGENDWAS drin wär, aber das untere Ende befindet sich unterhalb der Wasserlinie und soweit steht jetzt natürlich Seewasser drin. Und irgendwo ist da vermutlich `ne Schweissnaht korrodiert oder sonstwas, jedenfalls tropft`s da fleissig wieder raus. Immerhin beruhigt es die Nerven des Geburtstagskindes weiter und sie bekommt natürlich auch gleich Lösungsvorschläge präsentiert: Tank ausbauen, schweissen lassen und wieder einbauen. Haben wir das selbe Problem vermutlich irgendwann wieder. Zweite Variante: Tank ausbauen, wegschmeissen und Zu- und Ablaufschlauch einfach verbinden. "Genau, so machen wir das und du kannst auch gleich anfangen! Mein Geburtstag ist dann aber Morgen!" Hocke ich also die nächsten Stunden schweissgebadet im Mini-Gästklo, kämpfe verzweifelt mit Verschraubungen die ich nicht sehe, bin begeistert, zu was für Verrenkungen der menschliche Körper fähig ist, hol mir jede Menge neuer Schrammen und stehe irgendwann klatschnass und stolz mit dem Kacktank vorm Geburtstagskind: HAPPY BIRTHDAY! Kann ich jetzt nicht so mit punkten und auch der Hinweis, dass das braune nur Rost ist bringt sie nicht dazu das Geschenk freudestrahlend an sich zu drücken ... Erfolgreicher bin ich da mit der Einladung zum Abendessen. Marina-Restaurant gleich neben dem Pool, Blick auf`s Meer ... nächstes Jahr muss ich nur noch `n Typ mit `ner Geige auftreiben :-)

Mittwoch, 13.11.2013
Hat Marion eben heute Geburtstag! Gibt auch gleich das volle Verwöhnprogramm, so mit Kaffee ans Bett, Rühreier zum Frühstück (diesmal nicht wegen Einschleimen), Kerze auf`m Tisch und mit Schmuck überhäufen! Nach dem fürstlichen Frühstück rede ich ihr dann ein, dass sie sich zu ihrem Geburtstag nichts sehnlicher wünscht, als einen Stadtbummel - schmeissen wir uns also in die Ausgehkluft und fahren in die City. Bisschen durch die Strassen schlendern, in den Geschäften rumstöbern, bisschen shoppen (Zahnpasta, Haartönung, Deo-Roller - eben alles Dinge, die Frauen glücklich machen) und ganz unauffällig steuer ich so Richtung Markt. Wenn wir schon mal hier sind können wir auch gleich Fleisch kaufen. Heute ist ja Mittwoch und da trifft sich die Seglergemeinde der Marina immer zum Asado. Hatten wir bisher ausfallen lassen wegen Werft und keine Lust, aber heute zuckeln wir da auch mal hin. Nettes Plätzchen, ´ne Menge Leute - mein Fleischbatzen ist der mit Abstand grösste auf dem Grill! Bringt mir anerkennende und neidvolle Blicke der anderen Männer und spitze Bemerkungen zweier Frauen. "Na, das dauert ja bestimmt zwei Stunden", sticheln sie, während sie die 50 Grämmchen-Stücke für ihre, mit hungrigen Augen wartenden Männer ankokeln. Von wegen - Dreiviertelstunde, dann ist so`n 1,6 Kilo Batzen perfekt! Zugegebenermassen sind die Anderen da schon mit ihrem Essen fertig. Meine Angebetete lobt mich trotz knurrendem Magen überschwenglich und haucht mir hinterher liebevoll ins Ohr, dass sie mich auch lieben würde, wenn ich beim nächsten Mal nur ein kleineres Stück für sie hätte. Heisst in der Übersetzung: ein dünnes Steak, das schneller fertig ist, wäre ihr vieeeeel lieber! Sagt sie aber nicht so plump! Man, was sind wir heute wieder harmonisch!

 

Donnerstag, 14.11.2013Wieder Klo-Tag
Verbringe ich also den ganzen Tag im Klo! Nicht etwa, weil das Fleisch beim Asado schlecht war, sondern weil ich ja die Kacktankproblematik noch beenden muss. Den Tank zerlege ich mit der Flex in handliche Einzelteile, um das Steigrohr herauszutrennen. Hat genau den Durchmesser der Anschlussschläuche - ist das Problem der Verbindung von Zu- und Ablauf schonmal gelöst. Bleibt nur noch der Ablauf vom Grauwassertank, der bisher ja einfach in den Fäkalientank abgepumpt wurde. Bau ich einfach die, jetzt überflüssige Kacktankentlüftung für um. Muss ich natürlich noch `ne Wand für abbauen, das Teil ein bisschen umwerkeln - plöttert der Grauwassertank jetzt eben aus einem Meter Höhe das Dreckwasser raus. Ist dem aber egal! Und wie ich so wieder am Zusammenbauen bin, Wände ran, Dreck wegwischen, Werkzeug einsammeln, entdecke ich unterm Klo `ne neue Pfütze. Hatten wir eigentlich immer mal wieder, aber da das Teil so gut wie nie benutzt wird, war`s wenig später auch wieder trocken und das Problem somit erledigt. Jetzt weiss ich auch warum: Ein klitzekleiner Haarriss im Plastiksockel der Toilette! Da rinnt solange Wasser raus, bis der leer ist und wenn`s Klo nicht benutzt wird bleibt`s eben auch trocken. Da wir ja unter vielen anderen Dingen auch eine komplette Reservetoilette in Einzelteilen spazieren fahren und ich es mir in dem Mini-WC ohnehin gerade so schön gemütlich gemacht habe, kann ich das Teil ja auch gleich ausbauen und ins Cockpit tragen. Da ist es zum Zerlegen und Umbauen a) gemütlicher und b) erhöht so`n Porzellanbecken auf der Cockpitsitzbank auch die Arbeitsproduktivität, da es `ne gewisse abschreckende Wirkung auf benachbarte Segler, die mal so auf`n Plausch an Bord kommen wollen :-) Neuer Sockel drunter, alles wieder zusammenbauen, im Bad anschrauben, Schläuche wieder ran, Seeventile auf und munter drauflos pumpen. Hätte ich lieber probeweise etwas zaghafter machen sollen! Es spritz nur so nach allen Seiten! Hab mir gleich gedacht, dass die Pumpe nicht genau auf den neuen Sockel passt. Zum Trockenlegen des Bades kann ich mich ja noch durchringen - aber mehr auch nicht. MANANA!

Freitag, 15.11.2013
Wir haben ein neues Problem! Diesmal tropft`s nicht irgendwo raus, die Bordfrau hat Zahn-Aua! Is sie jetzt so`n bisschen am Jammern, aber alles nicht so schlimm - als ich Elke, unsere Bootsnachbarin  wegen `nem Zahnarzt ausquetschen will, gibt`s die gute Nachricht, dass sie genau heute einen Termin in der Zahnklinik hat. Kann sie Marion also gleich mitnehmen! Das hat auch den Riesenvorteil, dass Marion gar nicht erst sieht, wie ich im Bad rumsaue. Ist halt `ne ganze Menge Wasser, was in den Schläuche steht, die ja im Bogen bis über die Wasserlinie verlegt sind. Und das läuft nunmal raus, wenn MANN die Schläuche abschraubt! Heute aber kein Problem, da Frau ja nicht da - kann ich so richtig ungestört rumplanschen. Pumpe wechseln, beim zweiten Anlauf auch alles dicht bekommen, bisschen mit Hermann dem Nachbarn schladdern (der hat ja auch sturmfrei), gleich noch die Silikonnähte erneuern, noch mal putzen ... und pünktlich zum Sonnenuntergang, als die Frauen endlich von ihrem Date mit dem Doctore zurück sind, ist alles dicht, das Bad blitzeblank und das Männchen sogar geduscht. Marion`s Tagesbericht klingt dann etwas weniger euphorisch - stundenlang frieren in Warteräumen, die temperaturmässig vermutlich auch die EU-Norm für Tiefkühlräume erfüllt hätten, paar schicke neue Fotos von ihrem Gebiss und zwei neue Termine. Erstmal Abdruck, dann Wurzelbehandlung, Provisorum, neue Krone anfertigen, anpassen, ... und dann ist da noch ein Zahn, der auch gleich ... Hört sich an, als ob sie das nächste halbe Jahr dort in der Klinik wohnen würde. Passt jetzt irgendwie nicht so ganz in unsere Pläne - eigentlich wollten wir am Wochenende unsere Rucksäcke packen und ab nächster Woche durchs Land ziehen. Kommt eben immer anders ...

Sonnabend, 16.11.2013
Unser erstes Mal! Und es war echt geil! Nein, ihr seid nicht versehentlich auf der falschen Website - wir waren bloss im Kino. In 3D!!! Den Tip hatten wir von anderen Seglern beim Asado bekommen (da sitzt man ja nicht nur und stopft sich Fleischbatzen in den Mund, da unterhält man sich auch ... nachdem das Fleisch mit`m Schluck Bier runtergespült wurde :-), dass hier oft Filme im (englischen) Originalton mit spanischen Untertiteln laufen. Haben wir uns also zu dem Kino in der Stadt durchgefragt. Riesiges Einkaufscenter mit Kinopalast, acht grosse Kinosäle und Boutiquen ohne Ende. Acht Filme stehen zur Auswahl, die spanisch synchronisierten fallen schon mal aus. Schön flach soll er sein, bloss keine komplizierten Dialoge, schliesslich will ich ja auch noch mitkriegen, wer die Guten sind und sooo gut ist unser Englisch dann auch nicht. Bleibt "THOR II" übrig. Perfekte Auswahl! Die Jungs quatschen nicht viel, haun die ganze Zeit mit grossen Keulen auf sich ein und die Bösen sehn so schön böse aus, dass man das auch mitkriegt, wenn man mal ein Wort nicht versteht. Gut, der Film wird vermutlich nie `ne Oscar-Nominierung kriegen, aber so zugedröhnt vom Dolby-Surround, mit der 3D-Brille auf der Nase im Plüschsessel hockend, ist das schon ein krasses Erlebnis! Noch realistischer wär`s ja gewesen, wenn die Handlung in der Antarktis gespielt hätte. Wegen der Temperaturen im Kinosaal! Was haben wir gefroren! Nächstes Mal nehmen wir uns die Schlafsäcke mit!

Montag, 18.11.2013
Marion ist ja ganz begeistert von den neuen, weissen Silikonnähten im Gäste-WC - die will sie in unserem Bad jetzt auch haben. Hocke ich mich also mal wieder ins Klo und pule das alte Silikon aus den Fugen, während sie probiert, welche Hose ihr denn am besten zum heutigen Zahnarzt-Date steht und welche Bluse dazu passt :-) Und überhaupt ist mein Geläster wenig hilfreich - sie will nicht den Zahnarzt bezirzen (der nach ihrer Beschreibung aussieht wie ein Schlachter), sondern braucht schliesslich lange Klamotten, weil`s in der Klinik a...kalt ist! Die Modenschau war dann aber umsonst, kurz bevor sie los will, kommt Elke mit der Nachricht, dass die Klinik den Termin abgesagt hat. Elke hat ja ein Telefon! Mein hämisches Grinsen ist jetzt nicht unbedingt förderlich für ihre Stimmung, als sieEr wartet geduldig auf Fische, wir warten ungeduldig auf Zahnarzttermine sich wieder auspellt und zum Werftdreck-Beseitigungsputz in der Achterkabine verschwindet. Da singt sie mit dem Staubsauger um die Wette, ich quetsch die Silkonpatrone aus, hab irgendwann überall schicke, weisse Nähte, putz die Kleberreste da weg, wo sie nicht hinsollten und beim Zuschlagen der Tür muss ich natürlich noch `n bisschen rumstänkern: DA darfst du jetzt 24 Stunden nicht rein!!!

Dienstag, 19.11.2013
Marion darf wieder ins Bad, was sie natürlich gleich ausnutzt, um sich mit Lappen und Scheuermilch darin auszutoben. Sie putzt sich auch ansonsten grad `n Wolf, mit Staubsauger, Eimer und Tüchern “wütet” sie in den Kabinen rum - Werftdreckbeseitigung! Ich finde ja, dass das gar nicht so schlimm aussieht, aber ich habe ja keine Ahnung davon. Ich bin bei uns für`s Dreckmachen verantwortlich. Überlege ich mir also, was ich noch so rumbasteln könnte, haben ja jetzt Zeit. Warten auf Zahnarzttermine! Ich brauch auch gar nicht lange nachdenken, die Probleme kommen immer von ganz alleine! Beim gelangweilten Durchtippen der Daten vom schönen neuen Monitorsystem gibt`s den Nackenschlag des Tages: Die Starterbatterien haben noch 10,3 Volt!!! Äh, das ist jetzt nicht so gut! Sollte man vielleicht öfter mal drauf gucken. Das Problem ist nur, dass die Batterien nur über die Lichtmaschine vom Motor geladen werden und den will ich logischerweise jetzt nicht den ganzen Tag extra dafür vor sich hin stinken lassen. Bastel ich also erstmal aus den Resten Batteriekabel, die ich noch finde eine Ladeleitung, die quer über den Flur gespannt, vom Ladegerät zu den Batterien im Motorraum reicht. Vorher ziehe ich eine neue Datenleitung ein (schliesslich hatte ich an den Batterien schon einen Mess-Shunt installiert) und klemm die an den Batteriemonitor. Kann ich jetzt auch den Ladestrom überwachen. Servicebatterien vom Ladegerät abklemmen, Ladekabel der Motorbatterien ran und schon fliessen schlappe 5 Ampere Strom. Ist ja mal `n bisschen wenig bei 200 Ah Kapazität! Bereite ich meine Putzfee schon mal schonend auf unsere nächste Neuerwerbung vor: zwei schicke neue Batterien! Andererseits brauchen wir ja gar nicht die volle Kapazität. Die Dinger müssen bloss den Motor oder Generator starten und wenn wir die Ankerwinch benutzen läuft der Motor sowieso immer mit. Vertagen wir die Problematik also erstmal und beobachten das. Kann ja jetzt öfter mal auf die Anzeige schauen :)

 

Mittwoch, 20.11.2013
Meine neue Flurdekoration löst nicht bei allen Besatzungsmitgliedern Begeisterungsstürme aus: Wie lange muss das blöde Kabel denn da hängen?! So`ne Frage ist meist ein Zeichen von Missgefallen! Das will ich heut noch umbauen, brauch bloss noch Kabel! Ziehen wir also nach dem Frühstück beide los - sie in Schuhen und langer Gala, um sich in der Zahnklinik runterkühlen zu lassen, ich in Flip-Flops in die City, um Kabel, Kabelschuhe und natürlich Fleisch zu kaufen. Ist schliesslich Mittwoch! Ich bin sogar lernfähig und kauf diesmal ein kleineres Stück. Nur 960 Gramm. Lass ich gleich in drei Teile schneiden - eins für Marion, zwei für mich :-) Noch etwas Grünzeug einsacken, in ein Sammeltaxi springen und zurück zur Baustelle. Marion ist auch schon da. Sie haben BLOSS einen Abdruck gemacht, jetzt darf sie auf den nächsten Termin warten. Klingt so`n bisschen genervt. Den Abdruck hätte ich ihr auch machen können, schön mit Epoxi, hält ewig! Findet sie nicht lustig. Und dass ich im Flur die Bodenbretter hochreisse und es mir mit meinem Werkzeugen dort gemütlich mache, auch nicht. Der war gerade sauber! Hähä, aber nicht mehr lange :-) Quäl ich mich also mal wieder damit rum, `ne fette Strippe durch einen viel zu engen Kabelkanal zu quetschen, presse Kabelschuhe an, flexe und bohre `ne Brücke für zwei Abgänge des Ladegerätes zurecht, schliess am dritten jetzt die Starterbatterien an und weil ich noch einen in meiner Elektrobastelkiste habe, verpasse ich ihnen auch noch einen Batteriepulser. Vielleicht erweckt der sie doch wieder zu ein bisschen mehr Leben? Marion stellt zeitgleich die Vorderkabine auf den Kopf, schleppt Matratzen hin und her, wirbelt mit Lappen, Schüssel und Staubsauger rum, trällert mit Stöpseln im Ohr irgendwelche Liedchen mit und ist grosszügig bemüht, darüber hinweg zu sehen, dass ich mich mit meinem Bastelkram, wie üblich, immer weiter ausbreite. Der Grillabend ist dann heute ein Erlebnis der besonderen Art: Modenschau! Jetzt nicht so, dass die Marinaleitung zur Beglückung rauhbeiniger Segler knackige Models angeheuert hätte, die über den Laufsteg stöckeln - ne, die Seglerfrauen sind offensichtlich einem kollektivem Kaufrausch erlegen und statt, wie sonst in ausgebleichten Shorts winzige Fleischstückchen für ihre Männer zu verkohlen und aufzupassen, dass die in der Zwischenzeit nicht zu viel trinken, laufen sie heute ganz aufgeregt hin und her, drehen sich voreinander auf ihren hochhackigen Neuerwerbungen, wedeln mit knappen Kleidchen, berichten stolz wo sie welches Schnäppchen ergattert haben und versichern sich selbstverständlich gegenseitig, wie toll ihnen das doch steht. Boah, dagegen ist Marions Leidenschaft für neue Flip-Flops ja echt harmlos! Da siehst du mal, wie gut du es mit mir hast (flüstert sie mir ins Ohr)

Donnerstag, 21.11.2013
Macht Fleisch essen Kopfschmerzen? Eine Frage, mit der sich die moderne Medizin meiner Meinung nach noch viel zu wenig beschäftigt hat. Wir haben jedenfalls mehrfach  festgestellt, dass wir nach fröhlichen Grill-Abenden mit anderen Seglern am nächsten Morgen mit Kopf-Aua aufwachen. Heut auch wieder. Muss ja am Fleisch liegen! Auf jeden Fall such ich mir heute lieber eine nicht so anstrengende Arbeit (sowas, wo man mit Kopf nach unten irgendwie in `ner Bilge hängt), stopfe mir stattdessen `ne Packung Zigaretten und `n Bündel Bolivares in die Hosentaschen und ziehe los. Organisieren! Ist Marion auch ganz froh, kann sie endlich auch da wischen, wo ich sonst im Weg bin. Ströpe ich erstmal über die Werften zwecks Erkundigungen, latsche oder fahre zu diversen Läden und frag mich zu Leuten durch, "die wissen wo`s was gibt". Und ich suche einen Aussenborder. Rumfragen ist in Venezuela die, mit Abstand effektivste Form, spezielle Dinge zu bekommen. Besonders seit den letzten Wochen geht`s hier etwas chaotisch zu. Der Präsident, ein ausgewiesener Kompetenzbrocken in ökonomischen Zusammenhängen, hat endlich die wahren Schuldigen an der galoppierenden Inflation ausgemacht: Die Händler! Die verkaufen ihre Waren nämlich viel zu teuer und erhöhen auch noch ständig die Preise! Ist ja auch böse von denen. Hat er also schnell ein neues Gesetz gemacht, das sie verpflichtet, ihre Waren zu "angemessenen Preisen" unters Volk zu bringen. Ordentlich in den Medien "ausgeschlachtet" kommt das natürlich beim potentiellen Wahlvolk gut an (dass Anfang Dezember landesweit Kommunalwahlen anstehen, ist aber vermutlich purer Zufall :-) Regierungsbehörden rücken den Einzelhändlern auf die Pelle, verdonnern sie zu Preissenkungen und beschlagnahmen auch schon mal den ganzen Warenbestand, weil Händler unbelehrbar. Hängen also jetzt in den meisten Läden grosse Schilder mit 20, 30 oder 50% Preisnachlass, bei besonders begehrten Artikeln mit entsprechenden Schlangen davor und einige Geschäfte machen eben einfach dicht und "sitzen die Sache aus". Aber denen kommt der Präsident bestimmt auch noch auf die Schliche! Und dann müssen sie wieder aufmachen und mir den Aussenborder zum halben Preis verkaufen. Ich hab ja Zeit und Käpt´n reisst sich den A... aufkann warten :-)

Freitag, 22.11.2013
Ich glaub, je älter MANN wird, umso blöder! Hatte ich heute die geniale Idee, mal unsere Radaranlage zu zerlegen. Das Ding benutzen wir zwar kaum, aber wenn ich es probeweise doch mal eingeschaltet hatte, waren kaum Echos zu sehen, obwohl z.B. grad `n Fischkutter 200 m an uns vorbei tuckert. Hab ja jetzt Zeit, da muss ich das mal untersuchen. Schraub ich also, auf wackligen Kisten stehend, in 2 m Höhe die Schüssel auseinander, Kabel abklemmen und entdecke dabei schon mal den möglichen Übeltäter: Der Anschlussstecker sieht `n bisschen "zerwürgt" aus, zwei Kontakte hängen daneben. Klarer Fall für`n Lötkolben! Also Kabel aus dem Rohr der Radarhalterung ziehen, reicht jetzt bis ins Cockpit und munter daran rumlöten. Ist jetzt nicht so meine Stärke, aber am Ende sieht`s zwar nicht schön, aber haltbar aus. Wo ich eh schonmal dabei bin, bau ich auch noch den, schon seit langem leckenden Schwingungsdämpfer ab, verpasse ihm neue Dichtringe, Öl auffüllen, wieder zusammen- und anschrauben - es ist später Nachmittag als ich endlich die Schüssel auf die Halterung setzen kann, das Kabel im Rohr hochschiebe, versuche meine sensible Lötkonstruktion heil durch die wasserdichte Verschraubung der Radarschüssel zu würgen, ich brauche ewig, bis ich auf meinen Wackelkisten die Steckerteile auf ihre Pins bekomme, Stromkabel anklemmen, runterklettern, Probelauf. Der Reflektor dreht sich fleissig und auf dem Bildschirm ist kaum noch Platz vor lauter Echos. Na ja, Hafen eben. Stolz setze ich den Deckel auf die Schüssel, schraub alles fest und brauch jetzt nur noch die Radarhalterung `n halben Meter nach oben schieben ... SCH...!!!! Ist das Kabel doch einmal um den Heckkorb gewickelt, bevor es im Rohr der Halterung verschwindet! Wie kann MANN so blöd sein???!!! Kann ich den ganzen Mist wieder auseinander bauen, Kabel aus dem Rohr ziehen, um den Heckkorb rum, wieder ins Rohr ... Aber nicht mehr heute!

Sonnabend, 23.11.2013
Ich könnte auch mal wieder ein neues Kleid gebrauchen, wollen wir heute nicht shoppen gehen? - umgarnt mich mein Weibchen, während ich den Frühstückstisch abräume (um meine häusliche Seite mal geschickt mit im Text unterzubringen). War ja klar, dass sie sich irgendwann vom Kaufrausch der anderen Frauen hier anstecken lässt. Verteile ich also Bolivares-Bündel im Wert von 40 Euronen in meinen Hosentaschen und schon zuckeln wir ins Zentrum. Marion weiss auch ganz genau, wo wir hin müssen - die Boutiqen in dem riesigen Shoppingtempel beim Kinopalast! Stehe ich also die nächsten zwei Stunden geduldig im Weg, wenn die Frauen zwischen den Kleiderständern umher hasten, jedes Teil unbedingt mal hin- und herdrehen müssen, mit den erwählten Stücken zur Umkleidekabine drängeln, doch nicht das Passende finden ... in einigen Boutiqen gab`s auch Sessel. Die fand ich besser. Einmal konnte ich auf dem Weg zwischen zwei Kleiderläden sogar die Schaufensterauslage eines Computergeschäfts angucken. Aber nur kurz. Schade, dass der keine Kleider führt, sonst wär`n wir da bestimmt reingegangen. Am Ende trage ich ein gaaaanz schickes Kleid, eine Bluse, die einfach zu allem passt und zwei hochmodische BHs (vermutlich von irgendeinem Stardesigner) spazieren. Also, ich hab das Zeug nicht an, in Tüten natürlich! Geht aber noch weiter, jetzt schlendern wir durch die Geschäftsstrassen, genauer gesagt drängeln wir uns da durch - ist nämlich rammelvoll, überall wird mit Disconto gelockt - ein Volk im Kaufrausch! Die paar Elektronik-Läden sind natürlich alle zu, stört ausser mir aber niemanden, dafür können ja hunderte Schuh- und Klamottenläden gestürmt werden. Schuhläden lassen Marion ja zum Glück kalt, ich glaub von den anderen schaffen wir die Hälfte :-) Stimmt gar nicht, wir waren höchstens in zehn - wird Marion jetzt wieder dazuschreiben - kann ich es also gleich selbst machen :-) Auf jeden Fall schleppe ich noch mehr Tüten UND ... ich hab auch was bekommen: ´ne neue Hose. Ging aber ganz schnell, sehen, anprobieren, kaufen. Und genau jetzt entdeckt Marion noch die Bluse aller Blusen! Da ist das Geld aber alle ... hähä!

Sonntag, 24.11.2013
Die Bordfrau leidet! So`n bisschen ja sowieso, weil die böse Zahnklinik sich nicht meldet, ihr Papa grad im Krankenhaus liegt, das kleine Kind nicht auf die mütterlichen Mails antSo ganz nebenbei wieder gesund gepflegtwortet ... aber heute ist sie richtig krank! So mit Bauch-Aua - also wo das Essen, stark beschleunigt oben und unten wieder rauskommt. War sie die Nacht schon fleissig am Wandern - immer schön zwischen Bett und Klo hin und her und heute ist auch nichts mit ihr anzufangen. Entweder hockt sie im Bad, liegt auf `m Salonsofa oder im Bett. Und DA kommt der fürsorgliche Mann ins Spiel! Wenn sie wach ist frag ich sie brav alle fünf Minuten wie`s ihr denn geht, ob ich ihr einen Tee kochen soll oder `ne Tablette holen, wenn sie aus`m Bad schleicht mach ich ein mitfühlendes Gesicht "... du Arme, schon wieder?" ... Fühlt sie sich genervt. Gut, wenn ich gefragt hätte, ob sie auch gespült hat ... Ich soll sie einfach in Ruhe lassen. Hab ich auch schon mal probiert, war aber auch verkehrt, da hiess es dann: Du pflegst mich gar nicht richtig! So als Krankenpfleger hat MANN es einfach nicht leicht!

Montag, 25.11.2013
Trotz meiner Pflege geht`s der Patientin besser! Nicht, dass sie jetzt singt und herumhüpft, aber sie verpennt den Tag schon mal im Cockpit und rennt nicht mehr dauernd auf`s Klo. Dafür hat sie jetzt rote Punkte. Rücken, Bauch, dazwischen auch :-) Kommt von den Tabletten meint sie. Hab ich also keine Schuld, ich hab ihr die Dinger ja nicht gegeben! Auch mal schön, den Tag so gemeinsam im Cockpit zu verbringen - Marion schläft auf der einen Seite, ich bastel auf der anderen. Radaranlage, die Zweite. Natürlich reiss ich beim Kabelrausziehen meine Lötkostruktion wieder ab, selbstverständlich gibt der Gaslötkolben den Geist auf und ich muss beim Nachbarn schnorren, meine “Bierkistenleiter” wackelt immer noch, ich quäl mich wieder ewig, die angelöteten Behelfsstecker in die entsprechende Buchse zu fummeln, dafür hab ich das Kabel dieses Mal VORHER um den Heckkorb geführt, kein Teil beim Zusammenbau versenkt und auf dem Bildschirm wieder ganz viele gelbe Punkte. Da soll das auch so sein :-) Und als mein "Rotpünktchen" etwas zerknittert erwacht, fühlt sie sich schon vieeeeel besser und hat HUNGER!Der Einkaufsstress ist ihm hier deutlich anzusehen

Dienstag, 26.11.2013
Warten auf Zahnarzttermine ist nicht gut für Frauen. Bringt sie bloss auf komische Ideen. Die Sitzpolster im Salon könnten einen neuen "Schonbezug" gebrauchen! Also einen Bezug über dem Bezug! Weil - jetzt kommt`s - es ja Personen an Bord gibt, die sich immer wieder mit ihren dreckigen Hosen da rauf fläzen. Damit bin ich gemeint! Stimmt so natürlich gar nicht, weil Marion ja immer schon aufschreit, BEVOR ich drauf sitze. (Anmerkung: Da seht ihr mal, wie schwer er es hat! ;) Aber als verständnisvolles Männchen nicke ich die Notwendigkeit natürlich ab und wir ziehen los in die City. Alles rammelvoll, die venezolanische Durchschnittsfrau versucht auch gerade, ihre Bolivares in den Einkaufsstrassen durchzubringen, die Hälfte von ihnen in Stoffläden. Pilgern die Frauen also schwatzend an den Stoffballen vorbei, grabbeln alles mal an, Marion natürlich auch - ich immer hinterher. Der Stoff ist nicht "strapazierfähig" genug (geht logischerweise gegen mich, weil: nur Männer strapazieren Stoffe!), der fusselt, auf dem sieht man jeden Krümel ... nach dem zweiten Laden schlag ich vor, es bei einem Geschäft für LKW-Planen zu versuchen - gibt `n strafenden Blick! Im dritten Laden dann endlich das Passende: Weich auf der Haut, strapazierfähig und sogar die Farbe gefällt ihr. Daraus will sie die Bezüge nähen lassen. Jede Wette, dass ich mich dann trotzdem nicht mit meinen öligen Bastelhosen drauf setzen darf! Ach ja, ich hab auch noch was bekommen: fast hätte ich jetzt geschrieben vier neue Schlüpper! Ne, die sind aus `ner Underware-Boutique, die heissen da anders. Muss ich abends dann noch auf `ner Modenschau im kleinen Kreis (also Marion und Model René) vorführen. Fotos gibt`s aber nicht - wir waren auch noch essen und ich hab den Bauch nicht eingezogen :-)

 

Mittwoch, 27.11.2013
Ein Tag zum streichen! Jetzt nicht so mit Pinsel und Rolle - aus dem Kalender! Marion ist pappensatt! Die Zahnklinik meldet sich nicht, ihr Zahn ist immer noch vereitert, sie zieht sich jetzt an und fährt da hin!!! Ehe sie da irgendwem auf die Nase boxt, bitte ich Elke für uns noch mal dort anzurufen. Gleicher Stand. Sowie das Provisorum fertig ist, melden sie sich sofort! Hebt jetzt Marions Stimmung nicht unbedingt. Mich nervt die Warterei auch - aber ich kann nichts dafür! Irgendwann bin ich dann auch stinkig und rede nicht mehr mit ihr, sie ärgert sich, dass ich rumstinke ... streichen wir den Tag einfach!

Donnerstag, 28.11.2013
Früh um acht klopft Patrick an unserem Schiff, um die Rettungsinsel abzuholen. Patrick ist von der Werft nebenan und einer "der alles organisiert" und überall jemanden kennt. Liferaft Inspection steht auch auf seiner Visitenkarte und die Wartung für unserer Inselchen ist schon seit drei Jahren überfällig. Kriegt Elke natürlich mit, wie das Teil weggeschleppt wird und fragt, was wir denn bezahlen sollen. Etwa 400 Dollar. WAS????!! Sie kennt eine amerikanische Yacht hier in der Marina, die haben ihre Insel vorige Woche für ca. 80 Dollar warten lassen. Fällt mir ja fast die Kaffeetasse aus der Hand. Latsch ich also mit Hermann, ihrem Mann, zur Ami-Yacht. Keiner da. Ich trotzdem gleich zur Werft und greif mir Patrick. Sein Preis ist natürlich nur `ne Schätzung, die Wartungsfirma macht seriöse Preise und überhaupt, die Segler erzählen ja auch viel bullshit wenn der Tag lang ist. Da hat er zwar Recht, aber ich will die Insel trotzdem wiederhaben. Die ist logischerweise schon unterwegs. Wir einigen uns darauf, dass die Wartungsfirma ihm den Preis nennt und ich dann entscheide, ob Wartung oder nicht. Kann ich erstmal etwas beruhigter meinen Kaffee austrinken und versuche noch mal mein Glück bei der Ami-Yacht. Diesmal treffe ich Herold an. In der nächsten halben Stunde erfahre ich nicht nur seinen Lebenslauf, sondern bekomme auch die Wartungsrechnung seiner Rettungsinsel, nebst Zertifikat und genauer Wegbeschreibung zur Firma präsentiert. Als er auch noch Taxifahrer empfehlen will, verdrücke ich mich gekonnt - ich muss unbedingt zu Patrick. Von wegen bullshit! Ich habe das Zertifikat gesehen und die Rechnung (74 Dollar hat Herold bezahlt) - die Insel soll zurück! Patrick, leicht beleidigt am Telefonieren - natürlich ist gerade Mittag, geht keiner ans Telefon. Den Rest des Tages renn ich dann zwischen Mira und Werft hin und her, irgendwann weiss ich, dass es sich um die selbe Wartungsfirma handelt, die Rettungsinsel wurde inzwischen geöffnet, zwei Stunden später bekomme ich auch den Kostenvoranschlag. 8500 Bolivares, etwa 120 Euro. Soll sie wieder verschlossen werden? Nein, auf keinen Fall, natürlich sollt ihr die Wartung machen! Wie kommen die bloss darauf, dass sie die Insel wieder zurückschicken sollen :-) Watt`n stressiger Tag. Da weiss ich aber noch nicht, dass `ne halbe Stunde später, als wir vom Duschen zurück sind drei 60L-Kanister Diesel am Ponton vor unserem Boot stehen. Hatte Marion gestern bestellt! Sollten ja eigentlich schon früh kommen - jetzt wuchte ich die schweren Dinger im Dunkeln auf`s Boot, hantiere im Schein der Stirnlampe abwechselnd mit Schlauch, Trichter oder Kanistern, plansche mit Diesel auf Deck und Füssen rum, bekomme aber doch das Meiste in den Tank und bin heilfroh, als Marion endlich hinter mir die Spuren meines Wütens mit Wasserschlauch, Fit und Bürste beseitigt und ich wohlverdient mit Füssen hoch und Feierabendbier im Cockpit sitze. Duschen müsste ich eigentlich auch noch mal ...

Freitag, 29.11.2013
Ich will jetzt nicht behaupten, dass es die Lieblingsbeschäftigung der Venezolaner wäre, aber sie tun es andauernd und überall: Warten! Geduldig steh`n sie in ewig langen Schlangen vor einem Geschäft, das vielleicht gerade die Preise gesenkt hat, oder irgendein Sonderangebot hat, oder einfach auch nur, weil ein Lkw davor gerade irgendwas auslädt. Ich glaub ja, manchmal stell`n sie sich einfach nur an `ner Schlange mit an - weil, es könnte ja was Besonderes geben, um dann drei Strassenkreuzungen weiter vom Laden zu stehen und zu erfahren, was es denn gab. Da hat dann der Vordermann natürlich das letzte Stück vor der Nase weggekauft :-) Mach ich heute also auch mal. Warten. Nicht so typisch venezolanisch in `ner Schlange, ich sitze gemütlich in der benachbarten Marina an der Bar im Schatten. Ich warte auch für einen guten Zweck: Jeden Donnerstag kommt hier ein LKW und verkauft direkt von der Ladefläche Bierpaletten an die Segler. Gestern war er nicht da, muss er also heute kommen. Macht er aber nicht. Jedenfalls nicht bis halb zwölf. Dann hab ich keine Lust mehr. Wandere ich lieber zu meinem Lieblings-Bierverkäufer im Dorf und schachere mit dem ein bisschen rum. Der freut sich immer riesig wenn wir bei ihm auflaufen, um den Rucksack mit Flaschen vollzustopfen oder auch einfach nur wie die anderen Männer ein schnelles Bier vorm Laden nehmen. Seit er weiss, dass wir aus Deutschland sind, zählt er uns jedesmal freudestrahlend diverse Fussballgrössen aus Alemania auf und in welchem Club die spielen. Heute fiel ihm auch noch Angela Merkel ein. Da wusste er aber den Club nicht. Zehn Paletten Bier bestellt er gerne für mich, wir einigen uns auf einen Preis, der pro Palette 30 Bolivares unter dem vom LKW-Direktverkauf liegt und das Bier, das ich während der Verhandlungen geleert habe, schenkt er mir auch noch. Geht doch nichts über lokale Kontakte :-) Marion war inzwischen auch fleissig, hat ihre Stoffberge zur Näh-Mutti geschleppt zwecks Sitzbezüge, im Waschsalon `nen kleinen Wäscheberg abgekippt und im Chinesen-Mercado sechs Tetrapack Milch erbeutet. Gibt`s nicht so oft und dann meist nur ein oder zwei pro Person. Zieh ich also auch noch mal los, packe sechs Milch in den Rucksack, kaufe in der Ferreteria fünf 25L-Kanister, die ich demnächst noch mit Diesel füllen will . Und weil ich noch Platz iStrassenverkaufsstand in  Puerto La Cruz - Och, können wir die Püppi nicht mitnehmen? m Rucksack habe, besuche ich auch noch kurz Mauricio, meinen Lieblingsbierverkäufer :-)

Sonnabend, 30.11.2013
Wie vertreibt man sich am Wochenende am besten die Zeit? Genau, man geht shoppen! Fahren wir also in die Stadt und stürzen uns ins Getümmel, um Stunden später mit prall gefüllten Plastetüten stolz die Beute nach Hause zu schleppen. Wir waren gefühlt in ungefähr fünfhundert Geschäften und Kaufhäusern (die genaue Zahl weiss ich nicht, bin irgendwann beim Zählen durcheinander gekommen). Mir hätte auch ein Geschäft gereicht. Wir shoppen nämlich verschieden. Marion probiert in sechs verschiedenen Läden zwölf Kleider an, um sich dann für eins zu entscheiden. Wenn sie jetzt noch eins haben will, geht´s zu den nächsten sechs Geschäften ... Und dann kommen noch die Hosen, die Blusen ... :-) Ich sehe eine Hose - vorzugsweise an `ner Schaufensterpuppe vorm Laden - probiere die an und kauf dann davon drei Stück in der selben Grösse. Fertig!

Sonntag, 01.12.2013
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ... das hätten wir doch glatt verpennt, denn a) denkt man bei gefühlten 35°C im Schatten unter Palmen nicht unbedingt an Weihnachten und b) hält unser Jahreskalender (für teuer Geld in Französisch-Guayana erworben!!) es nicht für nötig, uns daran zu erinnern. Das machen stattdessen meine Eltern, die ich, dank einigermassen stabiler Verbindung, via Skype anrufen kann. Unsere Kinder sind gerade dort (natürlich ausgehungert und ganz zufällig pünktlich zum Mittagessen angekommen ;) und so wird daraus so ´ne Art kleines Familientreffen ... Ja, Vorweihnachtszeit eben. Werde mal den kleinen Tannenbaum aus den Tiefen des Schrankes hervor kramen, bisschen entstauben, zurechtbiegen (dabei an Ingrid und Fritz von der Pico denken, denn die beiden haben ihn uns vor zwei Jahren geschenkt - traurige, schöne Erinnerungen an Ingrid). Mein Capitano hämmert draussen im Cockpit auf den Laptop-Tasten rum, fleissig, fleissig! Ich hocke drin, auch am Computer, vor unserer monatlichen Zusammenstellung der Ausgaben, spüle nebenbei meinen vereiterten Zahn mit heissem Salzwasser (vielleicht hilft´s ja ;). Die Ausgaben könnten trotz Werft und diverser Reparaturen richtig gut aussehen, wenn da nicht auch noch die Jahresbeiträge der Boots-, Reisekranken- und Hausratversicherung abgebucht worden wären. Da tränen einem die Augen! Versicherungen kündigen? Wir kennen viele, die ohne unterwegs sind. Funktioniert auch. - Am besten, ich klappe den Rechner schnell zu, entfalte den kleinen Tannenbaum, zünde uns eine Kerze an und wir machen uns einen kuschligen Nachmittag. Ist ja schliesslich 1. Advent ;) ...Hm, Lebkuchen wären jetzt toll!!

Montag, 02.12.2013
Ich habe einen Plan für heute: ich geh und "mische den Zahnarzt auf"! Ne, so doof bin ich nicht. Wer schon in Südamerika war weiss, dass das eh keine Punkte bringt, man wird nett angegrinst, Schulterzucken und erreicht mal gar nichts. Mit der Adresse einer anderen Zahnärztin in der Hosentasche (Empfehlung von Andrea von der Sy Bruce) düse ich per Taxi quer durch die Stadt, erwische direkt jemanden in dieser Praxis und kann gleich mit der Doctora reden. So und so ist das Problem, ich bekomme sofort einen Termin für den Nachmittag. Na, das ist doch schon mal was!! Endlich geht´s dem Eiterbatzen an den Kragen!! Hab auch noch die Adresse einer Frauenärztin, soll irgendwo ganz in der Nähe sein. Ich frage den Nächstbesten, der berät sich mit noch jemanden, der Dritte weiss es dann: Da und da lang, ist aber weit, ich soll am Besten ein Taxi nehmen. Bueno. Weil ich weiss, dass kaum ein Venezolaner zu Fuss geht und "weit" nicht unbedingt weit meint, gehe ich mal los. Keine 5 Minuten, dann stehe ich vor so ´ner Art Poliklinik. Äusserst unübersichtlich das Ganze, jede Menge verschiedener Ärzte auf diversen Etagen. Erstaunlicherweise finde ich meine Doctora gleich, aber leider hat sie grad keine Zeit, morgen früh. Ich finde nach mehrmaligem Fragen auch wieder hinaus und mach mich auf, in die superschicke Zahnklinik, in der keiner Bock hat, zu arbeiten. Wär natürlich schneller da gewesen, wenn ich nicht erst in die falsche Richtung gelaufen wär, aber die Zeit holen die arg gestressten Damen dort zum Glück wieder raus, als sie gerade mal fast zwei Stunden brauchen, um meine Röntgenbilder und das Zahnprovisorum in den endlosen Weiten der Edelklinik zusammenzutragen. Dafür ist meine neue Doctora fürchterlich nett, macht lieber doch noch eigene Aufnahmen, erklärt mir ausführlich was es da zu sehen gibt und schafft es sogar, die Krone, unter der die Entzündung sitzt, heil abzubekommen. Die können wir dann hinterher teilweise wieder verwenden, meint sie. Mittwoch soll ich wieder kommen, Freitag noch mal, nächsten Montag ... hurra! Endlich ist die nervige Warterei vorbei :) -- Ist das nicht schön, dass unsere Capitana wieder so gut drauf ist? Hätte sie vorige Woche wohl doch nicht davon abhalten sollen, die Klinik aufzumischen. Hab ich heute natürlich gleich ausgenutzt, als sie weg war, mir Geldbündel in die Hosentasche gestopft und bin auch losgezogen. Habe nämlich erfahren, dass der grosse Bootsladen ausserhalb der Stadt seit Ende voriger Woche wieder auf hat. Ellenlange Schlangen davor, genau das Richtige für`n Montag. Ich weiss sogar, wie man da hinkommt: erst mit ´m Taxi in die Stadt, dann in einen Bus steigen wo "Intercomunales" dran steht, ganz weit fahren und wenn man den Bootsladen sieht, aussteigen. Ganz einfach. Muss man natürlich auf der richtigen Strassenseite gucken, klappt sonst nicht. Ich guck auf der Falschen! Fällt mir aber irgendwann auch auf. Ist aber nicht so schlimm, wandere ich eben zurück. Ist ja gesund. Vor allem an `ner stark befahrenen Schnellstrasse mit den Taschen voller Geld. Dafür entdecke ich schon `ne halbe Stunde später eine Yamaha-Werkstatt mit geöffnetem Tor. Die haben sogar den Motor, nach dem wir seit zwei Wochen rumrennen, fahren, fragen, telefonieren ... SUPI! Ist nicht mal für uns - Freunde aus Curacao haben gehört, dass es die Dinger hier so billig gibt, ob wir nicht mal schauen könnten ... ? Claro, machen wir doch! Ich entdecke auch zwei Werkzeugläden, die geschlossen haben (Kilometer 12) und einen Baumarkt mit fast leeren Regalen, wo ich immerhin noch 90m Kabel erbeute. Das war bei Kilometer 27. Was ich nicht finde, sind die netten kleinen Strassenimbisse, die es sonst überall gibt. Ich hab nämlich Hunger! Dafür einen Fresstempel bei Kilometer 217. Steht McDonalds dran. Versuch ich`s eben da. Da kriegt man so pappige Dinger in die Hand gedrückt, mit was in der Mitte. Das nennen sie Fleisch. Ist aber keins, war vermutlich auch nie welches. Ich kenne mich da aus. Und das Grünzeug, das einem beim Essen sowieso bloss rausrutscht, hätten sie auch weglassen können. Immerhin bin ich aber satt, als ich dann bei Kilometer 417 endlich vorm "Auto Boot Center" stehe. Alleine, ist nämlich zu!!!!! Mit `nem Zettel dran: Wegen Systemproblemen geschlossen! Die schrecken auch vor keiner Ausrede zurück, um einsame Wanderer fertig zu machen! Schaffen sie bei mir aber nicht, ich habe ja schon Kabel gekriegt. Aber als ich dann in einemBuenas noches! riesigen Einkaufscenter begeistert vor der Werkzeugabteilung stehe und aus dem Augenwinkel die Schlange an den Kassen, dreimal durch den ganzen Markt gewickelt sehe, reicht`s für heute. Den lass ich mir für nächsten Montag!

Dienstag, 03.12.2013
"En revolucion contra la especulación!" Genau, steh ich voll dahinter! Aber warum müssen die ihre Revolution nun ausgerechnet in dem Laden machen, der mir als bester Werkzeugladen von Puerto La Cruz empfohlen wurde?! Ich hätte den "Wucherpreis" von umgerechnet 70 Euronen für `ne Bohrmaschine mit zwei Lithium-Ionen-Schnellladeakkus ja gerne bezahlt! El Presidente hat ja keine Ahnung, was die Dinger in Europa kosten! Jetzt liegt das begehrte Stück hinter runtergelassenem Gitter im Schaufenster und ich komm nicht ran! Dafür klebt `n Zettel an der Scheibe, auf dem die Revolutionäre mitteilen, dass der Laden seinen Krempel viel zu teuer verhökert und deshalb erstmal geschlossen wurde. Hätte doch gereicht, wenn ihnen das nächste Woche eingefallen wäre! Ist dann auch gleich meine erste Frage beim Yamaha-Händler, wann sie ihnen denn die Bude dicht machen? Nicht, dass wir 1000 Euro aus Deutschland transferieren und ich in einer Woche vorm vergitterten Tor stehe, mit zwei Reisetaschen voller Bolivares! Gut, dafür könnten wir uns 800 Kilo Fleisch (natürlich Filet) oder 280 Bierpaletten kaufen, aber wie schleppen wir das alles ausser Landes? Und schaff ich überhaupt 800 Kilo?! Da wird Marion mitessen müssen ... Carolina aus dem Office zerstreut meine Bedenken, bei ihnen war die neue Kommission schon und ausserdem gelten die fetten Aussenbordmotoren hier nicht als Luxusgut für reiche Yachties, sonder als Arbeitsgerät. Für die Fischer. Deswegen wird auf die Teile auch keine Mehrwertsteuer erhoben. Wollte ich sowieso nicht bezahlen - Yacht in Transit! Schau ich mir das gute Stück also an und bin heilfroh, dass Marion nicht dabei ist. Wenn die den Monsterkarton sieht, den wir jetzt nach Curacao kutschieren müssen ... Im Karton alles so, wie`s sein soll - wir machen den Kaufvertrag, ich zahle 5000 Bolivares an und jetzt hoffen wir mal, dass die Revolutionäre diese Woche in irgendeinem anderen Stadtteil beschäftigt sind :-)

Mittwoch, 04.12.2013
Marion steht vorm Kleiderschrank und überlegt, was sie anziehen soll. Zahnarzttermin! Erst wartet sie drei Wochen darauf und jetzt hat sie so viele, dass sie damit handeln könnte. Montag, gestern, heute, Freitag schon wieder ... Auch nicht schlecht, kann ich noch mal zur "Intercomunales" fahren. Hatte ich doch gestern auf der Rückfahrt gesehen, dass der Bootsladen wieder auf hatte. Bin ich fast `ne Stunde für unterwegs, Gitter sind oben - freu! Als ich drin bin frag ich mich allerdings, wozu? Der Laden ist wie ausgebombt! Meterlange LEERE Regale, vereinzelt baumeln noch die Zettel mit 30, 50 oder 70% descuento,  aber die ganzen schönen Dinge, die da mal drunter lagen, haben die anderen Schnäppchenjäger schon längst raus geschleppt. Für mich haben sie noch Leinen übrig gelassen. Kauf ich gleich 30m. Vielleicht gibt´s die morgen auch nicht mehr :-) Fahr ich eben zurück in die Stadt und tröste mich mit Fleischkauf auf dem Mercado. Ist schliesslich Mittwoch. 800g - ich bin richtig stolz, dass ich so tapfer NO sage, als der Fleischer mir so`n leckeres Riesenteil hinhält. Dann noch Grünzeug zwecks Salat - beim Petersilienkauf schliess ich `ne neue Freundschaft: Die Drei sind für den "Senor" unterwegs, erklären sie mir, für Jesus. Toll! Wofür braucht der denn das ganze Gemüse in euern Plastetüten? Das ist für ihre Brüder. Wenig später gehöre ich auch zur Bruderschaft: "Hermano René"! Das klingt doch! Sie hätten auch gerne eine deutsche Bibel, hab ich natürlich grad nicht dabei. Das tut unserer jungen Freundschaft selbstverständlich keinen Abbruch und sie beten jetzt immer fleissig für ihren neuen Bruder, also mich. Cool, das wird Marion freuen - sie ist ja immer der Meinung, dass ich zu Unfällen neige und da ist es nicht schlecht, wenn jetzt der "Jefe da oben" persönlich ein Auge auf mich hat. Bei den anderen Gemüsemuttis ging`s dann aber schneller :-) Marion hat keine neuen Schwestern getroffen. Nur die Zahnärztin, aber die kannte sie ja schon. War wohl auch nicht so unterhaltsam bei ihr. Fast zwei Stunden mit Bohrer, Spritzen und was weis ich im Mund, so genau verstehe ich sie nicht, sie nuschelt so komisch. Sieht so aus, als müsste ich heute alleine zum Grillabend. Da werde ich wohl morgen Kopfschmerzen haben, wenn ich die 800g ganz alleine runterschlingen muss :-)

Donnerstag, 05.12.2013
Hat mich die nuschelnde Frau gestern tatsächlich alleine zum BBQ geschickt! So wie bei Rotkäppchen, mit gepacktem Korb, Salatschüssel drin, Fleisch, Teller, Gäbelchen, Becherchen ... hat sogar zwei Bier reingelegt (ich hab noch `ne Flasche Wein mit reingeschmuggelt :-) Hab meine 800g dann doch nicht ganz geschafft. Lag aber nicht an mir. Juanito hat Schuld, der Argentinier, der neben mir am Grill seine Fleischberge gedreht und mir davon immer Stücke zum Probieren abgeschnitten hat. LECKER! Als ich dann irgendwann zurück kam, haben wir die Rollen getauscht - Marion hat nicht mehr genuschelt ... Heute ist Bürotag. Marion sitzt im Salon vorm Computer und Drucker und macht irgendwas. Bestimmt was Sinnvolles! Ich sitze im Cockpit, auch vorm Computer und mach auch irgendwas. Ich telefoniere, stöbere im Internet und such mir ganz viele tolle Sachen raus: Wir kriegen nämlich Besuch. In sechs Wochen. Und weil ich den beiden eingeredet habe, dass sie hier nichts weiter brauchen als `ne Badehose und Bikini, versuche ich jetzt, den restlichen Platz in ihren Rucksäcken vollzukriegen. Mal gucken was es bei MediaMarkt so neues gibt ...

 

Freitag, 06.12.2013
Grad hab ich´sVielleicht doch n bisschen gross? mir im Cockpit gemütlich gemacht um darüber nachzusinnen, woran ich heute so rumbasteln könnte (hab schliesslich sturmfrei - Marion hat wieder `n Date mit der Zahnärztin), da bremst sie mich auch schon aus: Denk dran, dass du dich noch um DEINEN Aussenborder kümmern musst! Ach ja, zuckel ich also erstmal zu Keigla, ob das Geld aus Deutschland schon da ist. Ist es! Sie macht auch gleich die Überweisung für die Yamaha-Bude fertig, natürlich nicht, ohne da vorher noch mal anzurufen (könnte ja doch sein, dass die Revolutionäre dort gerade auf`m Hof stehen). So, Geld ist jetzt bei denen auf dem Konto, sieh zu, dass du den Motor heute noch abholst, gibt Keigla mir mit auf den Weg. Gute Idee! Mach ich mich also gleich nach dem Mittag auf, Taxi, Bus, die Stadt ist rammelvoll - halb drei bin ich endlich da. Tor zu! Wie jetzt???!!! Dann springt aber zum Glück irgendein Schlosser auf`m Hof rum, der mir erklärt, dass alle anderen irgendwo im Stau stecken und gleich kommen. Das ist dann `ne halbe Stunde später! Glücklich schwenke ich Keiglas Computerausdruck von der Überweisung, der nützt mir aber auch nicht viel, ihr Bürocomputer ist platt. Der Techniker ist schon da, tröstet mich Carolina. Warte ich also noch `ne Stunde. Abwechselnd im Office (zu kalt), oder draussen (zu warm)! Ob ich nicht am Montag wiederkommen könnte? Könnte ich, will ich aber nicht - ich will den Motor jetzt! Versteht sie natürlich und wir einigen uns darauf, dassDas muss doch da irgendwie reingehen ... ich den Motor heute mitnehme (ohne dass sie kontrollieren kann, ob das Geld tatsächlich auf ihrem Konto ist!!!!) und ich Montag noch mal komme, um den Papierkran zu erledigen. GRINS! Der Rest ist dann fast ein Kinderspiel: Auto organisieren, Monsterkarton dort rein wuchten, durch den Stau zur Marina fahren, das Ding auf `ner Karre da quer durch zotteln, ´ner Menge neidisch guckender Yachties stolz erzählen wieviel PS der hat, was er kostete (um natürlich jedesmal schadenfroh drauf hinzuweisen, dass es der Letzte war) und schweissgebadet vor unserem Boot abstellen. Genau da taucht natürlich Marion von ihrem Zahnarztdate auf. WO SOLL DER DENN BITTE HIN??!!! Weiss nicht, mal sehen, wo er hinpasst. Erstmal schon nicht durch die Tür! Ziehen wir das Teil also aus, schleppen die Styroporteile einzeln aufs Bett der Achterkabine, Motor und Zubehör hinterher, packen da alles wieder zusammen und jetzt wohnt er eben da. Hat natürlich viel länger gedauert. Marion fegt dann noch 2kg Styropor aus dem Schiff, aber da sitze ich schon gemütlich mit dem Feierabendbier im Cockpit. Lustig, wie die kleinen Kügelchen immer wieder von der Schippe hüpfen :-) Jetzt haben wir uns aber ein lecker Abendbrot verdient, wir gehen Pizza essen! Schnell das Duschzeug in den Rucksack schmeissen, dann können wir auf dem Rückweg gleich unter die Dusche springen. So richtig weit kommen wir aber nicht, paar Boote weiter lauern uns Corinne und Phillippe auf. Pizza essen? Das wollen sie auch! Bei Franzosen geht das aber nicht soooo schnell mit dem Aufbruch, umziehen, `n Aperitif muss auch noch sein (dabei wir haben schon soooo`n Hunger). Der Pizza-Mann übertrifft sich mal wieder selber, Bier gibt`s heute aus Plastebechern (wegen der Wahl darf von Freitag Abend bis Sonntag kein Alkohol verkauft werden), alles supi, bis auf den Heimweg: Zack, plötzlich hab ich ein Messer am Hals - keine Ahnung, woher die Jungs mit mal kamen. Sie wollen meinen Rucksack. Na gut, wenn`s weiter nichts ist. Phillippe hat Pech, er hat keinen Rucksack, bei ihm wollen sie Geld. Dann sind die Bengels weg, genauso schnell, wie sie gekommen sind. Dilettanten! Dabei hatte ich die Hosentaschen voller Bolivares. Nachteil ist, jetzt können wir nicht mehr duschen. Die haben ja unsere Handtücher uRuhisch! ´schlesgrad!nd das Shampoo!

Sonnabend, 07.12.2013
Marion will heut nicht shoppen. Sie hat grad `n Buch angefangen und das ist spannend. Passt perfekt, ich hab nämlich auch grad `ne neue Basteleingebung: Bei meinem alten Netbook ist die Festplatte platt, ich hab keine Lust `ne neue zu kaufen, liegt das Ding also nutzlos rum. Könnte man ja ein Betriebssystem auf eine SD-Card packen und das Teil damit wieder zum Leben erwecken. Funktioniert mit Windows 7 oder 8, hab ich aber nicht. Bleibt Linux (hab ich keine Ahnung von und es gibt bestimmt tausend verschiedene Versionen). Beschäftige ich mich also mal damit. Den ganzen Tag lang. Haben ja Internet. Ich stöbere in diversen Foren, recherchiere, downloade, probiere, ... Sogar noch nach dem Abendbrot. Da sind nämlich die ersten Downloads fertig. Dauert hier etwas länger, denn unser Internet ist halt seeeehr langsam. Südamerikanisch eben :-)

Sonntag, 08.12.2013
Ich hab schon ganz eckige Augen, findet Marion. Weil ich schon den zweiten Tag ununterbrochen auf den Computerbildschirm starre. Aber ich weiss jetzt auch schon viel mehr über Linux. Zum Beispiel, dass das eigentlich nix für mich ist. Ich probiere aber trotzdem immer neue Versionen, jetzt purzeln die fertigen Downloads nur so rein. Immerhin erwacht das Netbook schon mal zu neuem Leben. Aber die eine Version hat keinen WLan-Treiber, die nächste `ne Sch... Bildschirmauflösung, dann ist die Bedienoberfläche blöd, ... ich versuche Marion über meine Fortschritte auf dem Laufenden zu halten. Hat sich schliesslich gestern beschwert, dass ich den ganzen Tag nicht ansprechbar bin. Meine Kommunikationsversuche werden allerdings mit einem hochgehaltenen Lesezeichen  abgeschmettert: “Ruhisch! `schlesgrad”

Montag, 09.12.2013
Aussenborder die ???-te! Elke hat für mich in Yamaha-Bude angerufen (Computer funktionieren wieder), muss ich also noch mal hin zwecks Rechnung. Marion will diesmal mit, angeblich ist es ihr zu langweilig alleine auf dem Boot. Ich glaub ja, sie will bloss gucken, ob`s in der Gegend Kleiderläden gibt, die sie noch nicht kennt :-) Gibt es! Macht ein neues Kleid und zwei Leggins! Kann man gut unterm Kleid tragen, wenn`s mal kalt ist. Leuchtet natürlich ein - schulterfreies Kleid, aber lange Hosen drunter :-) Ich krieg auch was, ein neues T-Shirt. Will ich zwar nicht haben (hab schliesslich schon eins) aber sie kauft es trotzdem. Jetzt kann sie nämlich sagen WIR haben uns neue Klamotten gekauft. Zwischendurch waren wir aber auch bei Yamaha. Ich bekomme meine Rechnung und frag gleich nach dem nächsten Motor. Ist wieder nicht für uns, für unsere namibischen Freunde. Der (billige) Aussenborderkauf hat sich in den Marinas rumgesprochen! Carolina druckst so`n bisschen rum - Für einen guten Freund? Si! Wirklich? Siiii! - na gut, einen hat sie noch. Ich sollte einen Handel mit den Dingern aufziehen. Mittlerweile haben wir erfahren, dass einige Segler die Teile hier billig kaufen und auf Curacao oder anderen Karibikinseln mit `n paar hundert Dollar Aufpreis weiter verhökern. Da kosten sie mehr als das Doppelte! Wenn ich so überlege, wieviele Tage ich nach dem Teil rumgerannt, mit Bus oder Taxi unterwegs war, muss ich ehrlich sagen: Die Dollars haben sie sich auch verdient! Und jetzt noch ein schönes Beispiel, wie vorausschauend Marion doch ist: Haben wir uns, nachdem wir uns den ganzen Tag die Hacken abgelatscht sind, in der Stadt noch in ein nettes kleines Restaurant gehockt - Hunger! Schön grosser Teller, ordentlich Fleisch drauf, dazu Salat, Pasta, `n Bierchen - stellt die nette Kellnerin auch noch die Flasche mit der leckeren Sosse und viel Knoblauch drin, dazu. Wir lieben das Zeug! Greif ich also gleich zur Flasche, drück drauf, kommt ein Tröpfchen raus. Nochmal drücken, wieder ein Tröpfchen. Bisschen döller drücken - PLOCK!!!, fliegt der Deckel ab! Flasche war natürlich voll - Teller schwimmt, Tisch voller Sosse, Marions Bluse, mein T-Shirt, die Kneipe muss im Umkreis von 5m renoviert werden! Die Flecken krieg ich doch nie wieder raus, stöhnt Marion. Köpfe statt Posi-Lichter, warum nicht? Ob die auch leuchten, haben wir noch nicht rausgekriegtDas muss sie geahnt haben! Deshalb hatte sie mir auch das neue T-Shirt gekauft :-)

Dienstag, 10.12.2013
Ich weiss, ich schreib jeden Tag das Gleiche: Ich war schon wieder in der Yamaha-Bude! Kann ich nichts für, ist einfach so. Heute wieder, mit Jaco und Christelle. Die beiden waren so happy, dass ich noch einen Motor für sie aufgetrieben habe, am liebsten wären sie gleich frühs um sieben losgefahren. Die machen immer Verabredungen zu so komische Zeiten, ich glaub sie haben Schlafstörungen :-) Haben uns dann auf um neun geeinigt. Mit Taxi und Bus zu Carolina, Karton aufreissen, das begehrte Stück schon mal streicheln - jetzt müssen sie nur noch das Geld überweisen, dann können sie ihn sogar mitnehmen. Ich bin dann noch `n bisschen weiter, paar Geschäfte plündern - spezielle Sonnenschutzgaze kaufen, passende Druckknöpfe - wir haben ein neues Bastelprojekt, wir wollen den Decksalonfenstern endlich `n schicken Sonnenschutz verpassen. Aus der selben Gaze hatten wir uns in Trinidad ja schon Seitenteile für`s Bimini anfertigen lassen (sind wir ganz begeistert von). Und gestern haben wir die hier auch entdeckt. Haben wir natürlich gleich alles aufgekauft, 7m waren noch auf der Rolle. Das heisst, wir haben versucht alles zu kaufen - an der Kasse hab ich verzweifelt in allen Hosentaschen gekramt, Geld reicht nicht! Musste ich also heute noch mal her. Marion war auch unterwegs. Beim Zahnarzt. Ging aber schnell heute. Mund auf, reingucken, Entzündung noch nicht weg, Mund wieder zu - fertig. Sch...!

Mittwoch, 11.12.2013
Marion ist sauer. Auf mich! "So wie du schreibst, denken alle, ich bin `ne totale Shopping-Tussi!!!" Marion ist keine Tussi! Und eigentlich hasst sie shoppen. Sie macht das auch nicht freiwillig, ich hab sie gezwungen. Wenn wir so durch die Läden schlendern und da hängt zum Beispiel `ne coole Trekkinghose rum, sag ich: Kauf das Ding. Besser gleich zwei! Bei der nächsten Rucksacktour ist so `ne Hose eh nach einem Monat platt. Bei mir geht das natürlich schneller. Und eh wir so`n Teil für 25 Euro oder mehr nachkaufen ist es doch besser, sie hier für 2,50 Euro das Stück einzusacken. Macht sie dann auch. Unter Zwang, wie gesagt. Für`n Kleid fällt mir jetzt grad kein Beispiel ein :-)

 

Mittwoch, 18.12.2013
Pscht, leise! Mein Capitano ist krank. Gestern schon ein hustender, niesender "Hatschibum", kröchend und stöhnend. "Ist das arschkalt heute!", dabei wühlt er
sich ´nen langärmligen Pullover nebst langer Hose aus dem Schrank. Na ja, sind auch nur 32°C unter Deck. Ich muss halb zehn los zum Zahnarzt, komme erst 17 Uhr zurück (WIRKLICH NUR ZAHNARZT UND HIN- UND RÜCKWEG!!), bin pappensatt (muss am Donnerstag noch mal hin, das letzte Mal)! Er sitzt vorm Computer (wo sonst ;) und sieht immer noch besch... aus. Die Tabletten aus der Bordapotheke haben Auflösungserscheinungen - weg damit! Fieber messen - jawoll, auch daTMO-BBQ mit Christelle und Jaco  . "Hast du dich heut mal hingelegt?" "Nö." Ab ins Bett!! Hab heut früh noch mal in der Bordapotheke gewühlt, o.k. ist noch was Passendes da. Fieber messen, Honigtee ans Bett, essen mag er nicht, dirigiere ihn auf meine Betthälfte, wuchte seine Matratze raus in den Wind (ganz nass geschwitzt, der arme Kerl). Nun schläft er und ich bemühe mich, im Cockpit unsere Wäsche möglichst leise zu waschen. Hoffe nur, dass ich nicht auch noch die "Pest" kriege. - In der letzten Woche ist nicht gerade viel passiert. Sind Michael dem Planenmacher hinterhergelaufen, der uns Abdeckungen für die Salonfenster nähen soll (unterwegs heizt sich das Boot einfach zu sehr auf), hab 4kg Fleisch eingeweckt (Sch...-Schnellkochtopf funktionierte nicht, Käpt´n hat ihn aber bezwungen ;), diverse kleinere Einkäufe (alles einzeln im Rucksack und Hackenporsche ranbuckeln), haben Milch erbeutet (!!!), Schampoo und Duschbad, aber kein Klopapier, erwerben ein 1,70m-Brett und wandern mit dem Ding unterm Arm bis zur Marina (soll ´ne Befestigung für 5 weitere Diesel-Kanister an Deck werden), dazwischen immer mal n Zahnarzttermin in der, auf gefühlt 10°C runtergekühlten Praxis, Sonnabend Grillabend in der TMO-Marina mit Christelle und Jaco, Andrea und Richard, Corinne und Phillipe (echt lustig, dieses Mal ohne Rum, wenig Kopfaua ;), Käpt´ns Computer im Dauerlauf wg irgendwelcher downloads, die er für irgendwelche Basteleien braucht (stundenlang, tagelang ;), ... und gestern noch ein "highlight": ölige Spur in den Bilgen achtern! Das hat richtig Spass gemacht, weil ja das Weihnachtsgeschenk für Arnim und Barbara hinten auf dem Bett wohnt (gerade so reingepresst!). Und unterm Bett müssen wir halt nach der Herkunft der Spur suchen ... Schönes Ding, Herr Fink!! Nach langem Rumgewürge hat sich dann die Fettpresse als der Übeltäter entpuppt (Verpackung kaputt). Wenigstens kein Problem mit der Hydrauliksteuerung! Das hätte echt noch gefehlt... Mit letzter Kraft bringt mein Capitano dann noch im tosenden Wind die Abdeckung der Salonfenster auf der Steuerbordseite an, die andere ist auch endlich da, aber ... manana ... und sackt vor seinem Computer in die Polster...

Donnerstag, 19.12.2013
Da bin ich ihm grad noch mal so von der Schippe gesprungen, dem Gevatter ... Todsterbenskrank hab ich drei Tage lang, niesend und hustend die Polster vollgeschweisst. SCHNUPFEN!!!, die fürchterlichste aller Männerkrankheiten hatte mich niedergestreckt. Nicht mal `ne Zigarette hat geschmeckt! Dicker Kopf, dicker Hals, dicke Nase und bei 32°C in Vollkombi frieren. Hab`s aber überlebt. Marion meint zwar, ich soll mich wieder in die Koje hauen, die Decke über die Nase ziehen und brav weiter schwitzen, wenn sie heute zu ihrem (ENDLICH!!!) letzten Zahnarztdate loszieht - geht aber nicht. Muss die Chance doch nutzen, um noch ein paar Paletten Dosenbier vor unserer Abfahrt aufzutreiben. Rennen wir schon seit zwei Wochen nach rum - Bierflaschen werden einem überall hinterher geschmissen, aber mit mal hat keiner mehr Dosen. Ab Januar wieder! Solange will ich aber nicht warten, wir wollen Weihnachten los segeln! Letzte Hoffnung, das Wohngebiet der Schönen und Reichen auf der anderen Kanalseite. Fahr ich also mit dem Schlauchboot rüber und besuch die Mutti in ihrem Laden, die mich schon bei unserer Ankunft so liebevoll zugeschwatzt hat. Macht sie heute auch wieder. Stört mich aber nicht, vorm Laden steht nämlich der Getränke-LKW und die Jungs laden fleissig DOSENBIER ab. Ich brauch 15 Paletten davon, kräh ich gleich mal los, bevor die ihrWie man sieht, es geht ihm wieder bessere Plane wieder runterzotteln. WIEVIELLLL???!!!, hätte Marion jetzt gefragt (kann sie aber nicht, sie hat ja keine Ahnung und friert mit offenem Mund bei ihrer Zahnärztin :-) Die Ladenmutti freut sich dagegen, lässt 15 Paletten mehr abladen und wir einigen uns sogar über den Preis. Ich muss dann aber zweimal fahren, nicht weil die Paletten nicht ins Schlauchboot gepasst hätten, ich hatte nicht genügend Geld mit. Auf der Seite der Reichen ist eben alles ein bisschen teurer - trotz Descuento für arme Segler aus Alemania. Als die Dosen dann alle so im Cockpit stehen, sieht das doch ganz schön viel aus. Weiss gar nicht, wo die alle “wohnen” sollen? Na ja, so lange bleiben sie ja meist nicht bei uns :-) Jetzt kommen bestimmt wieder die nächsten Mails: Mensch, ihr seit ja die ganze Zeit nur am Biertrinken!!! Stimmt gar nicht, zwischendurch schlafen wir auch mal :-) Manno, das ist hier LIGHT-BIER, das hat ganze 3,2% alc. Und wer hier jemals `ne Flasche Fruchtsaft gekauft hat wird verstehen, dass man das Zeug nicht den ganzen Tag über trinken kann. Keine Ahnung, wie der hergestellt wird, aber ich tippe mal: 1kg Zucker in `ne Flasche schütten, kleine Frucht dazu werfen, mit Wasser auffüllen und ordentlich schütteln. Mit Wasser verdünnt, geht`s meist! Ich bin dann noch mal los mit dem Schlauchboot, zur Tankstelle, die beiden Benzinkanister füllen. Ist für Ausländer eigentlich nicht erlaubt, erklärt mir der Tankwart auch sofort, aber ich grinse ihn schön blöd an, versteh einfach nichts und halte freudestrahlend meine Kanister hoch. Klappt, er gibt auf, reicht mir den Schlauch runter und ich ihm hinterher 20 Bolivares hoch. Knapp 30 Cent für 40 Liter! Gut, für 20 Bolivares hätte ich auch zwei Bier bei Mauricio trinken können, oder zwei Perros Caliente (“Heisser Hund” heisst hier der Hot Dog) bei der Mutti am Strassenimbiss vor seinem Laden essen, oder `ne Familienpackung Colgate- Zahncreme kaufen, ... ach ne, die haben sie ja auf 16 Bolivares runtergesetzt (haben wir jetzt einen Jahresvorrat von). Von Duschbad auch und von Shampoo, Deo-Rollern, Spray,... Keine Ahnung, wie Marion das alles in die Badschränke gestopft hat. Eigentlich weiss ich gar nicht, warum wir bei diesen touristenfreundlichen Preisen überhaupt woanders hin segeln wollen? Ach ja, wir kriegen Besuch in Curacao. Genau! Und deswegen habe ich auch soviel Bier gekauft. Wenn die beiden dann hier in der Karibiksonne so vor sich hin schwitzen, haben sie bestimmt auch mal DURSCHT!!!

 

Freitag, 20.12.2013
Wir sind jetzt ein Lazarettschiff. Marion hustet und schnoddert nun auch vor sich hin. Hat sie von mir! Sagt sie! Glaub ich aber nicht, ich denke eher, ich hab mir die Seuche bei ihr geholt - bei ihr hat`s nur länger gedauert bis sie ausgebrochen ist.  Eigentlich müsste sie heute noch mal zu ihrer Zahnärztin, nicht, weil schon wieder ein Zahn wackelt, ihrer Ärztin ist gestern bei der Behandlung eingefallen, dass es plötzlich 2000 Bolivares mehr kostet. Schliesslich steht Weihnachten vor der Tür, da braucht jeder noch `n bisschen Geld. Mach ich natürlich sofort auf liebevollen Ehemann: "Du bleibst hier und pflegst dich, ich werde diesem raffgierigen Weib ihre Taler bringen!" Stopf ich mir also reichlich Taschentücher in die Hose und quetsch mich in die öffentlichen Verkehrsmittel, um die Grippebakterien schön gleichmässig über Puerto La Cruz zu verteilen. Die Zahnärztin lauert schon hinter der Tür, ich drück ihr das Geldbündel in die Hand und bekomme dafür ein fast genauso dickes Bündel Rechnungen. Bestimmt schliesst sie jetzt gleich ihre Praxis und zieht los, Weihnachtsgeschenke kaufen. Ich will auch noch `n bisschen shoppen. Marion hat zwar eine riesige Arzneikiste, sogar mit computergestützer Datenbank, aber wahrscheinlich ist da nur Zeug für ihre Krankheiten drin oder sie rückt mit Absicht nichts raus wenn ich mit dicker Nase und Taschentuch in der Hand auf mein Ende warte - jedenfalls kauf ich mir jetzt meine eigene Medizin. Und gegen Grippe hilft bestimmt Paracetamol. Ich also in die nächste Farmacia. Ich brauch Paracetamol! Kein irritiertes Gucken, hab ich das also zumindest schon mal richtig ausgesprochen. Aber so`n richtiger Apotheker muss natürlich noch `n bisschen klugscheissen: 500, 750 oder 1000 mg? Ich dachte so an eine Schachtel mit Tabletten drin!? Es geht um die Dosierung. Was man alles beachten muss - ganz diplomatisch entscheide ich mich für 750mg. Und wenn ich schon mal hier bin, brauch ich auch noch Nasentropfen. Gibt`s natürlich auch verschiedene. Diesmal nehme ich die mit der buntesten Verpackung. Ist aber nur so`n kurzes "warmshoppen", eigentlich will ich die mir bekannten Marlboro-Verkaufsstellen in der Stadt plündern. Ich weiss, ich hab Marion versprochen, mit dem Rauchen wieder aufzuhören - aber eben noch nicht sofort. Demnächst, irgendwann, ... Und bis dahin will ich mich noch zu den hiesigen raucherfreundlichen Preisen bevorraten. Gar nicht so einfach, genauso wie beim Dosenbier gibt`s gerade nirgendwo Marlboro. Mal krieg ich fünf Schachteln, der nächste hat noch elf, einmal erwische ich sogar zwei Stangen. Kann man sich echt den halben Tag mit beschäftigen. Und als ich zurück auf dem Boot ganz stolz meine Beute hochhalte, werde ich noch nicht mal gelobt. DAS IST GENAU DAS RICHTIGE BEI DEINEM HUSTEN! Als wenn sie weniger husten würde. Ach ja, Paracetamol ist auch nicht gegen Grippe, das ist gegen Fieber. Ich nehm trotzdem erstmal eine, kann ja nicht schaden ... Vor allem, wenn man in einem tiefgekühlten Taxi zu einem genauso runtergekühlten Office (2,5qm gross, teilweise 10 Personen drin) schaukelt, um den, in vorweihnachtlicher Stimmung schwelgenden Beamten, noch schnell seinen Pass hinzuhalten. Wir brauchen einen Ausreisestempel! Mit zusammengeknülltem Taschentuch in der Hand und den Hustenreiz unterdrückend, warten wir geduldig bis alle Papiere durchgeblättert sind. Diesmal ist alles richtig - KLATSCH, kriegen wir unsere Stempel. Ausreisedatum Sonntag!

Sonnabend, 21.12.2013
Jetzt, wo wir ausreisen müssen, kommt doch so`n bisschen Hektik auf. Ist ja ganz schön, dass du genügend Bierdosen und Zigaretten gekauft hast, aber vielleicht brauchen wir doch noch das Eine oder Andere, gibt Marion zu bedenken. Wäre ja vielleicht nicht schlecht auch `n bisschen was zu Essen einzukaufen, liefert sie auch gleich die Auflösung dazu. Super Idee! Fahren wir also zum "Unicasa", dem bevorzugten Supermarkt, der iHeut mal kein Bier ... n der Marina "dauerwohnenden" Segler. Eine riesige Shopping-Mall mit Springbrunnen, Palmen, Wasserliegeplätzen, dutzenden Restaurants und Bars, Boutiquen wohin man tritt und eben besagtem Supermarkt. Genau da schieben wir unseren Einkaufswagen durch die Regalreihen. Die haben sogar Dosenbier! Darf ich aber nicht in den Wagen werfen. Dafür wandern Nudeln und Spaghetti, Öl, Kartoffelpüree, Käse, Leberwurst, Dosenbutter, Hustenbonbons und ähnliches Zeug rein. Kriegt man so`n grossen Wagen auch mit voll. Marion findet sogar noch Platz für ein Fläschchen Eierlikör. Was sie daraus wohl kochen will? An der Kasse wird dann alles in Unmengen von Plastetüten gestopft und der Plastetütenvollstopfboy fährt einem die ganze Fuhre auf den Parkplatz. Nützt einem natürlich nichts, wenn man da kein Auto zu stehen hat. Organisiert er halt ein Taxi. Am Marina-Tor stehen glücklicherweise immer ein paar Wagen für solche Grosseinkäufe bereit, erleichtert den Tütentransport quer durch die Stadt ungemein. Beute im Cockpit abparken, Marion holt noch unsere Wäschesäcke im Dorf ab, ich düse noch mal in die Stadt. Zum Markt, Fleisch kaufen! Kann man nie genug von haben. Knapp 5kg werfe ich in den Kühlschrank - Marion ist noch damit beschäftigt, unseren Vormittagseinkauf in ihren Schränken und den Bilgen zu verteilen. Sprich, mein Aufenthalt unter Deck ist grad unerwünscht. Passt aber gut, seit drei Tagen liegt schliesslich das zweite Seitenteil unseres neuen Sonnenschutzes für die Salonfenster rum, das muss irgendwer ja mal anbauen. Also ich. Knipse ich den Rest des Tages Löcher in die Gaze, presse Druckknöpfe ein, bohre fleissig Löcher in den Deckssalon, schraube die Gegenstücke der Druckknöpfe rein ...

Sonntag, 22.12.2013
"Stihille Nacht, heilige Nacht ..." dröhnen die Toten Hosen - Marion bringt sich in Weihnachtsstimmung. Aber statt Plätzchen zu backen, kämpft sie mit den Fleischbergen, die ich gestern angeschleppt habe. Fett abschnippeln (ihr Käpt`n ist nämlich mäklig - was uns ´ne Menge Pluspunkte bei Nachbarhund Senta und Kater Tschaika einbringt), Fleisch anbraten, in Einweckgläser stopfen und im Schnellkochtopf vor sich hin köcheln lassen. Wenn T...und noch ein Loch! Ich kann gar nicht hingucken!opf dann drucklos, werden die Gläser rausgenommen und der Deckel ordentlich zugedreht. Das mach ich. Blöd für sie ist nur, wenn ich zu fest anpacke und die Deckel "überdrehe". Dann sucht sie zähneknirschend zwei neue Gläser mit passendem Deckel, wäscht die aus, füllt Fleischbrocken um, packt alles wieder in den Schnellkochtopf ... und dreht die Deckel hinterher lieber selber zu. Ist jetzt aber nicht so, dass ich heute nur ihre Arbeit sabotiere, ich bin auch fleissig. Michael, der Polsterer ist heute früh tatsächlich noch bei uns aufgeschlagen, hat die Schablone für die Vorderfenster vom Deckssalon gebastelt und zwei Stunden später den letzten Sonnenschutz abgeliefert. Kann ich also weiter fleissig Löcher ins Schiff bohren. Marion liebt das! Aber eine bessere Befestigungsmöglichkeit ist uns nun mal nicht eingefallen. Am Ende sind es 47 Löcher im Deckssalon! Dafür haben wir jetzt rundum vor allen Fenstern einen super Sonnenschutz, den wir auch beim Segeln dran lassen und trotzdem noch rausgucken können. Was stören da schon die paar Löcher ... Ich schraub trotzdem noch mal alle Druckknöpfe wieder ab, setz auf jedes Bohrloch einen Sika-Klecks und schmier jede Schraube vorm Einschrauben mit Wollfett ein. Ist das einzige Zeug, das wirklich dauerhaft jegliche Korrosion zwischen Aluminium und Edelstahl verhindert. Und man kriegt die Schrauben auch nach Jahren problemlos wieder raus. Und weil Marion soooo fleissig meine Fleischvorräte haltbar gemacht hat, obwohl sie ja eigentlich krank ist, wird sie zum Abend noch mal so richtig verwöhnt: Der Käpt`n kocht. Na ja, nicht so direkt, er wandert ins Dorf, trinkt zwei Bier während Archimedes (der heisst wirklich so!) uns eine riesige Pizza bastelt und schleppt das lecker duftende Teil dann aufs Boot ...

 

Montag, 23.12.2013
Marion hat noch ein paar Sachen auf der Wunschliste, fahren wir also noch mal in die Stadt. Die selbe Idee hatte wohl auch die Hälfte aller Einwohner Puerto La Cruz´s - es ist einfach nur brechend voll! Alles schiebt und drängelt sich auf den, ohnehin noch mit lauter Verkaufsständen zugestellten Gehwegen lang, auf den Strassen geht gar nichts mehr. Vermutlich sind auch jede Menge Zahnärzte darunter, die ihre Patienten in den letzten Tagen noch ordentlich geschröpft haben. Zum Glück müssen wir uns heute nicht in die Warteschlangen vor den Umkleidekabinen in irgendwelchen Klamottenläden einreihen, es geht ausschliesslich um praktische Dinge: Neue Designer-Unterhosen für den Käpt`n zum Beispiel. Marion hat festgestellt, dass drei Unterhosen doch zu wenig für mich sind. Krieg ich noch drei. Ich hab auch was festgestellt: Dass ich mich wohl doch öfter wasche, als ich dachte, ich brauch noch mehr Duschbad. Finden wir im "Farmatodo"-Laden. Da gibt´s, wie der Name schon andeutet, auch jede Menge Medizin. Und da wir beide noch wie blöd rumkröchen ist das ja `ne gute Gelegenheit, sich gleich mal was Passendes zu kaufen. Geht bei mir ganz schnell, `ne schöne bunte Schachtel, für den Nichtmediziner mit hübschen Piktogrammen dekoriert - Hals, Nase, Husten, die nehm ich. Steht sogar was mit Grippe drauf. Nach zwei Tagen ist man wieder gesund, vier Tabletten für den Tag, zwei für die Nacht. Perfekt! Sicherheitshalber schmeiss ich auch noch eine für Marion in den Korb. Die dachte für sich aber eher an Hustensaft. Steht sie direkt davor. Braucht man einfach nur ins Regal greifen und sich eine Flasche nehmen. Geht bei ihr aber nicht so schnell. Sie muss erst alle Packungen aufmachen und die Beipackzettel auswendig lernen. Dauert natürlich! Ein paar Stunden später hat sie sich dann für ein Fläschchen entschieden. Mit Honig! Da bin ich ja mal gespannt, wer jetzt eher wieder gesund ist :-)

Dienstag, 24.12.2013
Marion hatte zwar gestern DFeliz Navidad :)EN Hustensaft für sich entdeckt, dabei aber wohl irgendwie übersehen, wie winzig das Fläschchen ist. Dreimal `n Löffel voll genommen, ist das Ding heute schon halb leer. So wird sie den Husten natürlich nie los. Ich kauf dir jetzt `n ordentlichen Vorrat, verkünde ich, bekomme Taschentücher und `n Stück von der Hustensaftverpackung in die Hosentaschen gestopft und fahre noch mal in die Stadt. Blöde Idee! Ich hatte ja gestern schon gedacht es wäre rammelvoll, da brauchte man sich bloss die Hosentaschen zuhalten und konnte sich von den Massen vorwärts schieben lassen. Heute kann ich dabei auch noch die Füsse anheben. Braucht man dann bloss wieder runterlassen, wenn man am richtigen Geschäft vorbeigeschoben wird. Das verpasse ich natürlich. Lass ich mich also bis zur nächsten Drogerie weitertragen. Die haben zwar auch jede Menge Hustensaft, aber nicht DEN Hustensaft. Die zweite Farmacia auch nicht. Hilft alles nichts, ich muss zurück - gegen den Strom. Könnte ich zwar einfacher auf der anderen Strassenseite, aber da verpasse ich ja auf jeden Fall wieder das richtige Geschäft. Auf der Strasse geht`s, da stehen die Autos eh nur hupend rum, kommt man ganz gut vorwärts. Schnell noch mal die Packung rauskramen, damit ich auch ja den richtigen Saft in den Korb werfe - jetzt hat Marion einen ausreichenden Vorrat! Wie ich mich so aus dem Gewühle wieder rausschiebe, kommen mir doch berechtigte Zweifel, ob wir denn auch genug Fleisch an Bord haben. Besser ich geh doch noch mal zum Markt. Da ist es zwar auch immer voll, aber im Vergleich zu den Geschäftsstrassen ja fast erholsam. Schleich ich `ne Stunde lang um die unzähligen Fleischstände, lass mir hier ein Stück zeigen, kauf da mal was, dreh die nächste Runde ... ich bin ja wählerisch. Zwischendurch ein kleines Päuschen - es gibt am Marktrand so eine praktische "Männer-Abpark-Stelle". Können die Frauen ihre Männer abgeben, die kriegen dann wahlweise ein Fläschchen Bier oder Rum in die Hand gedrückt und warten geduldig und ohne zu murren darauf, dass ihre Frauen ihnen die nächsten Plastetüten mit Gemüse, Fleisch oder Fisch hinstellen. Wirklich praktisch so`n Plätzchen :-) Marions Begeisterung über weitere 5kg Fleisch fällt eher verhalten aus. Aber der Schnellkochtopf steht doch eh noch draussen und wenn du erst deinen Hustensaft ausgetrunken hast, weckt sich das wie von alleine ein - versuche ich sie zu motivieren. Ich dreh schnell noch `ne Runde ins Dorf, Getränke und Brot holen und jetzt kann Weihnachten endlich losgehen! Die "Tote Hosen"-CD ins Radio schieben, Kerzen an - man, bin ich aufgeregt! Wir schenken ja praktisch! Für Marion liegt eine Packung Hustenbonbon unterm Baum und für mich ... NICHTS. Spart Geld. Praktisch eben :-) Nein, in Wirklichkeit haben wir uns gegenseitig den tollen neuen Sonnenschutz geschenkt, der hätte nur nicht unter unseren mickrigen Baum gepasst.

Mittwoch, 25.12.2013
Wir machen Weihnachten! So richtig den Feiertag geniessen! Marion geniesst am Herd, beim Einwecken und ich geniesse so mit Nichtstun. Das aber ausgiebig. Senta, Nachbars Hund, geniesst auch. Das abgeschnitte Fett von 5kg Fleisch. 4kg kriegt Marion noch in Gläser gestopft, aus dem letzten macht sie einen Weihnachtsbraten. Den geniesse ich auch! Könnte ruhig öfter mal Weihnachten sein. So völlig unproduktiv war ich dann aber auch nicht. Du könntest ja wenigstens mal das Wetter checken, meint Marion (so aus der Küche heraus) und das hab ich dann auch gemacht. Morgen 20kn aus Nord, ruf ich ihr zu. Fahren wir eben Freitag.

Donnerstag, 26.12.2013Eigentlich sollte sie bunt werden, aber der Käpt´n sitzt lieber auf klassisch weiss
Ist jetzt nicht so, dass das `ne alte Familientradition bei uns wäre, am zweiten Weihnachtsfeiertag Klobrillen zu streichen. Aber das wollte Marion schon seit längerem machen und heute, findet sie, ist der perfekte Zeitpunkt dafür. Blöd für mich ist nur, dass ich für unser Malerzeug nach dem Werftaufenthalt ein schönes neues Plätzchen unter der Koje in der Achterkabine gesucht habe. Und da wohnt ja momentan der riesige Aussenborder drauf! Dauert also `ne Stunde, bis ich das Monster rausgewuchtet, Farbe, Pinsel und Sandpapier rausgekramt und den Motor wieder reisetauglich auf dem Bett abgeparkt habe. Marion tobt sich an der Klobrille aus, ich an der Wasserpumpe. Die leckt. Seit zwei Tagen schon, aber da hatte ich noch keine Lust drauf. Ist auch gar kein grosses Problem, man muss da aber erstmal rankommen! Davor sitzt `ne Bilgenpumpe, die abbauen, Schläuche abbauen, Wasserpumpe abbauen, Dichtung wechseln und alles wieder anbauen. Marion versucht sich inzwischen an der Hochglanzlackierung für das Sitzmöbel, ich zottel unser Schlauchboot auf den Steg, das hat sich auch mal `ne Wäsche verdient. Klar, dass gerade wieder das Wasser abgestellt ist. Kann man sich in letzter Zeit ja echt drauf verlassen - immer wenn man so schön rumplanschen will, kommt nix aus`m Hahn. Und wenn dann mal an den Pontons das Wasser wieder läuft, steht man mit Sicherheit gerade im Marinagebäude nackt unter der Dusche und dreht verzweifelt am Hahn. Gut wenn die Duschbad-Flasche dann noch zu ist :-) Kriegt das Schlauchboot eben `ne Salzwasserkur. Scheuermilch und Bürste erledigen den Rest. Das Bötchen darf anschliessend auch gleich auf`s Vordeck, brauchen wir  hier nicht mehr. Morgen wollen wir ja los. Dachte ich, bis ich noch mal nach dem Wetter geschaut habe: Freitag Nacht auch wieder 20kn aus Nord. Verschieben wir eben auf Sonnabend früh. Machen wir ja im Augenblick andauernd - die Abfahrt verschieben.

Freitag, 27.12.2013
Es wird hektisch. Zum Markt müssen wir noch, Grünzeug bunkern, ins Dorf wegen Brot und Getränken, Marina-Office zwecks Bezahlung und auf dem Dampfer sieht`s eh noch aus wie in `ner Lagerhalle ... Erstmal mit dem Hackenporsche zum Markt. Wo gibt`s die besten Kartoffeln, wer hat die grünsten Tomaten, Zwiebeln sowieso und hatten wir eigentlich noch genug Knoblauch? Auberginen, Gurken, Salat wandern in den Wagen, Mohrrüben, Mandarinen, Mangos - wieso hat heute, verdammt noch mal, keiner grüne Bananen???! An den Fleischständen komm ich dann auch nicht vorbei, ohne noch 1,5kg einzusacken (so für den ersten Tag, wenn wir noch keinen Fisch haben), dafür an der Männer-Abpark-Ecke. Was soll`n meine Kumpels denn denken, wenn ich da mit dem Hackenporsche auflaufe. Irgendwann haben wir das Wägelchen voll und mit der Beute geht`s zurück zum Boot. Zerlegen, verpacken, verstauen dauert dann fast noch mal so lange. Liegeplatz bezahlen, Duschschlüssel und Stromadapter abgeben, mit dem Restgeld und Wägelchen geht`s zur nächsten Einkaufsrunde. Diesmal den Chinesen-Mercado im Dorf plündern. Reis, Ketchup, Thunfischdosen, Margarinebecher, ... Mir fällt auch noch was Wichtiges ein: vier Säcke Holzkohle. Muss ja schliesslich mein Fleisch grillen und den ganzen Fisch, den ich demnächst fangen will. Mit vollem Wägelchen geht`s danach zum Bäcker, reichlich Brot einsacken und anschliessend zu Mauricio: Die letzten Bolivares legen wir in RUM an! Vorher pack ich aber noch 180 Bolis beiseite, für`s Abendbrot, Pizza! Nach ausgiebiger Beratung mit Mauricio und seiner Kundschaft verschwinden noch drei Rumflaschen im Wägelchen, wir schütteln ihn noch mal ausgiebig und versprechen, auf jeden Fall wiederzukommen. Und wärend Marion auf dem Boot alles noch in irgendwie in die Bilgen quetscht, mach ich mich auf zur letzten Runde: Abendbrot holen. Die Pizza kostet natürlich nur 140 Bolis, mit dem Restgeld überbrücke ich die Wartezeit :-)

Sonnabend, 28.12.2013
Das muss ich jetzt mal ganz gross schreiben, damit das nicht beim schnellen Überfliegen der Zeilen untergeht: UM VIER SIND WIR AUFGESTANDEN! Wir können einfach nicht anders. Morgenstund hat Gold im Mund, oder so. Schon vor dem ersten Hahnenschrei springen wir aus den Kojen. Meist bin ich es sogar, der die örtlichen Hähne weckt ... So, ich glaub, jetzt hat es jeder mitgekriegt. UM VIER! Kaffee schlürfen, die letze Möl unter Deck verstauen, Wasserschlauch einrollen, Leinen klarmachen - Motor starten. Das weckt auch den Wachmann, der am Ende des Stegs in seinem kleinen Wächterhäuschen schläft. Armer Kerl! Andererseits ja vielleicht auch nicht schlecht, wenn ihn seine Ablösung mal einen Morgen nicht schlafend vorfindet :-) Der Wachmann wiederum weckt mit seinem polternden Stuhl die Ponton-Ratte, die in Windeseile die Flucht ergreift und sich über die Festmacherleinen auf das französische Boot gegenüber rettet (vor dem dortigen Bordhund braucht sie keine Angst zu haben, der ist kaum nen Kopf grösser als sie). - Schnell noch Elke und Herman umarmen, Leinen los, Vorwärtsgang rein - langsam schieben wir uns zwischen den Nachbarbooten raus. Ah, doch noch nicht festgewachsen. Stockdunkle Nacht, macht nichts, wir fahren einfach nach unserem Plott (das ist die, vom Computer aufgezeichnete Fahrtroute) von der Herfahrt. So kommen wir auch super zwischen den vorgelagerten Inseln durch. Dann geht die Sonne langsam auf, was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass es auch allmählich WARM wird. Ja, bei 22°C kann man frieren! Einzig meine Wetterprognose lässt zu wünschen übrig. Wir haben gar keinen Wind! Macht auch nix, der Diesel war billig :-) Abwechselnd hauen wir uns noch mal `ne Stunde in die Koje, sehen unsere ersten Delfine und haben irgendwann auch Wind. Kommen die Segel doch noch raus (ist auch gleich viel ruhiger, wenn der alte Stinker nicht mehr vor sich hindröhnt) und schaukeln gemütlich der Isla Tortuga entgegen. Da kommen wir `ne Stunde vor Sonnenuntergang an, suchen uns ein schönes Plätzchen vor´m Playa Caldera, lesen in der Bedienungsanleitung nach, wie man den Anker runterlässt (nein, haben wir natürlich noch nicht vergessen) und sitzen wenig später beim Feierabend-Tee (Marion), -Bier (ich) im Cockpit und beobachten unauffällig durchs Fernglas, wer hier noch so vor Anker schaukelt. Drei venezolanische Motoryachten und zwei Segelboote. In der Karibik wären es vermutlich fünfzig gewesen. Und genau neben uns, also so 200m entfernt, zottelt Lobo`s “Océan” an der Ankerkette. Marion hatte in der Werft ja schon festgestellt, dass der neue Farbanstrich die Seetüchtigkeit seines Bootes in etwa verdoppelt hatte :-) Wenig später sitzt Lobo bei uns, er hat gerade Chartergäste, die unbedingt nach Tortuga wollten. Die muss er jetzt bespassen. Aber morgen setzt er sie zum Wandern auf der Insel aus und geht dann Spearfishen. Die wollen schliesslich auch was essen. Ob ich mitkomme? Claro!

 

Sonntag, 29.12.2013Auf zur Nahrungssuche - die Gäste haben Hunger ;)
“Natürlich, bei deinem Husten gibt es ja nichts Besseres als Schnorcheln! In Deutschland verschreiben die Ärzte bei Erkältungen ja fast ausschliesslich Tauchkurse.” Ich meine da eine Spur Sarkasmus rauszuhören. Marion ist stinkig. Ich hab Harpune und Schnorchelzeug rausgekramt und will mit Lobo am Riff das Abendessen “organisieren”. Frischer Fisch! “Ciao bella, in einer Stunde sind wir wieder zurück!”, überhöre ich gekonnt ihre Bemerkungen. Haben wir uns jedenfalls so gedacht. Eine halbe Stunde braucht Lobo dann aber schon, um mit seinem Schlauchbötchen DIE richtige Stelle zu finden. Wir hüpfen ins Wasser und sehen ... NICHTS! Das Wasser völlig aufgewühlt, Sichtweite knapp 3m. Wir probieren es noch an ein paar anderen Stellen, ein Fisch und eine Conch (grosse schneckenförmige Muschel) sind das magere Ergebnis. Das kLobo sticht in Seeann Daueroptimist Lobo aber nicht entmutigen (claro, er MUSS ja was fangen für seine Chartertouris, da er nie was zu Essen mitnimmt) und er will es jetzt auf der anderen Seite, in einer Lagune hinterm Riff probieren. Machen wir dann auch. Zwei Stunden lang! Macht noch zwei Conchs und `n paar Seeigel. Lobo schlürft die stachligen Dinger echt mit Begeisterung aus! Das deprimierende Ergebnis unserer Jagd überlasse ich ihm dann auch grosszügig, damit seine Gäste nicht hungern müssen - wir haben ja Fleisch :-) Und meine alleingelassene Bordfee ködere ich mit einem Strandspaziergang. Sowas liebt sie! Latschen wir also ewig am Strand lang, wandern zur Lagune, klettern auf Dünen - stundenlang. Strandwandern geht ja neuerdings bei uns anders: Früher ist sie immer ganz aufgeregt von einer angespülten Muschel zur nächsten nächsten gehüpft, hat Krabben angeschubst, die nicht weglaufen wollten oder heimlich versucht “gaaanz hübsche” Steine in den Hosentaschen verschwinden zu lassen, um sie an Bord zu schmuggeln.  Jetzt hat sie nur noch Augen für den SAND! Ich mein, da liegt alles voll davon, kilometerweit, tonnenweise - überall weisser Sand! Ne, sie guckt jetzt wo der Schönste liegt! Für ihren neuen Brieffreund, den Michael. Der ist nämlich Sandmann! Jetzt nicht hauptberuflich - er sammelt Sand! Sowas gibt`s tatsächlich! Den schüttet er dann vor sich aus, macht Fotos davon und das sieht dann sogar richtig toll aus. Könnt ihr hier mal angucken:   www.dropbox.com/sh/m6l155t6hocijf3/WKfB_7RV10?m    Und deswegen läuft Marion jetzt immer mit kleinen Plastetütchen am Strand rum und sammelt für ihn von jedeBarrakuda - lecker!!r Insel, die wir besuchen, SAND!

Montag, 30.12.2013
KNAAAARZ!!! Das klingt doch wie Musik! Nach Monaten endlich wieder dieser Wohlklang - ein Fisch an der Angel! Ich krieg mich ja gar nicht wieder ein vor Begeisterung. Wenig später hab ich das Vieh an Bord - Marion gibt mir den Zollstock: 99 cm. Hört sich irgendwie blöd an. Zieh ich also noch so`n bisschen an der Schwanzflosse. Jetzt ist es `n Meter. Klingt doch gleich viel gewaltiger. EIN BARRAKUDA, bemerkt Marion - mit verdächtigem Unterton. Jo, schmeckt doch gut. Der kann aber Ciguatera haben! Sie legt es echt darauf an, mir meine Beute zu vermiesen. Hier gibt es kein Ciguatera! Und woher willst du das wissen??? Männer wissen sowas, murmel ich nicht ganz überzeugend. Stunde später haben wir unser Tagesziel, die halbmondförmige Cayo Herradura erreicht, schmeissen den Anker ins türkisfarbene Wasser und ich hock mich auf die Badeplattform, um den Fisch zu filetieren. Vielleicht solltest du vorher einfach mal Fischer fragen, ob es hier Ciguatera gibt - fängt meine übervorsichtige Crew schon wieder an. Würde ich ja machen, aber hier sind gerade keine Fischer. Dafür kommt von der benachbarten französischen Yacht ein Schlauchboot, um kurz Hallo zu sagen. Oh, ihr habt einen Barrakuda gefangen! Schmeckt gut und hier kann man die ja, im Gegensatz zur nördlichen Karibik, noch essen, fachsimpeln sie. Sofort drück ich ihnen die Hälfte der Filets in die Hand. Bon apetit! Sie sind ganz happy. Und Marion auch. Jetzt packen wir unsere Hälfte einfach in den Kühlschrank und wenn die beiden morgen noch auf ihrem Boot rumspringen, machen wir uns daraus ein schönes Silvester-Essen :-)

Dienstag, 31.12.2013Über Steine und Korallenbruch - nicht unbedingt DER Wanderweg
Ganz so einsam und naturbelassen, wie Christelle und Jaco uns vorgeschwärmt haben, ist Herradura doch nicht. O.k., Fischerhütten gibt´s, claro, und bei der einzigen Inselpalme eine Art Bar, vor der ein Dutzend Iglu-Zelte stehen. In der gut geschützten Bucht ankern drei Motoryachten und, mit uns, fünf Segelboote (sind eben grad Schulferien und Feiertage). Ein paar Venezolaner heizen kreuz und quer mit ´nem kleineren Boot zwischen den Ankerliegern herum, einen, mal mehr oder mal weniger begabten Wasserskifahrer hinter sich her zerrend. Wir werfen das Dingi ins Wasser und machen uns auf zur Inselumrundung (Hauptgrund ist natürlich die Suche nach einem geeigneten Grillplatz). Erstmal geht´s linksrum, in Richtung Fischerhütten. Keiner da, alle sind auf dem Festland, zum Feiern mit der Familie. Neben der Hütte steht eine kleine, mit grossen Muscheln und Lobstern geschmückte Kapelle, aus der die “Virgen de Valle” raus auf´s Meer schaut. Weiter geht´s zum Leuchtturm (rot-weiss geringelt), rundrum ist alles grün und man könnte meinen, man ist auf Hiddensee (statt Ginster gibt´s hier eben Mangroven). Im Norden kraxeln wir auf Bergen abgestorbener Korallen entlang, leider auch über angespülten Plastikmüll, neben uns Riffe und tosende Brandung, die Luft ist dermassen voller Salz, man kann es direkt schmecken. Wieder auf der Südseite angekommen, ist das Wasser total ruhig, ein traumhafter Badestrand. - Nun sind wir einmal rum gelatscht und haben immer noch keinen BBQ-Platz gefunden! Aber da landen unsere Nachbarfranzosen an (Gott sei Dank quietschlebendig!) und überreden uns, alle gemeinsam bei Pablo in der Strandbar zu feiern. Claro, warum nicht :) Gegen 20 Uhr sind alle da, zehn Feierwillige aus Italien, Frankreich, Venezuela und Deutschland, jeder hat irgendwas Ess- und Trinkbares dabei, hinter der Hütte, neben dem knatternden Generator, wird unter einem provisorischen Grill die Holzkohle angezündet, das Fleisch und Würschte auf Kückendraht drüber gehängt, durch Pablos open-air-Küche kriechen Einsiedlerkrebse aller Grössen, sie sitzen auf dem Tisch, hängen an den Wänden, der Hausherr lässt lautstark Musik laufen (erstaunlicherweise sehr modern und ziemlich schräg), von den Lichterketten im Gebälk kriegt man eine gewischt, wenn man versehentlich dran kommt, jeder erzählt mal woher und wohin, es gibt warmes duftendes Schwarzbrot, Cracker mit Kaviar, Salat, Fleisch, Fisch, Bier und Wein, immer wieder Häppchen, um Mitternacht knallen die Korken und jeder stopft sich, nach venezolanischem Brauch, 12 Weintrauben in den Mund (soll gut sein für Glück, Gesundheit, ...), alle fallen sich um den Hals, wir versuchen, keinen zu küssen wg. Grippe, gelingt aber nicht, Pablo lässt zwei original China-Raketen in den Nachthimmel zischen und mein Käpt´n versucht, die Bedienungsanleitung auf unseren letzten, schon 2008 abgelaufenen Signalraketen zu erkennen ... Zisscccchhhhhh ... und nochmal ziscccchhhh! Bei der zweiten gibt´s nur n Knall, irgendwas wird in die Luft geschleudert, aber leuchten tut da mal gar nichts mehr (heisst: wo 2008 drauf steht, ist auch nur 2008 drin)! Hoffentlich reicht der Knall, um alle bösen Geister zu verscheuchen? :) Kurz darauf erstirbt das fröhliche Lärmen von Pablos Stromversorger (wir haben ihn nicht abgeschossen), er kann auch nicht wiederbelebt werden ... und so nach und nach verschwinden alle in der stockdunklen Nacht auf ihre Boote ... dann buenas noches, bon nui, buena notte, gute Nacht!!

Mittwoch, 01.01.2014
Na, das fängt ja gut an! Seit dem Aufstehen kröchen wir beide rum (der gestrige Tag im Windkanal der Insel war wohl für unsern Husten nicht so zuträglich) und mein dicker Capitano jammert über Ohrenschmerzen, der Arme! Also wieder mal die Bordapotheke rauswühlen. Antibiotika (anders kriegen wir den Husten anscheinend nicht in den Griff) und Ohrentropfen. Nach dem Frühstück legt Mann sich gleich wieder ins Bett. Meine Güte, dabei es ist noch gar nicht so lange her, dass wir zu Silvester richtig n Fass aufgemacht und bis frühs um 6 Uhr durchgefeiert haben?! Da ist man wegen dickem Kopf im Bett geblieben und nicht wegen `ner Erkältung! Werden wir alt?! - Ich wasche möglichst leise ab, backe nach einem Vierteljahr wieder das erste Brot und versuche, Cockpit und Achterdeck von der Salzschicht zu befreien ... Mein Holder kommt irgendwann auch wieder aus der Koje gekrochen, aber so richtig zu was aufraffen können wir uns heute irgendwie nicht. Macht nichts, das Jahr ist ja noch lang ...

Donnerstag, 02.01.2014
Das wird jetzt kurz. Wir wollen zu ´nem anderen Ankerplätzchen fahren, paar Meilen weiter hinter zwei kleinen Inselchen. Machen wir aber nicht, es BLÄST! Kräftig! 20, 25kn. Der Windgenerator kriegt sich gar nicht wieder ein vor Begeisterung. Könnten wir eigentlich Strom verkaufen. Machen wir aber auch nicht. Wir machen eigentlich gar nichts. Wir sind krank, wir sind faul. Den zweiten Tag schon. Ist aber nicht weiter schlimm, bleiben ja immer noch 363 Tage, um dieses Jahr irgendwas Sinnvolles anzustellen. Oder haben wir ein Schaltjahr? Dann könnten wir morgen ja auch noch mal nichts tun :-)

Freitag, 03.01.2014
Wir sind fleissig am Zählen. Siebzehn sind es jetzt! Wir zählen Motoryachten, die vom Festland angedüst kommen, um am Wochenende das beschauliche kleine Inselchen in eine Partyzone zu verwandeln. Die nächsten drei tauchen am Horizont auf, höchste Zeit den Anker hoch zu leiern. Ist jetzt nicht so, dass nicht genug Platz wäre - in der Karibik würden an so einem Traum-Ankerplatz mindestens siebzig Yachten oder hundert rumschaukeln, aber die Motoryachten haben ja alle den Ehrgeiz, so dicht wie möglich am Ufer zu liegen. Wir können den Strand langsam nicht mehr sehen. Und ausserdem müssen wir auch nach Curacao. Demnächst. Bisschen Zeit haben wir aber noch, könnte man ja noch irgendein Inselchen besuchen. Überlegen wir also, welches. Los RoqUnterwegs endlich mal wieder Delfine :)ues! Liegt fast auf dem Weg und überhaupt muss man da mal gewesen sein. Ist ein Käpt`n-Argument, da fällt meiner Crew dann immer nichts mehr gegen ein. Versucht sie heut auch gar nicht. Packen wir also unseren Krempel zusammen, ziehn den Anker hoch und rollen die Segel aus. Wind vom Feinsten, wir rauschen nur so dahin - müssen nach `ner Weile sogar auf die Bremse treten (also die Segelfläche verkleinern), damit wir nicht zu früh da sind. So im Stockdunkeln auf ein Riff knallen ist ja nun auch nicht unbedingt jedermanns Sache. Muss man schon Liebhaber von sein. So wie die Franzosen, die ihre Yacht Heiligabend 2sm vor unserem letzten Ankerplatz auf dem Riff geparkt haben. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber Weihnachten futsch, Yacht futsch ... gut, das Riff ist jetzt für alle anderen mit dem Wrack darauf besser zu erkennen. Ooops, das ist jetzt aber schon ganz schwarzer Humor, mal sehen, ob Marion das beim Korrekturlesen noch durchgehen lässt. Darüber macht man keine Scherze, sagt sie bestimmt, wenn sie morgen meine nächtlichen literarischen Ergüsse liest. Hat sie ja auch Recht. Ich will damit auch nur verdeutlichen, dass man NACHTS einfach nicht in ein Riffgebiet fährt. Auch wenn immer wieder Segler gläubig auf ihre Kartenplotter starren, die Karten stimmen eben einfach nicht überall! Aber das Thema hatten wir ja schon mal. So, noch eine kurze persönliche Erfolgsmeldung: Ich habe heute wieder Fisch gefangen! Beinah. Dreimal hat einer angebissen, dreimal haben sie sich wieder losgerissen. Der Letzte hat auch nicht vergessen Haken, Köder und Stahlvorfach mitzunehmen. Blödes Vieh! Danach hatte ich keine Lust mehr auf Angeln. Und auch keinen Köder. Soweit die Tagesnews, muss jetzt was tun. Reffen! Das GPS zeigt schon wieder beständig 7 bis 8kn an. Wir sind einfach zu schnell ...

Sonnabend, 04.01.2014
Wir sind in den Los Roques. Geil!!! Ein riesiges Riff, mit jeder Menge Inselchen dazwischen, das Wasser hellblau, grün, türkis - einfach genial! Da machen die in der Karibik immer so`n Gewese um die Tobago-Cays mit ihrem klitzekleinen Riff und den drei Inselchen dabei - hier gibt`s über vierzig Inseln und das Riff ist mehr als fünfmal so gross. Und in der Saison drängeln sich dann bis zu zweihundert Yachten in den Cays (als wir da ankerten, waren es ca. zwanzig) - hier schaukeln grad mal zwei Yachten neben uns. Kann man Wochen oder Monate drin zubringen. Machen wir aber nicht. Wir müssen ja in einer Woche auf Curacao sein. Und so ganz legal ankern wir hier auch grad nicht. Nicht, weil wir schon vor zwei Wochen ausklariert haben, hier ist ein Naturschutzgebiet! Muss man sich anmelden und die Nationalpark-Gebühr bezahlen. Auf der Hauptinsel. Die haben wir aber nicht gesehen. War ja Nacht, als wir da vorbeigerauscht sind. Stockdunkel! Sieht man so`ne kleine Insel einfach nicht.

 

Sonntag, 05.01.2014
Grad haben wir schön gemütlich unser Frühstück verputzt, ich bin dabei den Tisch abzuräumen (was für`n häuslicher Typ ich doch geworden bin ;),Lesezeit - Refugio Carenero, Los Roques da rauscht ein Motorboot in unsere beschauliche Ankerbucht. Blaulicht oben drauf, Guarda Costa steht an der Seite dran - äh, das ist jetzt `n bisschen blöd! Liegen ja noch zwei andere Segelyachten hier, bei der ersten gehen sie längsseits. In Rekordzeit räum ich den Frühstückskrempel aus dem Cockpit, schmeiss da ein paar Maulschlüssel auf die Sitzbank und wühle unsere Reserve-Pumpe für den Autopiloten aus seinem Versteck. Liegt wie immer, wenn man was braucht, ganz unten. Die Guarda Costa ist schon beim nächsten Boot. Motorraumtür aufreissen, schön dreckiges Bastel-T-Shirt überwerfen und bisschen Motoröl auf Hände und Arm schmieren ... jetzt können sie kommen! Hatten wir halt unterwegs nach Curacao ein Problem mit der Hydraulikpumpe und die musste ich eben wechseln. Nur deshalb ankern wir! Notfall sozusagen. Und was macht die Coasta Guarda???! Die drehn mit ihrem Boot eine Runde um uns, gucken und haun wieder ab! Wieso reden die nicht auch mit uns?! Hab ich den ganzen Aufriss umsonst gemacht. Jetzt muss ich mir die Hände waschen!! Am frühen Morgen schon! Muss ich dann aber noch öfter tun, wir sind nämlich fleissig: Der Wassermacher erfreut sich meiner Aufmerksamkeit, Marion sticht mal wieder auf irgendwas mit Nadel und Faden ein, wir schnorcheln zwischendurch - Marion wegen der Fische und ich wegen den Seepocken am Propeller - ich bastel mir `n neuen, bunten Angelköder, Marion verpasst meiner Badehose ´n bunten Aufnäher (da war vorher ein Riss), sie räumt in der Küche irgendwas hin und her, ich mein Werkzeug und die Hydraulikpumpe wieder weg, ich wasch mir ein letztes Mal die Hände, weil ich jetzt Feierabend mach und mit `ner Dose in der Hand den Pelikanen zugucke, wie sie sich permanent wie die Blöden ins Wasser stürzen, um ein armes Fischlein zu erbeuten und Marion hat soviel Spass in der Küche, dass sie beschlossen hat noch ein bisschen da drin zu bleiben. Sie bastelt uns `ne Pizza.

Montag, 06.01.2014
Wir warten gar nicht erst bis das Behördenbötchen heut wieder auftaucht, ganz leise zotteln wir unseren Anker hoch und verdrücken uns. Um sieben schon! Hätten wir sowieso gemacht. Schliesslich wollen wir noch ein paar Tage in Barlovento bleiben. Ist auch ein Riff-Atoll und da gibt`s keine Guarda Costa. Und vor allem ist das kein Nationalpark, wo man 3000 Bolivares Parkgebühr bezahlen muss. Das sind 300 Bier! Oder 187 Colgate-Zahnpastatuben. Aber nur, wenn man sie im Angebot kauft, in dem Laden, wo es Marion`s Honig-Hustensaft gibt :-) Mein neuer Angelköder fliegt auch gleich über Bord, natürlich mit `ner Strippe dran. Kann ich paar Minuten später wieder einrollen, ein Thunfisch fand den so toll, dass er gleich reingebissen hat. Der arme Thuna ist aber noch so mickrig, dass mir ein Angeberfoto jetzt echt peinlich gewesen wär. Er darf weiterschwimmen und noch ein bisschen wachsen, und Marion den Fotoapparat wieder einstecken. Zwei Stunden später muss sie ihn wieder rausholen. Der nächste Thuna! Der ist auch grösser und darf bei uns bleiben. Kriegt heute Abend `n schönRolling, rolling, ...es Plätzchen - in der Pfanne! Das war dann auch schon das einzig spannende von der Überfahrt. Delfine, nette Welle und jede Menge Wind. Genau von hinten. Ist fast genauso blöd, als wenn er direkt von vorne kommt. Der Dampfer rollt von einer Seite auf die andere, man rutscht auf`m Hintern hin und her und weiss nach `ner Weile auch, was alles nicht wirklich seefest verstaut war. Das fliegt irgendwann durchs Schiff. Ich hab ja die tolle Idee, erstmal von Norden in`s Riff reinzufahren und uns dann für heute Nacht genau dahinter abzuparken. Ist doch geil, wenn die Wellen sich so genau vor dem Boot überm Riff brechen und man dahinter ganz ruhig liegt. Frau findet das nicht so toll - bei dem Wind ist das Boot nach spätestens einer Stunde ein einziger Salzklumpen! Ja, aber das kann man dann abkratzen und verkaufen. Früher jedenfalls. Heut gibt`s das Zeug ja überall in 1kg-Tüten abgepackt. Gut, wenn ich mir die Brecher so angucke, die da auf`s Riff knallen und die Wasserfontänen die dabei hochgeschleudert werden - ist wirklich ´ne blöde Idee. Wir fahren auf die Südseite, da gibt es zwei, drei Inselchen, wo wir schön geschützt ankern können. Segeln wir also hin, liegt schon eine Yacht da. Gut, man kann ja nicht jedes Atoll für sich alleine haben, fahr ich also trotzdem drauf zu - ist ja ein ein nettes Plätzuchen, Sandstrand, dahinter Mangroven, links rechts ein kleines Riff - liegt man wunderbar. Dann ankern wir aber genau neben dem! Das war meine Crew. Ich will ja nicht daneben, ich will weiter links. Dann ankern wir ja direkt vor ihm! Als Kapitän hat man es manchmal nicht leicht! Wo sollen wir denn ankerm???!!! Keine Antwort. Wo, bitte schön soll ich jetzt ankern?!!! Meine Crew ist aus irgendeinem Grund beleidigt, oder hat gerade ein Schweigegelübde abgelegt. Dann schmeiss ich den Anker eben da hin, wo ich will! So, hier bleiben wir! Dann schnapp ich mir mein E-Book und hock mich mitPiiiiieeep `ner Dose ins Cockpit. Schweigen kann ich auch! Besonders, wenn ich lese ...

Dienstag, 07.01.2014
Stinketag! Nicht weil wir so müffeln, ich hab ein Böckchen und jetzt auch ein Schweigegelübde abgelegt. Fällt mir nicht schwer, hab ja über 500 Bücher auf dem E-Book. Kann ich `ne ganze Weile durchhalten und schweigend lesen. Das andere Boot ist weg, wir sind ganz alleine. Na ja, ausser hunderten von Vögeln, die in den Mangroven ihre Nester haben und sich laut kreischend gegenseitig die Fische abjagen. Den Möwen jagen Tölpeln hinterher und wenn die sich mit `nem Fisch verdrücken wollen, fliegen die noch grösseren Fregattvögel hinter ihnen her und schnappen nach deren Schwanzfedern. Nur an die fetten Pelikane traut sich keiner ran - wenn sie sich ins Wasser stürzen und hinterher genüsslich ihre Beute runterschlingen. Mir aber alles egal, mein Buch ist grad so spannend. Und welche Gehässigkeit hat Marion sich inzwischen ausgeheckt?! Sie kocht Fischcurry! Der leckere Duft zieht durchs ganze Schiff! Wie soll man sich denn da vernünftig auf`s Beleidigtsein konzentrieren?

Donnerstag, 09.01.2014
Marion will wandern. Geht auf dem Boot natürlich nicht so gut, springen wir also ins Schlauchboot, fahren um zwei Riffe rum und zotteln das Gummibötchen `ne viertel Stunde später an Land. Ewig langer Strand, ein halbzerfallenes Fischerhüttchen, drei windgebeutelte Palmen und jede Menge SAND. Hab mir gleich gedacht, dasAve de Barlovento - Ave Grandes das Wandern nur ein Vorwand war. Zückt sie schon mal ihr Sandsammelbeutelchen - jetzt muss sie nur noch die richtige Stelle finden. Das dauert ... Bis zum Westende der Insel, überall der falsche Sand! Schnecken, Krebse, Steine - wäre sie früher mit Begeisterung drumherum gehopst - heute will sie nur noch den Sandmann glücklich machen. Auf der anderen Inselseite geht`s zurück - tonnenweise Korallen, Einsiedlerkrebse in allen Grössen, Krabben und ein Leuchtturm. Eigentlich mehr ein überdimensionierter Gittermast mit Lampe oben drauf. Funktioniert aber nicht. Muss ich also mal hochklettern und die Sache untersuchen. Solarpaneel, Batterie dran und zwei Kabel zur Lampe. Mangels Werkzeug komme ich aber nicht an die Glühlampe. Hätte eh keine passende einstecken gehabt :-) Der Sandmangel auf diesem Teil der Insel beschleunigt dafür unsere Rückkehr zum Strand. Und jetzt steuert Marion auch zielstrebig auf eine Stelle zu, bückt sich und schaufelt mit zufriedenem Grinsen im Gesicht endlich den RICHTIGEN SAND in ihr Plastetütchen. Genau da sind wir vor zwei Stunden ja schonmal vorbei gelatscht und der Sand ist genau der Selbe, wie links und rechts. Weiss eben! Damit ist der Job aber noch nicht getan! Der Sand wird jetzt in eine Schale gekippt und in einer mehrtägigen Prozedur getrocknet, zwischendurch immer mal liebevoll geschüttelt und “wohnt” wohlbehütet unter der Sprayhood, damit der Wind auch ja keins der kostbaren Körnchen fortbläst. Und wenn er dann richtig trocken ist kommt er wieder in ein Tütchen und darauf wird dann Datum, Uhrzeit, Position und Schuhgrösse des Sammlers vermerkt... Da lob ich mir doch so`n anständiges Hobby, wie Spearfishen zum Beispiel :-) Davon wird man wenigstens satt! Mach ich gleich morgen!

Freitag, 10.01.2014
Unser Ankerplatz ist ganz nett - kleiner Sandstrand, von riesigen Mangroven umsäumt - da spürt man den munter blasenden Wind kaum und das Bötchen liegt auch ruhig. Einziger Nachteil: das Wasser ist trüb. Wegen der Mangroven eben. Ist aber nicht weiter schlimm, links und rechts der Einfahrt zur Bucht gibt es Riffe und da tuckern wir mal hin. Ich zwecks Nahrungssuche und Marion, weil sie die Fische auch mal sehen will, bevor sRobinson, Freitag und Würschte - Boot, Dingi und Bier denken wir uns mal wegie auf dem Grill landen. Das erste Riff ist nicht so ergiebig, macht nichts, paar hundert Meter weiter gibt`s das nächste. Schmeissen wir unseren Schlauchboot-Minianker eben da ins Wasser, setzen die Masken auf und hüpfen hinterher. Ist jetzt nicht die Traumsicht, aber bei den vier, fünf Metern Wassertiefe ausreichend. Jede Menge Papageienfische, Kofferfische, alle möglichen kunterbunten in Aquariumgrösse, ein riesiger Kugelfisch - alles ganz hübsch, aber nichts Essbares! Gigantische Hirnkorallen, Fächerkorallen - aber nicht eine Conch oder ein Lobster! Da kann ich noch soviel hin und her schwimmen, runtertauchen, um nachzusehen, wer sich alles so in  den Steinspalten versteckt - das gibt heut Würschte auf`m Grill! Dafür ist Marion begeistert, sie betrachtet die Unterwasserwelt eben aus einem anderen Blickwinkel. Passt auf`n Grill und schmeckt - kommt da nicht vor. Bei ihr sind die Fische bunt und hübsch, niedlich oder gruselig. Mein Versagen als Jäger erspart mir dafür das lästige Ausnehmen diverser Meeresbewohner, schmeissen wir eben Würschte, Teller und kalte Dosen in den Picknikkorb und tuckern zum Strand. Schnell ein paar Steine als Umrandung aufgestellt, Holzkohle rein kippen, anzünden, Rost rauflegen, dann die Würschte ... Marion untersucht den Strand nach Brauchbarem und Sand, ich dreh ab und zu den Fischersatz und hab sogar noch eine Hand frei für `ne Dose :-) Cool, so`n Robinson-Leben! Perfekt wäre es, wenn es nicht zwischendurch anfangen hätte zu regnen! Unter Mongroven geflüchtet, die den Regen nicht wirklich abhalten, kippen wir immer wieder das Wasser von den Tellern, kauen auf “schnell noch geretteten”, halbfertigen Würsten und schauen zu, wie die anderen am Strand langsam verkokeln. Der Regen hört auf, wir sind klatschnass, das Bier schmeckt wässrig, die Würste verbrannt, die Moskitos stürzen sich auf uns - SCH... Robinson-Leben! Nichts wie wie weg hier!

 

Sonnabend, 11.01.2014
Sonnenschein, das WasserKristallklar schimmert in allen erdenklichen Blautönen, die Vögel stürzen sich auf der Jagd nach Fischen ins Nass, um sich hinterher gegenseitig die Beute abzujagen - einfach idyllisch hier. WENN Frau nicht mit krausgezogener Nase im Cockpit rumschnüffeln würde. Es müffelt! Am Heck. Da hängen unsere Müllsäcke. Jetzt sind meine pyromanischen Fähigkeiten gefragt. Schmeiss ich mir also gleich nach dem Frühstück die Müffelsäcke ins Schlauchboot und tuckere zum Strand. Genug Treibholz liegt ja rum, schmeiss ich alles auf einen Haufen, Benzin drauf kippen und anfackeln. Oben kommen dann die Müllsäcke rauf und der angeschwemmte Plastikmüll vom Strand auch gleich. Das Ganze immer schön wenden und warten. Hätte mir `ne Dose mitnehmen sollen. Zwei Stunden später ist nicht mehr übrig als ein kleines Häufchen qualmender Asche. Geruchsfreies Cockpit, sauberer Strand und bloss eine Brandblase am Fuss (barfuss auf `n glühendes Holzstück latschen ist `ne blöde Idee) und knallroter Buckel (T-Shirt wäre nicht schlecht gewesen, fällt Marion dazu ein - hätte sie mir ja auch vorher sagen können). Wir schnorcheln am Riff, fahren mit dem Schlauchboot durch die “Kanäle” der Mangrovenwälder, glotzen auf Fische oder brütende Vögel (also die Fische am Riff und die Vögel in den Mangroven), faulenzen, lesen, labern, grillen nicht am Strand, haben trotzdem `ne Dose in der Hand, geniessen den Sonnenuntergang, das Gekreische der Möwen, Tölpel, Fregattvögel, die Sturzflüge der Pelikane ...

Sonntag, 12.01.2014
Vermutlich wären wir hier noch “hängen geblieben” bis die Dosen alle sind oder das Essen ... geht aber nicht, übermorgen landet unser Besuch auf Curacao. Wäre ja ganz vorteilhaft, wenn wir dann schon mal da sind, damit die auch `ne Bleibe haben. Heute Nachmittag fahren wir los, verkünde ich in meiner Funktion als Käpt`n. Dann sind wir morgen früh da, pennen ein wenig, klarieren ein und haben sogar noch `n bisschen Zeit, den Dampfer auf Vordermann zu bringen. Und vor allem, den Monster-Aussenbordmotor bei der “Shassada” loszuwerden, damit die Gästekoje überhaupt wieder bewohnbar ist. Abfahrt Nachmittags ist aber `n dehnbarer Begriff, es bleibt genügend Zeit zum Baden, Frühstücken, Kaffee, noch mal baden, rumsitzen, noch `n Kaffee ... um drei sind wir abfahrbereit. Nützt uns aber nichts, es regnet! In Strömen! Nein, wir haben keine Angst nass zu werden, man sieht bloss die Hand vor Augen nicht mehr. Geschweige denn die Passagen zwischen den Riffen. Halbe Stunde später ist der Spuk aber vorbei, das Deck schön sWir müssen rüber nach Curacaoauber und das Wasser leuchtet wieder in den gewohnten Farbschattierungen. Hellblau ist Sand, ganz hell wird`s flach, dunkelblau tief, braun Korallen bis fast an die Wasseroberfläche ... jetzt können wir los.

Montag, 13.01.2014
Gibt ja nette Überfahrten, weniger nette und dann welche, die sind richtig SCH...! Die heute, war eindeutig letzte Kategorie. Wind reichlich, Welle auch - rollen wir mit der ausgebaumten Genua so durch die Nacht - ist ja ohnehin schon recht unbequem, aber was soll`s, solange es in die richtige Richtung geht. 20 Uhr, Wachwechsel. Ich tapper aus der Koje, kurz darauf geht´s los: Der Autopilot piepst ganz aufgeregt, steuert irgendwohin, der Mond steht auf der falschen Seite - watt`n jetzt los??? Mit Hilfe des Motors den Dampfer wieder auf den richtigen Kurs bringen, Knöpfchen vom Autopilot drücken - rauschen wir wieder los. Kurz darauf dasselbe. Dauert `ne Weile, bis ich raffe, dass der Autopilot nur noch in eine Richtung steuert. Hatten wir irgendwie schon mal, das Problem. Im Rio de la Plata. Da hatte eine Kohlebürste geklemmt. Also erstmal das Segel rein, das Boot lassen wir quer zur Welle treiben und ich verschwinde mit Werkzeug im Motorraum, um den Autopilotmotor zu zerlegen. Das geht einfach. Eine Kohlebürste springt mir auch förmlich entgegen, die zweite nicht. Siehste, die klemmt! Feile ich also ein bisschen an dem Ding rum, bis sie ganz leicht in ihrer Halterung hin- und herrutscht. Jetzt bloss noch zusammenbauen. Das geht nicht mehr einfach. Das Schiff rollt wie blöd in den Wellen, ich hocke auf den Batterien, die Gewindestangen der Halterung drücken im Hintern, das Werkzeug rutscht hin und her und ich versuche dabei, den Deckel mit den festgeklemmten Kohlebürsten auf den Elektromotor zu fummeln, ohne dass sie vorher rausspringen. Klappt natürlich nie. Oder der Deckel sitzt endlich und die Kohlebürsten klemmen immer noch. Nach einer Stunde fluchend und schwitzend hab ich das Ding endlich wieder zusammen, Kabel anklemmen und drücke erwartungsvoll auf`s Knöpfchen vom Autopilot: Nach rechts schnurrt der Motor los, nach links passiert nichts. Das gibt`s doch nicht! Das Ding ist platt - verkünde ich meiner leicht deprimierten Crew! Nicht so schlimm, wir haben ja noch einen Reserve-Motor. Marion sucht das Teil aus den Tiefen meiner Ersatzteilbilge, ich mir das passende Werkzeug und fange an, mich mit den Anschlüssen der Hydraulikschläuche rumzuquälen. Bis jetzt war alles Spass. Rollendes Schiff, Gewindestange im Hintern, ständig irgendwo verschwindendes Werkzeug - jetzt kommt eine neue Komponente dazu: Hydrauliköl! Hände glitschig, das Werkzeug flutscht nur so unter Batterien, Motor oder Generator, um ein paar Rollbewegungen später wieder aufzutauchen - natürlich immer das, was man gerade nicht braucht. Das richtige ertaste ich mir in den Öllachen. Die Schraubverbindungen sind hammerfest, geölte Batteriehalterungen bohren sich auch nicht angenehmer in den Hintern, um die alte Pumpe abzunehmen ist die blöde Waschmaschine im Weg ... irgendwann ist endlich die neue Pumpe dran, alle Schläuche fest, Kabel angeschlossen, mittels Unmengen von Putzlappen die gröbsten Öllachen weggewischt und ich auch soweit ölfrei, dass ich mich aus dem Motorraum traue. Jetzt brauchen wir bloss noch Hydrauliköl auffüllen. Im Cockpit. An der Steuersäule, klitzekleines Löchlein, Trichter, 5L-Kanister, Stirnlampe - das Schiff rollt, immer wieder spritzt das Wasser bis ins Cockpit, Marion hält sich mit einer Hand fest, mit der anderen den Trichter, ich schwapp mit dem Kanister Öl in Trichter und auf den Boden, alles glitschig, Marion hält mit ihrer dritten Hand (?!) den Trichter zu, damit da auf keinen Fall Wasser reinkommt, ich dreh wie wild am Steuerrad, um die Luftblasen aus dem System zu bekommen, verschwinde im Motorraum, um die Hydraulikpumpe zu entlüften, kippe weiter Öl nach ... irgendwann steigen keine Luftbläschen mehr hoch - glücklich schrauben wir alles wieder zu, wischen uns die Hände sauber und schalten den Autopilot ein. Knöpfchen für rechts - Pumpe surrt los, Ruder dreht nach rechts. Andere Seite - NICHTS!!!! Tja, dann hat wohl der Kurscomputer seinen Geist aufgegeben! Das ist der Zeitpunkt, wo meine übermüderte Crew sich deprimiert auf`s Salonpolster fällen lässt und in einen komatösen Tiefschlaf verfällt. Ich hab ja auch noch einen zweiten Kurscomputer, aber wo? Vermutlich in dem kleinen Fach hinter den Kojen in der Achterkabine - aber da wohnt ja jetzt das Ungetüm von Motor! Erstmal Werkzeug und Cockpit putzen und dann `ne Dusche. Jetzt bin ich zwar weniger gleitfähig, um mich durch den 5cm-Spalt zwischen Motor und Kabinendecke zu quetschen, aber wenn Marion mich so voller Öl in der Koje erwischt hätte, müsste ich den Rest der Reise vermutlich schwimmen :-) Irgendwie komme ich tatsächlich hinter den Motor, räume schwitzend das Fach leer (diesmal piekt mich wenigstens nichts in den Hintern), um deprimiert festzustellen, dass da zwar jede Menge Elektronikkrempel wohnt (ich find sogar noch ein Autoradio!), aber kein Autopilot. Also alles wieder reinstopfen, noch mal über den Motor kriechen und weiter überlegen. Manchmal stopfe ich auch einfach Sachen in einen der Salonschränke. Räum ich den also auch leer und finde ... den zweiten Autopilot-Computer!!! Der Rest ist einfach. Wieder auf den Gewindestangen Platz nehmen, alle Kabel und Anschlüsse von Computer Nr.1 abschrauben, Computer Nr.2 an seine Stelle setzten, alle Kabel wieder ran und Autopilot einschalten. Erwartungsfroh Knöpfchen für rechts drücken, Pumpe schnurrt los, Ruder dreht nach links! O.k., kleiner Schönheitsfehler. Jetzt Luftanhalten und auf`s andere Knöpfchen drücken: Pumpe surrt, Ruder dreht (logischerweise) auch in die verkehrte Richtung. Brauch ich bloss noch schnell die Anschlusskabel der Pumpe andersrum anklemmen - jetzt funktioniert alles so, wie es soll!!! SECHS Stunden quäle ich mich rum und am Ende war das Problem ein Teil, das in `ner Viertelstunde ausgetauscht werden kann! Gut, wenn man es gefunden hat. Wieso hab ich Hirni nicht gleich am Anfang die Pumpe einfach mal direkt an die Batterie geklemmt??? Hatte sogar schon Kabel dafür rausgekramt ... Egal, ich roll die Genua raus, schalte den Autopilot ein und zünde mir mit zufriedenem Grinsen erstmal `ne Zigarette an. Irgendwann wird Marion kurz wach, stellt fest, dass wir wieder segeln und fragt schlaftrunken: Geht der Autopilot jetzt wieder? Und ich so gSpaanse Water-Bucht mit Tafelberg anz beiläufig (mit `ner Brust, wie Sylvester Schwarzenecker in seinen besten Zeiten): Ja sicher, wieso fragst du?

Dienstag, 14.01.2014
War ja irgendwie klar, dass wir gestern, kaum in Curacao angekommen und die Kanaldurchfahrt zum Ankerplatz in Spaanse Water hinter uns, von einer dicken Regenwand eingeholt werden. Fette Windböen, Platzregen - klatschnass, dafür mit sauberem Deck, schmeissen wir unseren Anker hinter der “Shassada” ins trübe Wasser. Arnim und Barbara sind happy, ihren neuen Motor endlich in Empfang nehmen zu können und wir, dass die Achterkabine nun wieder bewohnbar ist. Innerhalb einer Stunde werden wir mit allen wichtigen und unwichtigen Informationen versorgt, verschieben das Einklarieren auf den nächsten Tag, holen `ne Runde Schlaf nach (ich), räumen die Gästekabine leer und putzen im Schnelldurchgang durchs Schiff (Marion), basteln uns noch irgendwas zum Essen und fallen todmüde in die Kojen. Heute müssen wir dann erstmal Die beiden Erholten - Barbara und Arnim als Empfangskomiteeeinklarieren. Das macht man in der Inselhauptstadt. Willemstad heisst die. Fährt `n Bus hin, jede Stunde. Wissen wir von Barbara. Sie hat uns sogar mit Geld für`s Busticket versorgt. Aussteigen müssen wir an der Endstation, Stückchen geradeaus laufen und schon sind wir beim Zoll. Der hat fast alle Daten von uns schon im Computer, weiss, wann wir in Surinam waren, wann in Trinidad ... bisschen beängstigend! Was der Computer noch nicht weiss, wird jetzt “nachgefüttert” - beim nächsten Mal geht`s noch schneller, versichert uns die nette Dame. Wir sind uns jetzt nicht ganz sicher, ob wir nicht sieben Fragebögen in dreifacher Ausführung ohne Blaupapier besser finden. Wenn das so weitergeht, wissen die im nächsten Hafen ja schon wann ich das letzte Mal auf`m Klo war und ob ich auch gespült habe ... Egal, anschliessend geht`s über die Konnigin Emmabrug, die beide Stadthälften miteinander verbindet, dann nach rechts, immer am Wasser lang bis zur Immigration. Die wissen hier noch nicht soviel über uns, sind aber trotzdem nett, lassen uns zwei Fragebögen ausfüllen und drücken `nen Stempel in die Pässe. Supi! Jetzt noch zum Hafenmeister. Der sitzt gleich gegenüber und hier muss man auch was bezahlen. Aber nur, wenn die Computer funktionieren. Machen sie gerade nicht. Wir sollen morgen wiederkommen oder übermorgen oder ... Haben wir jetzt glatt noch zwei Stunden Zeit, bis unser Bus zum Flughafen fährt. Also lempeln wir ein wenig durchs Städtchen. Drei Kreuzfahrtschiffe liegen gerade hier und genauso sieht die Stadt auch aus. Kunterbunt, blitzeblank und voller Geschäfte, um den Touris auch das Geld aus den Taschen zu ziehen. Postkartenmotiv eben. Kann man mal durch schlendern, `n überteuertes Bier trinken und dann reicht´s auch. Zum Glück fährt dann unser Bus, sogar direkt zur Empfangshalle des Flughafens. Und da können wir endlich unseren Besuch knutschen. Bisschen blass, mit drei prallen Reisetaschen stehen sie in der Sonne: Veit, mein bester Freund seit ungefähr hundert Jahren (na ja, also seit der Schulzeit) und Hexe. Im Ausweis steht eigentlich ein anderer Name, aber alle nennen sie Hexe - gewöhnt man sich nach `n paar Tagen dran. Zurück am Boot schieben wir die zwei erstmal in ihre winzige Kabine, die Taschen passen kaum noch mit rein. Macht nichts, das Meiste ist sowieso für uns - meint Hexe jedenfalls. Sie durfte ja nur `n Bikini und zwei T-Shirts einpacken. Ein riesiges Paket Lindt-Schokolade für Marion (DANKE, CHRISSI UND SVENI!!!! :), eine prall gefüllte Arzneikiste (DANKE AN UNSERE HAUSÄRZTE, ANGELA UND ANDREAS!!!! :), ein neuer Solar-Laderegler, Tankgeber und diverses anderes “Spielzeug” für mich. Hurra, Bescherung! Ist ja wie Weihnachten! Jetzt zückt Veit noch vier Flaschen Grappa (für mich :)- schöner als Weihnachten!!! Und weil keiner Lust hat zu kochen und wir auch nichts mehr haben, was man kochen könnte, tuckern wir zu der kleinen Kneipe am Dingi-Anleger. Da kann man gut und preiswert essen, hatten Arnim und Barbara gemeint. WIE JETZT???!!! 14 Dollar für`n Essen??? Dafür haben wir in Venezuela `ne ganze Woche geprasst. Beide! Die “wirkliche” Karibik hat uns wieder. Na, lange wollen wir hier ja nicht bleiben. Bloss schnell `n bisschen was bunkern und dann nichts wie weg - zurück zu den Aves! Andererseits, zwei Bier später und als Veit darauf besteht, uns einzuladen, ist es eigentlich ganz gemütlich hier und die Conch sind wirklich lecker ...

 

Mittwoch, 15.01.2014
Immerhin haben sich alle schon mal sortiert und jeder weiss jetzt, wo er schläft, wo auf`s Klo, wo die Stullenbretter stehn und wo der Rum. Bueno! Bloss mit dem armseligen Denn ma´Prost!!Frühstück konnten wir nicht so richtig punkten. Vier Wochen nach dem letzten Einkauf ist das Angebot an Tomaten und Salami eben etwas beschränkt. Das wollen wir ändern! Machen wir uns also allesamt auf zum Supermarket. Ist ganz einfach hier, jeden Tag sammelt ein Bus die einkaufswilligen Segler am Dingi-Ponton ein. Zahlt der Markt! Hoffen die natürlich, dass die dauersparsamen Segler `ne Stunde später auch mit prall gefüllten Taschen die Gratis-Heimreise antreten. Klappt bei uns ganz gut, nachdem die Ess- und Trinkgewohnheiten der alten und neuen Crew analysiert und einkaufswagenfülltechnisch umgesetzt wurden. Hexe kriegt jetzt ihre Cervelatwurst zum Frühstück, Veit sein Wasser mit Blubber, Marion Vitamine und ich ... hab ja zur Not noch jede Menge Dosen in der Bilge :-) Und über die hiesigen Restaurantpreise brauch ich mir heute auch noch keine Kopfschmerzen machen, wir sind schon wieder zum Essen eingeladen - Barbara und Arnim wollen sich für unsere “unsäglichen Strapazen” beim Aussenborderkauf bedanken. Mit einem Essen im exquisiten Restaurante. So mit Meerblick, dekorativ angeordneten Salatstengeln auf dem übergrossen (dafür selbsWandern wir mal ...tverständlich vorgewärmten) Teller und unverschämten Preisen. Stört uns heute aber nicht. Wir müssen ja nicht bezahlen :-) Wenn ich die Schilderung vom Motorkauf noch `n bisschen mehr aufgebauscht hätte, hätt`s bestimmt auch Shampagner gegeben :-) So gibt`s den Edel-Absacker in Form eines vom Munde abgesparten Exclusiv-Rum auf der “Shassada”. Hab ich ja keine Ahnung von, aber Arnim hört gar nicht wieder auf von seinem Geschmack und Aroma zu schwärmen und er hatte auch tatsächlich noch nicht genascht davon. Na dann, SALUD!

Donnerstag, 16.01.2014
Veit ist ja auch stolzer Segelbootbesitzer. So seit `nem knappen Jahr. Und will natürlich, wie jeder Bootsbesitzer, noch jede Menge “nachrüsten”. Brauch ich ihn also nicht lange zu überreden, “mal kurz” bei Budget Marine reinzuschauen, dem Supermarkt für den Bootsbesitzer. Hatte ich gestern in der Nähe des SupermarkFür den Ausblick kann man doch schon mal den ein oder anderen Kilometer zurücklegen, oder?tes entdeckt. Und weil Marion keine Gelegenheit zum Latschen auslässt, tönt sie auch sofort: Da können wir ja hinwandern! Das war ja nicht so weit! Die Betonung liegt auf SOOO! Stimmt natürlich nicht, der Laden liegt in etwa auf der anderen Seite der Insel und der Weg dahin ist stinklangweilig. Immer schön die Hauptstrasse lang, durch`s Gras, ab und zu erschrecken wir `ne Eidechse oder die hupend vorbei rasenden Autos uns. Gehwege gibt`s hier nicht! Wozu auch, ausser uns ist niemand zu Fuss unterwegs. Zum Glück sammelt uns auf halbem Weg ein Bus auf. Auf dem Rückweg sind wir gleich so klug und steigen da ein. Aber nicht, dass wir schon ins Schlauchboot springen könnten - Marion fühlt sich wandertechnisch noch nicht ausgelastet und “zwingt” uns zum nächsten Spaziergang: Einmal um die Bucht rum, da soll´s Flamingos geben (lt. Barbara). Stimmt auch nicht. Jedenfalls heute nicht. Gut, dafür haben wir, nachdem wir uns kilometerweit bergauf geschleppt haben, eine super Aussicht über die BucShassada ankeraufht von Spaanse Water und auf´s MEER. Da ist heut Wasser drin. Damit ich von meinem korrekturlesendem Weibchen nicht gleich wieder kritisiert werde, dass ich immer alles soooo negativ schildere, gebe ich also zu: Die Aussicht war schön! Das Abendessen auch. Bei Norman, das ist die gemütliche Open-Air-Kneipe am Dingi-Anleger. Kurze Wege, lecker Essen und kaltes Bier! Wenn die Preise bloss nicht so heftig wären ...

Freitag, 17.01.2014
Arnim und Barbara tuckern winkend an uns vorbei, sie brechen auf nach Sint Maarten. Wollten ja sie schon vieeeel früher, ging aber nicht, weil wir mit dem Motor so getrödelt haben. Von wegen, wir waren nur so langsam weil unser Boot mit ihrem dicken Motor so schwer war! Wir wollen auch los. Nach Bonair. Morgen. Müssen wir also erstmal ausklarieren. Kriegen die Männer ein sauberes T-Shirt übergestreift (Frauen sind ja von Natur aus schick), Veit hängt sich die Handtasche um und los geht´s. Veit trägt neuerdings immer Handtasche. Hat er früher nicht gemacht. Muss man sich auch erstmal dran gewöhnen. Genau wie an den Namen Hexe. Ihr gehört eigentlich auch die Handtasche. Muss sGuckst du. Brücke geht auf.ie immer mit dabei haben, will sie aber nicht tragen. Das macht ja Veit. Deswegen will er jetzt auch bei jedem neuen Handtaschenkauf ein Wörtchen mitreden. Schliesslich läuft er damit rum :-) Dem Zoll tun wir unsere morgige Abreise kund und der Immigration, dass wir jetzt zwei Personen mehr sind auf der Crewliste. Müssen sie halt vier Pässe stempeln. Beim Hafenmeister lassen wir uns gar nicht erst blicken, einen Tag vor der Abreise wollen wir auch keine Gebühren mehr bezahlen. Bleibt noch genug Zeit zum Stadtbummel. Bunt, geschäftig und sehr überschaubar. Holländische Kleinstadt in der Karibik eben. Gehören natürlich auch diverse Kanäle und Klappbrücken dazu. Am spannendsten ist die “Konnigin Emmabrug”. Die wird nicht geklappt. Die Fahrbahn ruht auf unzähligen Pontons, die wie LastkähneDer venezolanische  Mercado flotando in Willemstad (die Boote liegen hinter den Verkaufsständen) aussehen und der letzte hat einen Motor. Tuckert das Ding los, dreht sich die ganze Konstruktion auf ihren schwimmenden Kähnen zur Seite, damit die dicken Kreuzfahrtschiffe auch durch passen und ihre Touris auf die Stadt loslassen können. An einem Kanal liegen einige venezolanische Boote und versuchen frisches Obst und Gemüse loszuwerden. Sind sie bei uns recht erfolgreich mit. Ein weiteres Highlight des Städtchens ist ein schattiges Plätzchen in den Gassen, wo man ein würziges, kaltes Getränk in Gläsern reicht. Mit Schaum drauf! Echt erfrischend! Und weil von unserem Haufen Dauerfaulis und Urlaubern keiner Lust zum Kochen hat, fallen wir abends wieder in Norman`s Bar ein. Heut ist BBQ-Abend. Mit Lifemusik. Angekokelte Fleischberge auf Plastikteller, coole Mugge, jede Menge schwatzender, schmatzender und trinkender Segler, super Stimmung - da stösst einem selbst der Bierpreis nicht mehr auf :-)

Sonnabend, 18.01.2014
Bevor wir den Anker hoch zotteln, müssen wir doch noch so`n bisschen was bunkern. Dafür gibt`s ja den Vreugdenhil-Supermarkt mit Bus-Shutle. Bequemer geht nicht. Wenn bloss die nasse Schlauchbootüberfahrt nicht immer wäre. Wir haben schon gepunktete Kinder-Regencapes gekauft - hocken wir jetzt immer wie die Heinzelmännchen mit Kapuze im Gummiboot. Sind wir nur noch halb so nass. Und die Einkaufsbeute steckt sicher in Plastetüten. Veit`s Handtasche auch :-) Um Eins leiern wir den Anker endlich hoch und tuckern aus der windigen Bucht. Tagesziel: Klein Curacao! Aber schon in der Kanalausfahrt ist erstmal Pause. Mir ist aufgefallen, dass die angezeigte Ruderstellung des Autopiloten nicht mit der wirklichen übereinstimmt. Kein Problem, kann man kalibrieren. Gibt ja kein besseres Plätzchen für solche Übungen, als eine schmale Kanaldurchfahrt! Klappt aber, ohne an eins der steinigen Uferseiten anzuditschen. Wenig später sind wir dann doch auf dem Meer - fetter Gegenwind, darf der Motor also den venezolanischen Diesel verheizen, der Autopilot übernimmt das Steuern - ERHOLUNG! Na ja, bloss das Hämmern des Diesel stört und die blöden Wellen und irgendwann auch das nervige Piepsen vom Autopiloten. Der hat `n Antriebs/Steuerfehler, meldet er. Sehe ich auch, wir fahren ja in die verkehrte Richtung. Wieder Einschalten - das selbe Gepiepse! Das fängt ja gut an! Gut, bis klein Curacao sind`s ja nur 12sm, kann man auch mit der Hand am Steuerrad drehen. Dafür ist das Ding schliesslich da. Bin ich bloss nicht gewohnt! So schlecht mach ich das aber wohl nicht, wir finden das Inselchen, die letzten Touris fahren gerade auf ihren Ausflugsbooten an uns vorbei zurück nach Curacao, wir lassen den Anker ins klare Wasser plumpsen - einsamer, langer Sandstrand, Palmen, ein paar strohgedeckte Hütten, ein Leuchtturm und zwei Wracks auf der anderen Inselseite. Sieht doch cool aus. Da machen wir uns doch gleich mal zu `ner schönen Inselwanderung auf. Morgen! Jetzt ist Feierabend! Ausser für die Frauen. Die müssen kochen. Und für die Männer auch nicht. Die haben keine Lust, die nächsten Tage am Ruder zu drehen und machen sich am Autopilot zu schaffen. Dauert nicht lange - Hydrauliköl fehlt! Und vor Anker kriegt man das auch fast ohne zu kleckern eingefüllt. Aber jetzt gibt`s die kalte Feierabenddose!

Sonntag, 19.01.2014
Marion ist ein bisschen traurig, der Käpt`n hat den Landgang gestrichen. Der Wind hat gedreht. Auf Südost. Rollt eine eklige Dünung längs der Insel und wir rollen mit. Hin und her, hin und her ... Rutschen einem glatt die Stullenbretter vom Frühstückstisch! Aber der Wind passt nach Bonair. Können wir hinsegeln! Machen wir dann auch. Aber vorher muss ich mit Veit noch sein neuestes Spielzeug am Mast befestigen: eine Action-Cam. Geiles Teil. Klitzeklein, wasserdicht, macht Videos in HD, Fotos, wenn man drauf besteht und das coolste ist, das Ding lässt sich per Wifi steuern. Sitzt man dann gemütlich und trocken im Cockpit, glotzt auf seinen Tablet oder Wisch-Handy und sieht, was die Kamera gerade so vor der Linse hat. Tippt man mit dem Finger auf`s Tablet und schon dreht die Kamera im Nassen ihre Videos. Macht Veit auch gleich mal. Haben wir jetzt einen tollen Film, wie Marion den Anker hochnimmt,  wir langsam lostuckern, die Segel ausrollen ... und dann ist der Akku alle :-) Kein Film, wie wir schön schräg segelnd in die Wellen krachen, das Wasser übers Deck spült, die nächste Welle heran rollt, die sich durch die unverschlossenen Deckslüfter ihren Weg ins Schiffsinnere sucht, die Betten in der Vorderkabine und die Küche flutet, eine leicht angenervt wirkende Bordfrau mit Schüssel und Lappen durch das Chaos wischt ... Ist eben nicht so einfach, so`n Neueinstieg ins Filmgeschäft :-) Aber nicht nur der Kamera-Akku hat sich gegen uns verschworen, der Wind auch. Er dreht langsam zurück auf Ost. Mit Ach und Krach schaffen wir es fast bis Erste Schnorchelversuchezur Nordspitze von Bonair und entscheiden uns gegen sportliches Aufkreuzen der letzten 8sm und für den Stinkediesel. Marion verdreht die Augen bei dem Gedanken, was in den Schränken alles so durcheinander kracht wenn wir in die Wellentäler donnern, aber irgendwann sind wir im Schatten der Insel, die Wellen werden kleiner, wir schneller und halb sechs greifen wir uns, glücklich die nasse Überfahrt hinter uns zu haben, eine Mooringboje vor Kralendijk, der Inselhauptstadt. Einklariert wird morgen!

Montag, 20.01.2014
Ist schon geil, wenn der Bootshintern so direkt über der Riffkante schwebt und man den Tag erstmal damit beginnt, mit Schnorchel und Maske ins kristallklare Wasser zu springen, um die Fische zu besuchen. Sogar Hexe macht ihre ersten Schnorchelversuche. Klappt noch nicht so ganz. Atmen durch die Nase ist eben blöd, wenn die in `ner Schnorchelbrille steckt :-) Einklarieren geht hier super, Zoll und Immigration sitzen in einem Büro, alles unkompliziert, die Beamten nett - sind wir schnell mit durch. Stadtbummel! Geht genauso schnell. Bunte Häuschen, eine Geschäftsstrasse voller Boutiquen, Souvenirläden und Restaurants - hier legen die Kreuzfahrtschiffe eben auch an. Aber alles viel kleiner und gemütlicher als auf Curacao. So richtig schön tranquillo. Gefällt uns. Was uns spontan (so genüsslich in einer schattigen Bar am Kaltgetränk nuckelnd und dem gemächlichem Treiben zuschauend) zu dem Plan verleitet, eine Inselrundfahrt zu machen. Gleich morgen! Brauchen wir nur noch das passende Gefährt. Machen wir uns also auf die Suche. Autoverleih, Fahrradverleih ... dann zuckt Veit zusammen: ein Harley-Davidson Verleih. Das ist es! Wir, gemütlich mit zwei fetten Harleys über die Insel donnernd. Mein Blick fällt auf die Preistafel, äh ... Veit lädt uns ein. Super Idee,Esel voller Kaktusstacheln - dem kann geholfen werden :) mit den Harleys! Nun wollen aber Motorradverleiher auch auf gemütlichen, kleinen Karibikinseln einen Führerschein sehen. Veit`s liegt in Hamburg. Hat er extra rausgepackt. Damit der schön warm und trocken bleibt. Braucht man ja nicht zum Segeln. Wir machen morgen trotzdem unsere Inselrundfahrt. `n Stückchen weiter war ein Fahrradverleih ...Quer durch den Busch :)

Dienstag, 21.01.2014
Nach den Gesetzen der Physik müsste sie umfallen. Hexe. Auf ihrem Hollandbike. Die Balance auf so ´nem Fahrrad zu halten setzt ja voraus, dass man eine gewisse Mindestgeschwindigkeit hat. Hat Hexe nicht. Sie fällt trotzdem nicht um. Wo kommt eigentlich ihr Spitzname her ... ? Irgendwie kommen wir trotzdem vorwärts, die grosse Inselkarte steckt zusammengefaltet in der Hosentasche, über staubige Sandwege, durch Kakteenwälder, vorbei an wilden Eseln, Ziegen, erschreckt davon hetzenden Leguanen, wir entdecken die sackförmigen Nester der Webervögel, Sittiche, jede Menge Flamingos, wandern ein Stück an der windigen Ostküste lang, entdecken riesige Muschelberge an der riffgeschützten Lac Baai und eine kleine Bar (Zisch! Zisch! Zisch! Zisch!), strampeln weiter zurück zur Westseite, zischen noch mal, aber diesmal beim Baden und sPause tellen pünktlich um fünf unserem Verleiher die staubigen Räder wieder vor die Tür. Schöner Ausflug! Werden alle prima schlafen heute :)

Mittwoch, 22.01.2014
Heut liegen sogar zwei dicke Kreuzfahrer hier. Verdoppelt sich mal schlagartig die Bevölkerungszahl des Inselchens. Na ja, fast. Fällt also nicht weiter auf wenn vier Leutchens fehlen - wir wollen weiter. Zu den Aves. Morgen früh. Ganz früh! Müssen wir also noch ausklarieren und ein bisschen was einkaufen. Ausklarieren geht einfach, Einkaufen für vier verschiedene Geschmäcker ist schon etwas schwieriger. Tomaten, Kartoffeln, Knoblauch, Zwiebeln, Mehl zwecks Brotbacken, Wasser mit Blubber, Wasser ohne, Cola die wie Cola schmeckt und Cola Zero, die aber genauso schmeckt, Cervelatwurst und Gehacktes, Fleisch und Würste, Käse für die, die ihn mögen, kein Käse für den Rest, lieblicher Wein und trockener ... verschiedene Geschmäcker wie gesagt. Und weil es der letzte Abend in der “Zivilisation” ist gehen wir lecker essen. Gemütliches Open-Air-Restaurant mit Seeblick. Der lässt sich auf einer kleinen Insel ja kaum verhindern. Da waren wir gestern auch schon. Wegen dem vorletzten Abend in der “Zivilisation” :-) Da gibt´s lecker Chivito! Nationalgericht in Uruguay! Grosser Fleischbatzen, Schinken drauf, Käse drauf, Ei drauf, dazu `n Berg Pommes und wer will, kann das Grünzeug drumherum ja auch noch mitessen.

Donnerstag,23.01.2014
Ich mein, der Tag hat ja schon Sch... angefangen: kurz vor sechs Abfahrt! Da macht sich ja keiner eine Vorstellung von, wann man da aufstehen muss! War meine Idee. Vielleicht sollteVonwegen Urlaub ... ich das mit dem Rum lassen ... Wind genau von vorne, 15 bis 20kn! Prima! Wären wir im Leben nicht auf die Idee gekommen, da gegenan zu knüppeln, aber ich will unsere Urlauber ja unbedingt zu den Aves schippern. Durch Knurren gibt Marion mir zu verstehen, was sie von meiner Idee hält. Der nächste, der nörgelt, ist der Autopilot. Der knurrt aber nicht, der piepst ganz aufgeregt. Antriebsfehler! Sind ja nur noch 40sm bis Sotavento, die kann man ja auch mit der Hand steuern. Immer schön auf den Kompass glotzen und hoffen, dass irgendwann mal `ne Insel auftaucht. Machen wir dann abwechselnd. Veit und ich. Und wie ich so in meiner Freiwache auf die Stromanzeige blicke, kommt der nächste Nackenschlag: da lädt nichts! Ich mein, der Stinkediesel dröhnt so vor sich hin, da müssten jetzt mindestens 20 Ampere Ladestrom fliessen! Unser Hightech-Lichtmaschinenladeregler blinkert lustig mit verschiedenen LEDs vor sich hin - Batterien zu heiss, meldet das Geflacker. In der nächsten Freiwache arbeite ich mich dann bis zu den Batterien vor. Die sind im Flurschrank. So unter ca. 2t Ausrüstung. Bei dem Seegang sind es eher 3. Da ist nix heiss! Ist die Lichtmaschine etwa platt??? Na wenigstens verbraucht der Autopilot keinen Strom, kommt es etwas spitz von meiner, unbequem auf der Cockpitsitzbank hin- und herrutschenden Bordfee. Aber irgendwann tauchen die Inseln am Horizont auf, irgendwann auch Delfine, die Wellen werden kleiner, das Wasser schimmert nicht mehr tief- sondern hellblau, mit den Tracks von unseren namibischen Freunden lotst Marion mich durch die Riffe, bis wir in einer geschützten Bucht vor der Isla Grande unseren Anker schmeissen. War doch gar nicht sooo schlimm. Bloss allein sind wir hier nicht. Neben uns schaukelt ein kleines Bötchen, die “Altep” von Abel und Francoise, die auch gleich zum Hallo sagen längsseits kommen. Das sind die beiden, die vor drei Wochen auf Cayo Herradura unseren Barrakuda testen mussten und überlebt haben :-)

 

Freitag, 24.01.2014
Am besten melden wir uns erstmal bei der Guarda Costa an. Die sitzen auf der selben Insel, bloss am anderen Ende. Mit dem SchlauchbötcIm Inselbüro der Guarda Costa - die Beamten sind hier, wie andernorts auch, sehr freundlich und korrekthen suchen wir uns einen schönen Platz zum Anlanden und wandern los. Ewig langer Sandstrand, ein paar Palmen, das Wasser schillert in den herrlichsten Blautönen - so sehen Postkartenbilder aus! Auf dem letzten Ende kommen uns schon zwei Guarda-Typen entgegen, die Kalaschnikow lässig vorm Bauch und zwei grossen Hunden vorneweg, was Veit zu einem spontanen Sprung ins Wasser verleitet. Nicht wegen der Hunde, die Guarda-Jungs haben ihn da reingeschickt. Sagt er:-) Immerhin weiss er jetzt, dass die modernen Wisch-Handys wasserdicht sind. Im Camp sind alle supernett - woher, wohin, warum wir uns nicht über Funk angemeldet haben und wie lange wir bleiben wollen? Ich erzähle brav, dass unsere Funke kaputt ist, wir auf dem Weg zu den Los Roques sind und wegen defekter Hydraulikpumpe hier stoppen mussten und ein paar Tage brauchen, um alles zu reparieren. Verständnisvolles Nicken, kein Problem. Jetzt werden die Papiere raus gekramt und ganz gemächlich Punkt für Punkt abgefragt. Das dauert! Damit wir auch durchhalten, gibt´s Wasser mit Eis zur Erfrischung. Wie viele Rettungsringe, habt ihr Waffen an Bord - klar dürft ihr Fotos machen - wieviel Trinkwasser, wieviel Zigaretten ... die Liste ist lang. Nach zwei Stunden sind wir endlich mit durch, der Jefe versichert noch mal, dass wir bleiben können solange wir wollen und uns bei der Abfahrt bloss über Funk abmeldTraumstrand mit Hexe und Veiten sollen. Machen wir! Ach ne, eure Funke ist ja kaputt! Jetzt hätte ich mich doch beinah verquatscht. Äh, ich hab noch `ne Handfunke, da muss ich nur die Batterien aufladen! Zurück am Boot, schmeissen wir dann das Schnorchelzeug ins Dingi und tuckern zum nächsten Riff. Bunte Fische glotzen! Davon gibt`s jede Menge, ich dabei natürlich wieder den Grill im Hinterkopf. Aber heute brauchen sich die Fischlein noch nicht vor mir zu verstecken, im Kühlschrank liegt reichlich Gehacktes aus`m Supermarkt. Da wollen die Frauen was Essbares draus zaubern. Und weil der Kühlschrank mit den schönen kalten Dosen drin durch die köchelnden Damen versperrt ist, machen Veit und ich noch einen Ausflug zum östlichen Inselende. Zwei Männer einsam am Strand, zwischen Krabben, kreischenden Seevögeln und Eidechsen - die Wellen brechen sich über`m Riff, Wasser fliegt durch die Luft, die Sonne neigt sich langsam dem Horizont zu ... und die Dosen in der Hand werden allmählich warm. Natürlich sind wir nicht los, ohne doch noch was mit rauszuschmuggeln :-)

Sonnabend, 25.01.2014
Sotavento besteht aus einem grossen, halbmondförmigen Aussenriff und `ner Handvoll Inseln darin. Heut wollen wir weiter zur nächsten. Eigentlich sind es drei kleine Inselchen nebeneinander. Wieder Postkarten-Idylle - Sandstrände, Palmen, Riffe - einfach zum Hinknien! Wenn bloss der Anker irgendwo halten würde! Wir probieren es vor der grössten Insel, zwischen zweien, immer wieder - er will sich einfach nicht in der dünnen Sandschicht über den Korallengestein eingraben. Letztendlich entscheiden wir uns für ein Plätzchen vorm Strand der westlichsten Insel, Isla Palmera. Wenn der Wind zunimmt und der Anker ausbricht treiben wir “bloss” auf`s Meer und nicht in irgendwelche Riffe. Unsere Urlauber setze ich an Land aus und verkriech mich anschliessend im Motorraum: das Lichtmaschinen-Problem! Ist zum Glück gar keins, der Keilriemen ist bloss lose. Da hilft einfach mal nachspannen. Jetzt ist er auch am Anschlag. Und so richtig gut sieht er nicht mehr aus. Müssen wir uns unbedingt einen neuen kaufen. Kommt gleich auf die “to-do-Liste”. Die wird irgendwie auch immer länger ...

Sonntag, 26.01.2014
Wieder Platzwechsel. Zur Isla Curricai. Knapp 1,5sm entfernt. Dafür mach ich nicht mal die Luken zu. Marion schon. Sie hat ihre Putzaktion nach der letzten Salzwasserdusche noch gut in Erinnerung. Der Anker hält diesmal auch besser und falls nicht, hinter uns ist ja bloss Meer ... Inselbeschreibung wie gehabt, Sandstrand, Palmen, türkisfarbenes Wasser ... und ein kleines Fischercamp. Werden Veit und Hexe wieder drauf ausgesetzt. Mir ist nämlich eingefallen, dass in den Tiefen meiner Ersatzteilbilge doch noch ein Keilriemen liegen könnte. Liegt tatsächlich einer! Wird das hauchdünne alte Modell also gleich ersetzt. Und wo Werkzeug und Ersatzteile eh schon so schön verteilt rumliegen, könnte ich doch auch gleich den neuen Ultraschall-Tankgeber einbauen, den Veit mitgebracht hat. Muss ich bloss den alten Geber abschrauben und den neuen wieder drauf - erkläre ich Marion. Stimmt auch fast. Wenn denn das Bohrloch für den neuen Geber passen würde. Ist aber zu klein. Fang ich an, mit der Feile an dem Löchlein überm fast vollen Dieseltank rumzukratzen. Wenig hilfreich. Besser geht`s dann mit dem Dremel. Mann kann eben nicht genug Werkzeuge und Maschinen mit sich rumschleppen :-) DauerWetter, Wetter, Wetter, ... aber überhaupt kein Grillwetter!t trotzdem fast `ne Stunde bis das Löchlein gross genug ist und sich der Schleifstaub schön im Dieseltank verteilt hat. Dafür den gibt´s ja die Filter. Den neuen Geber anschrauben und wo eh schon alles voller Dreck und Staub ist, kommt´s auch nicht mehr darauf an, wenn ich gleich noch ein Kabel zum Paneel in der Naviecke ziehe. Der neue Geber braucht eine Ader mehr und später kommen ja auch noch die Geber für die Wassertanks dazu ... Das Anschliessen und Programmieren am Tankmonitor ist dann schon fast Spielerei. Schnell noch das Schlachtfeld aufräumen und dann zur Insel düsen, unsere sonnenverbrannten Urlauber wieder einsammeln. Aber vorher noch ein kurzes Schwätzchen mit den Fischern. Acht sind es insgesamt, für einen Monat bleiben sie immer hier und selbstverständlich dürfen wir ihren Grillplatz mitbenutzen. Wieviele wir denn sind? Vier. Zwei Stunden später kommen sie mit ihrem Boot längsseits und reichen zwei Fische hoch. Gracias!!! Im Tausch geben wir `n Six-Pack venezolanisches Bier runter. Deutsches wäre ihnen vermutlich lieber gewesen :-) Schnell die Fische ausnehmen, Grillzeug ins Picknickkörbchen schmeissen und ... auf eine dicke, fette Regenwand starren. Äh, da kochen wir dann doch lieber an Bord!

Montag, 27.01.2014
120L Diesel in Kanistern haben wir seit Venezuela auf dem Deck spazieren gefahren - die passen jetzt alle in den Tank! Bin ich doch ein bisschen baff, was unser StinkeStrand-BBQ - voll lecker der Fisch (auch der Kalmar)diesel beim “Gashebel nach vorn” und Gegenan-Stampfen nach Klein Curacao und Satovento so verbraten hat. Schliesslich sind wir mit randvollem Tank aus Puerto La Cruz losgefahren und hatten bis Curaco gerade mal 10 gemütliche Motorstunden weg :-( Heutiges Tagesprogramm, so wie im richtigen Leben: Die Weibchen bleiben in der Höhle und machen die Hausarbeit, sprich Hexe wäscht (weil sie ja nicht soviel Klamotten mitnehmen durfte) und Marion backt frisches Brot. Zwei sogar, eins davon ist für die Fischer. Und die Männer ziehen auf die Jagd! Genauer gesagt, sie schmeissen Schnorchelzeug und Harpunen ins Schlauchboot, springen hinterher und düsen um die Insel zu einem Riff. Anker ins Wasser und wir hinterher. Korallen ohne Ende (klar, so`n Riff besteht ja nunmal daraus), Fische zwar auch, aber das Auswahlkriterium heisst nunmal: wohlschmeckend und Grillgrösse! Papageienfische, Kofferfische, Kaiserfische ... die wollen wir alle nicht! Damit ich nicht vorm leeren Grill hocken muss, schiesse ich wenigstens einen Kalmar, der gerade ahnungslos vor mir her schHat Hexe schon gelernt, die sind nicht gefährlich ;)wimmt und mit einer schwarzen Tintenwolke den Treffer quittiert. Als ich gerade durchgefroren ins Schlauchboot klettere, kommt Veit auch ganz aufgeregt angeschwommen. Einen schönen Barsch im Schlepp! Ist er natürlich stolz wie Bolle, sein erster gespeerter Fisch! Den muss er dann auch selber ausnehmen. Mit den zwei Fischen von gestern und dem Kalmar sieht der Grill auch gar nicht mehr so leer aus, dazu Folienkartoffeln, Getränk aus Dose, die Kulisse wie aus`m Werbefilm - ham wir das gut!!!

Dienstag, 28.01.2014
Es bläst kräftig, da mögen die Männer nicht auf die Jagd. Selbst die Fischer bleiben in ihren Hängematten. Marion konnte ja gestern schon mit ihrem Brot bei ihnen punkten, heute helfen wir ihnen auch noch unsere leeren Dieselkanister über. Morgen bringen sie uns auch wieder Fisch, heute ist es ihnen zu kalt. Ob wir auch ein Aggregat für Wasser haben? Claro! So`n bisschen Wasser könnten sie gebrauchen. Füllen wir ihnen also 100L in ihre Wasserkanister. Ansonsten ist kreatives Faulenzen angesagt. Jeder muss selbst sehen, wie er den Tag rumbringt. Ich verbrenne Müll, Marion verpasst mir am Strand `ne neue Frisur, Veit liest an seinem Krimi (in dem es, seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, von Bösewichtern nur so wimmelt) und Hexe sammelt fleissig weiter Muscheln, die Veit dann in seiner Reisetasche am Zoll vorbei nach Hamburg schmuggeln soll :-)

 

Mittwoch, 29.01.20Ist ja wie bei Hitchcock14
Saki Saki heisst die nächste Insel. Muss man doch unbedingt mal gewesen sein! Knapp `ne Meile entfernt, das machen wir mit dem Schlauchboot. Marion bleibt an Bord. Als Ankerwache sagt sie. Und `n Brot hat sie auch noch im Ofen. Ich denk, sie will bloss nicht nass werden. Mach ich eben unsere Urlauber nass. So richtig! An der Südwestseite soll es einen Strand zum Dingianlanden geben. Gibt`s tatsächlich, aber die Durchfahrt durch die Riffe ist ganz schön trickig. Wäre ja echt blöd, so kurz vorm Strand mit aufgeschlitztem Schlauchboot abzusaufen. Wir kommen heil durch, zerren das Bötchen den Strand hoch und werden erstmal von tausenden, aufgeregt kreischenden Vögeln begrüsstSchöner als Sandsammeln!. Die nisten hier. Und wir stören! Können wir aber keine Rücksicht drauf nehmen, Inselumrundung gehört nunmal zum Touri-Programm. Zum Glück ist die ja nicht sooo gross, aber dafür jeden Meter Fussweg wert! Traumstrände, tolles Wasser, Palmen ... kennen wir ja alles schon, aber diesmal kommen noch die nistenden Schreihälse, nach Luft schnappende Schildkröten und Traumriffe zum Schnorcheln dazu. Ein Schnorchelparadis geradezu! Da muss ich Marion unbedingt herholen. Ich verspreche Veit und Hexe, auf jeden Fall wieder zukommen, taste mich durch die Ausfahrt und krache mit Vollgas durch die Wellen zurück zum Boot. Marion will nicht. Aber ich weiss ja, wie ich sie ködern kann. DA GIBT`S SAND! Schon sitzt sie mit Plastetütchen im Schlauchboot. Hexe hat inzwischen neue Muscheln, die noch in Veit`s Reisetasche passen, gefunden, der ist am Schnorcheln Getauscht gegen Trinkwasserund ich wandere mit Marion um die Insel. Immer schön den Strand lang, auf der Suche nach DER Stelle ... Die Schildis glotzen uns aus dem Wasser an, die Vögel kreisen schimpfend über uns, irgendwann sind wir rum und Marion weiss jetzt genau, wo sie ihr Tütchen füllen muss. Sie muss noch mal zurück. Da greif ich mir lieber mein Schnorchelzeug und paddele mit Veit so`n bisschen zwischen den Riffen rum, um Fische und Schildkröten zu erschrecken. Ohne Harpunen! Und als wir spätnachmittags endlich wieder auf der MIRA ankommen, lauern die Fischer schon auf uns. Mit zwei schönen Lobstern und einem herrlichen Zackenbarsch. Boah! Das gibt heut Lobster-Curry! Ich zerlege die Untiere und mein Bordweib kocht. Und das macht sie megalecker!

Donnerstag, 30.01.2014
Veit und Hexe haben so ganz gekonnt den Wunsch, doch noch mal Bonair zu besuchen, ins Spiel gebracht. Das Wort Telefonnetz und Internet fiel dabei zwar nicht ... Kann ich aber ganz gut verstehen, beide haben eine eigene Firma zu Hause und Hexe war noch nie länger als ´ne Woche weg. Wer weiss, ob der Laden noch steht ...? Vielleicht hat sie aber auch bloss Angst, was die Fischer als nächstes für Ungetiere anschleppen :-) Und wir hätten eigentlich auch ganz gerne noch mal eine Inselrundfahrt auf Bonair gemacht. Rasselt also um acht der Anker hoch. Und die, mit Veit gebastelten, Angelköder fliegen nach hinten raus. An `ner Strippe. Genua ausbaumen, auf`s Knöpfchen vom Autopilot drücken und dann widmen sich die Männer ihrem neuen Hobby: Filmen! Diesmal mit vollem Akku, dafür mangelhafter Kulisse. Die Wellen sind einfach nicht so schön gross, wie wir sie für unsere Aufnahmen gebraucht hätten. Veit hüpft mit seiner Action-Cam hin und her, ich verfolge die Aufnahme gemütlich im Cockpit sitzend auf dem Tablet, drück ab und zu mit dem Finger auf den Bildschirm zwecks Aufnahme, aber so richtig viel her machen die Bilder heute nicht. Trotzdem echt geil so`n Teil, muss ich echt mal überlegen, wie ich Marion die Notwendigkeit einer solchen Anschaffung schmackhaft machen kann. Vielleicht: ... dann könnte ich vom Cockpit aus filmen, wie du im Seegang in den Dunstschwaden mit den Töpfen in der Küche ringst. Ne, das klappt nicht. Eher: ...dann kannst du den Kindern tolle Unterwasseraufnahmen von dir beim Schnorcheln schicken! Auf sowas fällt sie manchmal rein. ;) Wir erreichen Bonair, nehmen den Spibaum rein, knallen die Segel an und auf den letzten 10sm wird es noch mal richtig sportlich. Veit trimmt was das Zeug hält und ich bin richtig erstaunt, wie schnell unsere überladene Dame durch`s Wasser pflügt! Na gut, `n paar Bierdosen weniger sind`s ja jetzt auch schon :-) Und den überteuerten Touri-Restaurants von Kralendijk werfen wir heute nicht unsere sauer verdienten Dollars in den Rachen! Bei uns gibt`s fangfrischen Zackenbarsch. Aus`m Backofen! Mit Grünzeug. Und Seeblick haben wir auch!

Freitag, 31.01.201410, 9,5, 10, ... prima Haltungsnoten
Heut setzen wir unsere Urlauber gnadenlos an Land aus. Haben sie nicht anders gewollt! Hexe will shoppen! So richtig ausgiebig die unzähligen Boutiquen plündern und mal das Limit von Veit`s Kreditkarte testen. Hat er selber dran Schuld. Nimm doch meine Karte, Schatz - hat er ihr liebevoll zugehaucht. Beim Frühstück. Haben wir alle gehört. So ganz geheuer ist ihm das dann wohl doch nicht, er will mit an Land. Nicht shoppen. Er will sich ganz gemütlich in eine Bar setzen und dort mit seinem Tablet per Wifi die Mails checken. Bestimmt will er in Wirklichkeit online seinen Kontostand überprüfen und bei Bedarf schnell die Karte sperren :-) Ich hab auch einen Plan: ich will unsere neue Wifi-Antenne anbauen. Das Teil ist ja über den Umweg Deutschland, “Marlin”, “Shassada” in Curacao endlich bei uns gelandet. Ist auch ganz einfach, Mast hochklettern, alte Antenne abschrauben, neue dran - fertig. In der Theorie! Die neue ist fast dreimal so lang, schlägt der Windrichtungsanzeiger jetzt dran. Ist natürlich blöd. Also mit `ner Rohrzange die Antennenhalterung ein Stück nach vorne biegen, dann sollte es passen... Passt auch, weil ich die Halterung in der Hand halte. Verbringe ich den Rest des Tages also im Mast. Mit Bohrmaschine, Verlängerungskabel und der monströsen Nietzange mach ich mich wieder auf den Weg nach oben, neue Löcher bohren, mit einer Hand die Halterung festhaltend, mit der zweiten die Niete, versuche ich mit der Dritten die Dinger per Nietzange ranzuwürgen. Schöne Übung, so in knapp 20m Höhe auf dem schaukelnden Dampfer. Marion sichert mich und unterstützt mich mit wertvollen Hinweisen: Stürz bloss nicht ab! Manchmal schickt sie mir auch vergessene Teile per Strippe nach oben. Erspart mir weitere Klettertouren. Gut, einmal muss ich noch. Diesmal mit der Antenne. Das Ding anschrauben ist dann die Belobigung. Wo ich schon mal oben bin werfe ich auch gleich mal ein Auge auf alles, was da noch so rumhängt - Marion muss wieder Werkzeug und Teile “hoch schicken”, die obere Halterung der Rollreffanlage von der Genua hat sich gelöst. Auch eins der Dauerbastelobjekte auf unserem Schiff. Französische Ingenieurskunst! Mittlerweile werden die Dinger gar nicht mehr verkauft. Schade eigentlich. Jetzt wissen die, biertrinkend in der Sonne liegenden Fahrtensegler gar nicht mehr, woran sie noch basteln sollen. Kommen die bloss auf dumme Gedanken und werden noch fauler ...

Sonnabend, 01.02.20Hinter den sieben Bergen ... jede Menge Meersalz14
Ist fast wie Harley fahren. Stolz tuckern wir auf unseren heissen Öfen vom Hof der Vermietung. So mit zwei Leutchens und wenn´s leicht bergab geht, kommen die Dinger auf satte fünfzig Sachen! Scooter steht auf dem Mietvertrag. Mehr haben die Einträge in Marions Führerschein nicht hergegeben :-) Fahren muss sie aber nicht. Liebevoll schmiegt sie sich an ihren Cowboy (also mich), schlingt die Arme um ihn und lässt verwegen ihr Haar im Wind wehen! Ein Inselchen ohne Helmpflicht! Bonair, wir kommen! Lässig reissen Veit und ich den Gasgriff auf, der Nähmaschinensound entrückt uns der Wirklichkeit - stört uns nicht, dass wir zwei Verkehrshindernisse sind. Wir wollen ja was sehen. Die Salzpfannen und Salzberge ganz im Süden zum Beispiel. Wird heut noch Salz produziert. Etwas moderner als noch vor zweihundert Jahren. Da haben Sklaven den Job gemacht. Deren Unterkünfte stehen auch noch da. Direkt am Strand, unverbaubarer Seeblick. Bisschen klein vielleicht für acht Leute. Weiter geht´s, vorbei an verschiedenfarbigen Obelisken, die damals als Navigationshilfe dienten, zum Leuchtturm Willemstoren. Auch schon alt. Kann man nicht mal raufklettern. Ist die donnernde Brandung schon interessanter. Die Lac Baai kennen wir ja schon von unserer Fahrradtour. Von der anderen Seite. Auf dieser schmeckt das Bier aber auch :-) Kann man so gemütlich auf `ner Sonnenliege lümmelnd beobachten wie die Surfer hin und her segeln. Oder ins Wasser fallen ... Für die Fahrt nach NordSklavenhütteen gibt`s `ne tolle Abkürzung. Kann man auf der Karte aus der Touri-Info, zwischen den ganzen Werbeaufdrucken irgendwelcher Restaurants, genau erkennen. Verwegen reissen wir die Lenker rum und steuern unsere Feuerstühle auf die Sandpiste. Da gibts `n Abzweig, da wieder einen, jetzt `n Abzweig vom Abzweig ... links oder rechts??? Wir sind in einem Gewirr von staubigen Sandwegen, die in alle Richtungen gehen. Tapfer fahren wir weiter, nach Sonnenstand, innerer Uhr und Gefühl. Nützt nichts, wir fahren ewig sinnlos hin und her, zurück, weil´s nicht weitergeht, probieren den nächsten Weg ... wo sind wir??? Wo das Moos an den Bäumen wächst ist Norden! Die haben hier nicht mal Bäume!!! Nur Kakteen und dornige Sträucher und Sand. Und Staub!!! Irgendwann kommen wir doch wieder in die Zivilisation. Marion fragt erstmal wo wir sind. Nikiboko, Vorort von Kralendijk. Äh, das war ja nun gar nicht unsere Richtung. Weiss aber zum Glück ausser uns keiner. Wir nehmen jetzt lieber die ausgeschilderte Asphaltstrasse nach Norden. Da gibt´s ausser Kakteen jetzt auch noch Berge. `n Bayer würd sich jetzt vermutlich stundenlang auf seine Lederhosen kloppen vor Lachen und gar nicht wieder einkriegen, aber für uns Norddeutsche sind die Hügel schon ganz schon hoch! Verlangt unseren Gefährten dann auch das Letzte ab. Aufwärts. Bergab stellen wir neue Hochgeschwindigkeitsrekorde auf. Knapp über Sechzig zeigt die Nadel! Wieder Sandpiste. Diesmal wollen wir zu den Felsmalereien bei Boca Onima. Arawaken-Grafitti. Arawaken waren die Jungs, die hier die Felsen bekritzelt haben, bevor der weisse Mann kam. Ist ihnen nicht so gut bekommen, der weisse Mann. Also den Arawaken.Wat n Stress Die Kritzeleien sind heute noch da. Stückchen weiter steht ein riesiger Felsklotz. Das ist der Nabel (Eingang) zur Mutter Erde. Ich bin extra hochgeklettert. Da ist nirgends ein Eingang. Da müssen sich die Arawaken geirrt haben. Weiter durch tolle Landschaften, immer an der schroffen Ostküste lang, stehen wir irgendwann tatsächlich vorm Eingang. Zum Nationalpark. Wir entscheiden uns gegen den Park, für die Zivilistion. Rincon heisst das kleine Städtchen. Die Kirche ist vermutlich die einzige Attraktion, aber wir interessieren uns mehr für die gut florierende Strassenkneipe genau gegenüber. Hunger, Durst! Über die Kaya Para Mira am Goto-Meer vorbei stehen wir irgendwann wieder am richtigen Meer und entscheiden uns dämlicherweise, noch einen kleinen Abstecher zum Playa Frans zu machen. Da ist ein kleines Fischerdorf in die Karte eingezeichnet, da gibt`s bestimmt auch `ne kleine Bar ... Gibt es nicht! Drei Häuser, die Sandpiste dahin ist stellenweise so steil, dass Marion absteigen muss, damit unser Gefährt hochkommt, die Nadeln der Tankanzeigen treiben uns langsam den Schweiss auf die Stirn und warum die Stelle Playa (Strand) heisst, wird wohl auch ein ewiges Geheimnis der Kartographen bleiben. Wir sind heilfroh, endlich wieder auf der Asphaltstrasse nach Kralendijk zu stehen, als wir feststellen, dass die direkte Küstenstrasse eine Einbahnstrasse ist. Natürlich nicht für unsere Richtung. Müssen wir wieder zurück nach Ricon. Aber das ist dichter und da gibt es eine Tankstelle!!! Und von da geht`s dann in einem laaaangen Bogen auf dem selben Weg, den wir gekommen sind zurück nach Kralendijk. Mit Vollgas! Müssen wir ja nicht mehr gucken. Haben wir doch alles schon gesehen. Und als wir uns beim Vermieter unserer Feuerstühle entledigt haben und zwecks Abendessen in eine Kneipe einfallen wollen, stehen davor doch zwei so fette Harleys. Angeberkisten! Im Sand hätten die doch völlig verkackt! Dagegen so`n heisser Scooter ...

Landschaft bei Boca Onima

Montag, 03.02.2014
Unsere Urlauber mlachen ernst: Sie wollen wirklich wieder zurück ins kalte Deutschland! Morgren schon. Dabei waren sie gerade mal drei Wochen hier. Da hat man sich doch erst so langsam eingewöhnt :-) Hexe weiss, wo alles hingehört nachdem sie abgewaschen hat, Veit, wo der Rum steht. Ach ne, der ist ja alle! Aber das ist doch kein Grund wegzufahren, den kann man doch nachkaufen :-) Wer soll denn jetzt die lecker Rüberger Klopse kochen, wer steuern, wenn der Autopilot mal wieder ausfällt, wer zeigt mir, wie ich auf dem Tablet spielen kann und überhaupt, mit wem soll ich jetzt nachts Männergespräche im Cockpit führen? Mit Marion? Männergespräche???!!! Die letzten zwei Tage sind echt wie im Flug vergangen. Ins Wasser springen, in Strassenkaffees sitzen, schwatzen, Fotos austauschen, mit Veit habe ich noch das schwere Ruder für die Windfahnensteuerung angebaut, Marion war mit Hexe Mitbringsel auch für ihren letzten Mitarbeiter einkaufen, leckere Abendessen, Sundowner am Meer schlürfen, Sachen packen ... und Pläne schmieden, für ihren nächsten Besuch bei uns. Hoffentlich bald.

Dienstag, 04.02.2014
Ich glaub, jetzt bin ich einmal um die Insel rum. Zu Fuss!!! Na ja, zumindest gefühlt. Dabei sollte das so`n richtig schön entspannter Basteltag werden. Ein letztes gemeinsames Frühstück mit unseren Urlaubern, diese,  nebst prall gefüllten Reisetaschen, an Land aussetzen, noch mal kurz dem Taxi hinterher winken und schnell im Motorraum verschwinden. Macht Marion mir den ersten Strich durch die Rechnung. Wo wir doch schon an Land rumstehen, können wir  gleichmal nach den Öffnungszeiten der Wäscherei gucken. Natürlich können wir, muss man nur vorher `ne halbe Stunde lang hin latschen. Ich verstell mich aber, tu so, als wenn ich die Idee super finde und wander los. Hat jeden Tag auf, das Ding, immerzu und andauernd! Steh`n lauter Waschmaschinen drin, stopft man Wäsche rein, drückt Knöpfchen und holt sie hinterher sauber wieder raus. Wenn man die Wäsche denn dabeZeigt her eure Füsse ...i hat. Haben wir aber nicht - wir gucken ja bloss mal. Halbe Stunde Rückmarsch, jetzt kann ich endlich in den Motorraum. Hab ja `ne lange “to-do-Liste”. Generator steht da eigentlich nicht drauf, aber irgendwie steht das Ding so komisch da. Bisschen schräg. Einmal beherzt anpacken, dann weiss ich auch warum: die vorderen Silentblöcke sind platt! JETZT steht der Generator auch mit auf der Liste! Und zwar ganz oben! Braucht man ja nun nicht unbedingt, dass das 70kg-Teil im Seegang so durch den Motorraum kullert. Beim Versuch, die kaputten Gummifüsse abzuschrauben, kommt mir wieder der Verdacht, dass ich früher (also als ich die Dinger angeschraubt habe) anatomisch anders gebaut war. An die unteren Schrauben kommt man einfach nicht dran! Ach ja! Da stand der Generator auch noch nicht drauf. Irgendwann halte ich die Gummifüsse doch in den Händen, schnapp mir den Rucksack und beginne meine Odyssee... Stunden später kenne ich jeden Werkzeugladen auf der Insel, alle Autozubehörbuden, die Schlosser in den diversen Werkstätten mit Vornamen, hab `ne Menge neuer Kumpels ... und vier neue Silentblöcke! Mit dem sympathischen Typ von “Caribe Fastener” muss ich unbedingt mal `n Bier trinken gehen :-) Aber einbauen tue ich die Dinger erst morgen - heut mach ich nichts mehr! Ausser Feierabend...

Mittwoch. 05.02.2014
Ausgesetzt auf ´ner einsamen Insel wurde wohl schon manch ein Seefahrender - mir geht´s heut ähnlich, aber A), ist man auf Bonaire dann alles andere als einsam und B), durfte ich all die dreckigen Klamotten und auch das Bettzeug mitnehmen. Na ja, die letzte Wäscherei stand eben in Puerto La Cruz (unsere Waschmaschine ist ja seit Grenada - Juni 2013! - kaputt). Und hat man Besuch an Bord, stellt man sich auch nicht unbedingt hin und fängt an, die Schüsseln im Cockpit zu verteilen und die Wäsche um die Gäste herum aufzuhängen. Der Hackenporsche mit megaprall gefüllt, dazu ein Rucksack, Waschpulver, auf geht´s ... ist ja fast um die Ecke. Vorher noch ein Abstecher zur “Flamingo-Post” (die hübsche Dame hinterm Schalter braucht soo lange für die fünf bedruckten Aufkleber - nicht mal Briefmarken gibt´s hier - da liegt der Verdacht nahe, dass sie auch wirklich die armen Vögel mit den Karten in´s winterkalte Deutschland losschicken). In der Wäscherei sieht alles super modern aus, grosse Maschinen, toll! Nehme gleich mal drei in Beschlag (passt sogar alles rein ;) und als die Mutti auf´s Startknöpfchen drückt erfahre ich so ganz nebenbei, dass nur kalt gewaschen wird. Ich sacke so´n bisschen zusammen, aber na ja, besser als gar nicht waschen ist das allemal. Hinterher darf das “saubere” Zeug in zwei Trocknern seine Runden drehen (die sind wider Erwarten richtig heiss) und nach 45Lotterschiff Mira und Nobeldampfer AIDAluna vor Kralendijk Minuten kann ich alles knochentrocken da raus klauben. Na, wenn auch nicht richtig sauber, so sind denn jetzt wenigstens alle “Tiere” tot. Nicht, dass wir welche haben, ich meine Bakterie und Co ;) Das ist schon mal die 40 US$ wert, finde ich. Auf dem Rückweg beim Chinesenmercado noch was zum Abendessen “erlegen” und dann steh ich am vereinbarten Platz. Mein fleissiger Capitano schraubt im Motorraum am Generator rum und hält dann und wann mal Ausschau, aber zu ´ner ganz anderen Stelle. Das Warten wird aber nicht langweilig, denn heut ist die “AIDAluna” angekommen und hat tausende Deutsche mit grossen Kameras vorm Bauch auf die Insel ausgeschüttet. Die Insulaner freuen sich und hoffen auf gutes Geschäft und ich quatsche mal eben eine junge Frau an, die den Baum neben mir ausgiebig von allen Seiten ablichtet. Aha, sie ist aus Bielefeld ... und so erfahre ich endlich mal was mich immer schon interessiert hat: Was passiert, wenn einer der Passagiere nicht pünktlich zur Abfahrt an Bord ist... Irgendwann erspäht mein Holder mich doch und reisst mich aus der Unterhaltung. - Nachmittags setzen wir noch mal über, mein Techniker hat beim Einbau festgestellt, dass doch alle vier Generatorfüsse platt waren und will noch einen Satz Silentblöcke als Reserve liegen haben. Dann braucht er noch Kabel, irgendwelche Schrauben ... (das typische shopping bei uns, da geht´s halt nicht in Boutiquen und so ;) Im selben Laden wie gestern haben sich über Nacht die begehrten Silentblöcke auf den vierfachen Preis verteuert, was uns dann doch zu fett ist. Aber immerhin erbeuten wir die anderen Sachen. Und als die dicke AIDAluna beim Sonnenuntergang ihre Leinen einholt und zur Abfahrt nach Isla Margarita noch mal laut “ins Horn stösst”, sitzen wir “schmatzend” beim Abendessen im Cockpit und sind froh, dass wieder was auf der “to-do-Liste” gestrichen werden kann.

Donnerstag, 06.02.2014
Keine Ahnung, was Marion heut so den ganzen Tag getrieben hat. Ich mein, sie war an Bord. Sie ist auch immer irgendwie ganz geschäftig hin- und hergewuselt. Klar, sie hat ja auch `ne “to-do-Liste”. Aber was steht da drauf? Wenn ich jetzt mal so tippen sollte, würde ich schätzen: “Käpt`n ärgern”. Ganz oben auf der Liste. Jedenfalls muss sie immer genau da hin, wo ich gerade meine Werkzeuge und Ersatzteile weiträumig verteilt habe. Also, so über das ganze Schiff. Ich bau nämlich den neuen Laderegler für unser Solarpaneel ein. Arbeitsbereich im Flurschrank zur Achterkabine. Steh ich anscheinend permanent im Weg. Natürlich müssen dazu auch alle Bodenbretter hoch und der Salon mit Werkzeugkisten zugestellt werden. Dafür ist so`n Salon schliesslich da. Und warum kann sie ihre Wäsche nicht einfach über`m Ankerkasten zusammenlegen, auf dem Salontisch liegen schliesslich schon meine Kabel. Die brauch ich nachher vielleicht. Ich sag`s doch, “stänkern mit dem Capitano” - steht ganz oben und fett auf ihrer Liste ...

Freitag, 07.02.2014
Auf meiner Liste sind immer mehr Striche. Das ist gut so. Durchgestrichen heisst: erledigt! Habe heut den Plan sogar übererfüllt und noch ein extra Ladekabel vom neuen Laderegler zur Motorbatterie gezogen. So richtig schön mit Bilgenbrettern hoch und alles vollmölen ... die Bootshälfte war heut zum Bauen freigegeben! Marion streicht sich auch so durch ihre Liste. Ein Punkt ist bei ihr noch dick unterstrichen: EINKAUF! Damit meint sie jetzt nicht, so mit `nem Plastetütchen unterm Arm mal zum nächsten Chinesen-Mercado schlendern, ne, mal wieder so richtig bunkern! Holländische Supermärkte plündern und dann alles irgendwie auf`s Schiff schleppen. Die Supermärkte sind natürlich weit, weit weg, irgendwo ausserhalb. Stört die Einheimischen nicht, die fahren ja mit dem Auto rum. Hat natürlich wieder keiner an die armen Segler gedacht, als sie die Dinger da hingestellt haben. Werden wir uns also zähneknirschend ein Auto mieten müssen. Aber heute noch nicht, wir machen erstmal `nen Probeeinkauf. So mit Hackenporsche und einer Stunde Fussmarsch, um dann durch die Regalreihen zu schleichen und Angebot und Preise zu vergleichen. Im “Bonaire Warehous” werden wir das erste Mal schwach. Diverse leckere Käse fliegen in den Einkaufswagen, Leberwurst, Fleisch, ... muss man ja schliesslich alles erst testen. Warum Marion zum Probieren aber gleich fünf Lakritztüten ins Wägelchen wirft, hab ich nicht ganz verstanden. Vermutlich um zu zählen, ob auch in jeder Tüte gleich viele drin sind :-) So richtig in die Knie gehen wir dann aber im “Van de Tweel”. BOAH! Voll das Schlaraffenland! Soviel Käse und Salami können wir gar nicht durchprobieren - ist uns egal, fliegt alles in den Einkaufswagen. Auch weitere Lakritztüten und Saft zum Testen und Bier ... Passt gar nicht alles in unseren Hackenporsche. Den darf ich ziehen. Marion hatte ihn ja auf dem Hinweg. Da war er leer. Jetzt sind bestimmt 100kg drin!

Sonnabend, 08.02.2014
Als wir gestern so unser Einkaufswägelchen aus dem Schlauchboot gezottelt haben, kam doch gleichmal unser holländiscDoch nicht nur Bier ;)her Nachbar rüber. So auf ein Schwätzchen. Und `n Bier. Eigentlich wollte er uns aber bloss erzählen, dass jeden Sonnabend ein Kleinbus vom Dingi-Anleger zum “Van de Tweel”- Supermarkt fährt. Für die armen Segler, damit die nicht soweit laufen müssen. Da haben sie dann `ne Stunde Zeit ihr Wägelchen zu füllen und werden samt Beute wieder zurückgekarrt. Stehen wir heute also um zehn am Dingi-Anleger und wollen probieren, ob das auch mit zwanzig, dreissig Paletten funktioniert. Kein Problem, meint die Fahrerin. Gut, sie hat es nicht anders gewollt, haben wir also genau eine Stunde, um unsere Einkaufslisten abzuarbeiten. Bei mir geht das schnell. Getränke hatten wir gestern schon durchprobiert - ich greif mir zwei Jungs vom Mercado und lass sie Einkaufswagen mit Getränkepaletten voll stapeln. 4 Milchpaletten, 10 Orangensaft, 10 Apfel, ... Frauen kaufen nicht so effektiv ein, die haben lange Listen, wo sie immer Position für Position abstreichen und dann lassen sie sich auch ständig von dem Zeug ablenken, was zwar nicht auf ihrer Liste, aber so links und rechts in den Regalen steht ... Und es ist auch wenig hilfreich, wenn ich ihr ständig sage, wie wenig Zeit nur noch bis zur Abfahrt bleibt. Mein Genörgel wird abgeschmettert. Hilft aber letztendlich doch n bisschen, pünktlich stehen wir mit unseren Einkaufswagen am Minibus. Fünf Stück, alle randvoll - schluckt die Fahrerin doch etwas ... äh, das wird dann halt `ne Extratour, müssen wir bloss ein halbes Stündchen warten. Wäre ja nicht weiter schlimm, wenn nicht der, vermutlich einzige Regenschauer der dieses Jahr in Bonaire fällt, sich genau diesen Moment aussuchen würde, um gezielt den Platz vorm Supermarkt zu fluten. Da stehen wir. Mit unserem Einkauf! Die Pappkartons meiner Getränkepaletten zeigen bereits erste Auflösungserscheinungen, als wir sie vorsichtig in den Kleinbus balancieren. Der Prozess ist abgeschlossen, als wir den Dingi-Anleger erreicht haben. Die Verpackungen bestehen nur noch aus unzusammenhängenden nassen Fetzen, der Einkauf verteilt sich beim Öffnen der Heckklappe schön gleichmässig über den Gehweg. O.k., schubsen wir den Rest auch noch aus dem Bus, sammeln brav die nasse Pappe mit raus und stehen jetzt vor der nächsten Herausforderung: Den Haufen müssen wir irgendwie bis zum Schlauchboot kriegen. Das liegt noch `n Stückchen weiter weg. So 70, 80 Meter, am Ende der Seebrücke, die sich “Karel`s Bar” nennt und dementsprechend zugestellt ist mit mit Tischen und Korbsesseln, in denen gerade lauter Touris mit ihren Drinks lümmeln und gelangweilt auf`s Meer starren. Zumindest so lange, bis wir anfangen unsere nasse Beute in Einzelteilen durch die Tischreihen zu schleppen. Immer schön im Slalom, den Kellnerinnen ausweichend, balancieren wir allein VIERHUNDERT LITER Getränke in Tetrapacks oder Dosen da durch. Besonders ins Herz habe ich sofort eine Dame geschlossen, die ihren Sessel extra noch weiter vor rückt, um uns mit ausgestreckten Beinen besser anglotzen zu können. Muss ich mich jedesmal entscheiden, über ihre dürren weissen Stelzen zu klettern oder auf den letzten Metern noch einen Umweg um zwei Tische zu machen. Blöde Kuh! Hier lernen wir auch Rob und Brenda kennen. Die schieben ihren Tisch genau vor unserem Schlauchboot nicht nur ein Stück zur Seite, sondern helfen auch beim Einladen. Und Rob hat auch sofort, das uns Männer auszeichnende Gespür für die richtige Reihenfolge: Erst die Bierdosen, dann reicht er die 40 Liter Milch runter :-) Hat er sich doch glatt `n Bier zur Belohnung verdient. Und wir uns sowieso! Aber natürlich erst nachdem wir alles zum Trocknen schön dekorativ im Cockpit der “Mira” verteilt haben :-)

Sonntag, 09.02.2014
War gar nicht so einfach, das ganze angeschleppte Zeug noch irgendwie in die Bilgen, Schränke und sonstigen Hohlräume unseres Bootes zu treten. Hatte mich bei den Getränken irgendwie verkalkuliert. Jetzt wohnen überall Tetrapacks (bin gespannt, wie lange wir noch zufällig über deren Verstecke "stolpern" werden) und Marion knurrt mich an, da sie nicht mehr weiss, wo sie ihre Nudeln, Mehl, Kokosmilchdosen und sonstigen Krempel unterbringen soll. Verdrück ich mich lieber in den Motorraum, um Wassermacher und Generator anzuschmeissen. Der brummelt zwar jetzt schön ruhig auf seinen neuen Füssen dahin, erfreut den Skipper aber sogleich durch ein neues Gebrechen. So`n Generator ist für den ambitionierten Hobbybastler doch ein ständiger Quell der Freude. Irgendwas geht daran immer kaputt. Falls also irgendjemand gerade seine Yacht ausrüstet um damit auf "grosse Fahrt" zu gehen und sich noch so`n bisschen Sorgen macht, wie er denn später unterwegs die Zeit totschlagen soll: unbedingt einen Generator einbauen! Am besten gleich zwei. Da kommt nie Langeweile auf :-) Als ich so nach zwei Stunden erneut in den Motorraum schleiche, um den Wassermacher auszuschalten, steh ich in `ner Dampfsauna. Ist ja prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, so`n Mooringfeld vor KralendijkDing an Bord zu haben, aber erstens sind wir grad in den Tropen, da hält sich die Vorfreude auf `nen Saunabesuch ohnehin in Grenzen und zweitens war das beim Ausbau gar nicht so gedacht. Sollte wirklich bloss ein Motorraum werden. Viele Verdächtige für das Dampfbad gibt`s grad nicht - ich tippe mal auf meinen alten Kumpel, den Generator ... und liege richtig: am Edelstahlauspuffkrümmer ist ein kleines Rohr angeschweisst, wo das Kühlwasser eingespritzt wird. Und die Schweissnaht hat ein klitzekleines Löchlein, aus dem jetzt feiner Salzwassernebel sprüht, was halt besagtes Dampfbadfeeling aufkommen lässt. Kurze Beratung, Sauna? Ja, nein? Wir entscheiden uns dagegen. Ist vermutlich auch besser für die verbaute Elektronik im Motorraum :-) Brauch ich also eine Werkstatt, die Inox schweissen kann. Und unser holländischer Nachbar weiss sogar wo. So zwei, drei Meilen weiter ist eine kleine Werft, da brutzelt ein Skandinavier alles mögliche wieder zusammen ... Düse ich natürlich gleich mal hin. Kein Wikinger da, morgen wieder, erfahre ich immerhin. Und da mich Marion immer noch bisschen anknurrt, weil sie auf der Suche nach Stauräumen für ihre Spaghetti-Packungen auf Tetrapacks trifft, hole ich zum grossen Frauenbesänftigungs-coup aus: Ich koche! Rüberger Klopse! Eigentlich heissen die Dinger ja Königsberger Klopse und Marion liebt sie ... aber ich nicht. Da sind Kapern drin! Normalerweise. Veit hatte für uns die kapernfreie Version gekocht, mit süsssauren Gewürzgurken. Schön klein geschnipselt ... Megalecker! Und das koch ich jetzt! Und morgen räume ich vielleicht sogar noch einen Schrank für sie leer ...

Montag, 10.02.2014
Hat alles super geklappt mit dem Wikinger. Seine Werkstatt sieht zwar ein bisschen abenteuerlich aus, aber er hat tatsächlich ein WIG-Schweissgerät, zieht mir zwei schöne neue Nähte um das Einspritzrohr - das hält jetzt ewig! Gut, der Generator wird sich natürlich demnächst irgendwas anderes ausdenken, um bei mir keine Langeweile aufkommen zu lassen ... :-) Jetzt sind wir eigentlich fast abfahrbereit. Noch `n bisschen Grünzeug auf`s Boot schleppen, ein, zwei Tage vorm Rechner hocken - könnten wir Mittwoch losfahren. Marion klappt ihren Laptop gleich mal auf ... und bisschen später wieder zu. Kein Wifi heute! Mist! Dann ist eben die Wäsche dran. Die muss in einen dunklen Sack und wird von ihr zur Lavanderia gekarrt. Bei mir steht auch nur noch “Autopilot” auf der Liste. Sprich, die auf der Fahrt nach Curacao ausgebauten Teile zu überprüfen. Die Hydraulikpumpe klemm ich einfach direkt an die Batterie, schon schnurrt sie los. Kabel andersrum, funktioniert auch. Wegen dem Geschmadder mit dem Öl hab ich aber keine Lust sie jetzt wieder einzubauen. Den defekten Kurscomputer kann ich aber nur testen, wenn ich ihn einbaue. Mach das mal, hab ja Zeit und sturmfrei. Steuert das blöde Ding doch jetzt brav nach links und rechts, als ob nie was gewesen wäre. Solche Fehler liebe ich ja! Weil ich aber keine Lust habe ihn wieder auszubauen, bekommt er noch mal eine Chance. Er darf uns nach Cuba steuern.

Dienstag, 11.02.2014
Hocken wir beide den lieben, langen Tag vor den Rechnern. Sogenannter Bürotag. Mails ohne Ende, einige Sachen sind per Skype mit unserer "Bodenstation" in Stralsund abzusprechen und die website müsste ja auch mal wieder auf einen aktuelleren Stand gebracht werden. Drei Wochen Besuch an Bord, da bleibt vieles liegen. Läuft auch nicht weg. Ne. Vielleicht sollten wir unsere Touris in Zukunft einfach die Tagebucheinträge schreiben lassen. Und wir lümmeln währenddessen mit `ner Dose faul im Cockpit und kontrollieren anschliessend auf Rechtschreibfehler :-) ´Ne Stunde vor Sonnenuntergang haben wir echt eckige Augen - Feierabend! Nichts geht mehr! Wir werfen uns in`s Dingi, “fangen” uns ein paar Hühnerbrüste im Supermarktregal, der Blumenkohl sieht lecker aus, ... HUNGER! Grad, als wir vor “Karel´s Bar” ins Dingi springen wollen wollen, ruft es hinter uns. Ah, Brenda und Rob beim Sundowner. Zeit für`n Bier haben wir natürlich immer :-) Wann wir denn losfahren? Jaaaa, äh, vielleicht morgen? Oder übermorgen? Besser Chivito-Fanklub-Kralendijikübermorgen, dann können wir morgen alle zusammen lecker Chivito essen!

Mittwoch, 12.02.2014
Bürotag, der zweite. Wir telefonieren, hämmern auf den Tastaturen rum, schimpfen weil die Druckerpatrone leer ist oder weil wir in irgendeinem Büro in Deutschland niemanden erreichen, sind froh noch eine Ersatzpatrone zu haben und unsere “Bodenstation” mit Sven und Christiane, die uns jede Menge Arbeit abnehmen und am allermeisten, dass wir die Rechnerdeckel endlich runterklappen können. Feierabend! Wir gehen Chivito mampfen. Mit Rob und Brenda. Das kennen die nämlich noch nicht. Klar, als Holländer essen sie ja immer nur Kippling mit Pommes. Oder Gouda :-) Jetzt sind sie auch begeisterte Fans der uruguayischen Methode, sich den Bauch vollzuhauen. Vor allem, wenn man das Menü durch unzählige Flaschen gut gekühltem Gerstensaft abrundet.

Donnerstag, 13.02.2014
Erstmal machen wir das, was wir eh grad jeden Tag machen: wir verschieben die Abfahrt. Auf morgen! Nicht wegen dem Kopf vom Capitano, wir werden mit unserem Bürokrempel nicht fertig. Marion fällt noch ein, dass ich `ne neue Kreditkarte brauche (auf die alte gibt mir keiner mehr was :-), Anoncen müssen aktualisiert werden (verzweifelte Suche nach Zugangs-Codes und Passwörtern beginnt), rumtelefonieren, neue Mails, ... Nebenbei schonmal alles wegräumen, was nicht mehr gebraucht wird, die letzten Venezuela-Kanister umfüllen, Wetter gucken, einen Touri “befreien”, der beim Versuch mit seinem Motorbötchen genau zwischen unserer Ankerkette und Bug durchzufahren mit seinem Biminigestänge am Ankerbeschlag hängt (hoffe, der hat `ne Versicherung für seine gemietete Plasteschale, die jetzt ein paar schöne Schrammen zieren), zwischendurch zwecks Abkühlung ins Wasser springen, Marion macht sich `ne Liste, was sie noch alles an GrünzHm, lecker!!!!eug braucht, ich überlege, ob`s in Cuba überhaupt Dosen gibt oder ich lieber hier noch ein paar nachkaufe ... stressiger Arbeitstag! Und statt mich jetzt zwecks Feierabend mit `nem Bierchen ins Cockpit zu fläzen um auf den Sonnenuntergang zu starren, steh ich am Herd. Ich koche! Einen riesigen Topf “Rüberger Klopse”. Die gibt`s aber erst unterwegs. Für heute muss Marion sich was ausdenken. Immerhin ist die Küche jetzt schön vorgeheizt :-) Morgen nur noch den Vitaminkrempel einsacken, ausklarieren und dann kann`s losgehen.

Freitag, 14.02.2013
Das war jetzt aber wirklich der allerletzte Einkauf! Marion hofft mit dem erbeuteten Grünzeug die nächsten zwei Wochen zu überleben, bei mir würde das ja mindestens für zwei Monate reichen. Mit dem Einkaufswägelchen immer schön die staubige Strasse lang, als wir endlich am Ponton sind, bin ich mir sogar sicher, einen Dreimonatsvorrat hinter mir her zu ziehen. Marion schafft tatsächlich das ganze Zeug noch irgendwo seefest unterzubringen. Zwecks Abkühlung noch mal ins Wasser hüpfen, in die Behördenhose springen und ab geht`s zum Ausklarieren. Ein einsamer Beamter, wo sonst drei rumspringen - wir können unseren Papierstapel ruhig wieder einpacken, die Immigrationsleute sind alle am Flughafen. Wenn wir heute noch unbedingt `n Stempel im Pass brauchen müssen wir dahin, ansonsten: manana! Äh, das ist blöd, eigentlich wollten wir in ein, zwei Stunden lossegeln. Aber mit `nem Taxi extra zum Flughafen und wieder zurück? Verschieben wir lieber die Abfahrt. Machen wir eh jeden Tag. Ist ja auch ein gemütliches Städtchen, Kralendijk. So richtig schön verschlafen, jeder döst vor sich hin, bis das nächste Kreuzfahrtschiff seine Touris ausspuckt. Dann herrscht schlagartig hektische Betriebsamkeit. Boutiquen öffnen, Verkaufsstände werden aufgebaut, Boots- und Taxi-Unternehmer preisen ihre Dienste an, jeder versucht kitschige Souvenirs, selbstgebastelten Krimskram oder sonstige “Kunst” an den Mann oder die Frau zu bringen, in den Bars herrscht Hochbetrieb ... bis gegen fünf vom Schiff das gewaltige Nebelhorn dröhnt und der Betriebsamkeit ein jähes Ende bereitet. Passagiere drängeln sich die Gangway hoch, Souvenirverkäufer packen ihren Krempel zusammen, Verkaufspavillons werden abgebaut, die Boutiquebesitzer klappen ihre Läden runter ... alles verfällt in einen kollektiven Dämmerzustand.

Sonnabend, 15.02.2014
Wir sind vom Glück verfolgt: die Dame der Immigration steht draussen, vor der Tür des Office. Sie will doch nicht gleich wieder los? Da legen wir noch mal `n Schrittchen zu und sie folgt uns tatsächlich ins Innere des Hauses. Ausklarieren geht fix, wir bekommen den vierten Flamingo-Bonaire-Stempel in die Pässe gedrückt, der Zollbeamte möchte ganz genau wissen, wieviel Zeit wir bis hoch nach Cuba benötigen und wo genau wir da hin wBonaire noch in Sichtollen. Na, eine Woche oder zwei und wohin wissen wir noch nicht so genau. Ach so, na dann gute Fahrt, das war´s. Auf dem Rückweg zum Boot kommen wir am Zigarettenautomaten von Karel´s Bar vorbei und mein Holder nestelt ganz hippelig in den Hosentaschen “Muss noch Zigaretten kaufen!” Glaub ich jetzt nicht! Dabei erzählt er mir schon seit Venezuela, dass, wenn die dort gekauften Zigaretten alle sind, er aufhört zu rauchen. So mit dickem Ehrenwort und so. Ja ja. Hier kostet ´ne Schachtel mal locker flockig 7 US$ - schon allein bei dem Preis vergeht einem doch alles. Dafür kann ich um die Ecke glatt n lecker Goat-Stew essen. “Das mache ich ja nur für dich, damit du unterwegs nicht meine 3 Tage schlechte Laune ertragen musst, wenn die Zigaretten alle sind!” Whow! O.k, verschieben wir die guten Vorsätze auf Cuba. Was es da dann wohl für einen Grund gibt? ;) - Gegen 11 Uhr sind wir startklar, fädeln die Leine aus der Mooring, drehen den Bug nach Nord und setzen Segel. Noch sind wir in der Inselabdeckung, die Wellen sind klein. Anderthalb Stunden später sieht das schon ganz anders aus. Käpt´n verholt sich noch mal in die Koje, um `ne Stunde später vom Geschrei des Autopiloten wieder rausgeschmissen zu werden. Mit den Autopilotmacken kennt er sich ja mittlerweile gut aus - ein Blick genügt, um mit dem zweiten Rechnerteil im Motorraum zu verschwinden. Ich darf steuern! Gar nicht so leicht, das Steuerrad dreht sich merkwürdig schwer. Nach zehn Minuten taucht mein Käpt`n wieder aus seiner Bastelhöhle auf, kalibriert noch schnell die Mittelstellung des Ruders und dann darf der Autopilot wieder das Steuern übernehmen. Das geht ja gut los. Wieviel Seemeilen sind´s gleich noch mal bis nach Cuba?

 

Sonntag, 16.02.2014
4 Uhr. Ganz schön fix unser leicht übergewichtiges Mädchen. Nicht Marion. Die liegt in der Koje und schnarcht vor sich hin. Unser Dampfer. 7,5kn, 8, 8,5 (das GPS zeigt schon seit Stunden Spitzenwerte). Zumindest für so`n Reisemobil mit den Bilgen voller Bier. Gibt zum Wind natürlich auch ganz nette Welle. Zum Glück sieht man die nicht. Ist ja dunkel. Eine ist vorhin extra bis ins Cockpit gekommen. Bestimmt, damit ich sie besser sehen kann. Zum Glück hatte ich alles dicht. Ist dann noch `ne Weile im Cockpit rumgeschwabbert, bis endlich alles abgelaufen war. Ansonsten alles perfekt, bloss der blöde Autopilot macht mir Sorgen. Da gibt man dem Teil noch mal `ne Chance und nach gerade mal vier Stunden Arbeit gibt der seinen Geist auf. Das Gehäuse war heiss. Ich vermute mal, dass die Mosfets ihre 17.2. SonnenuntergangWärme nicht loswerden und irgendwann wegen Überhitzung aufgeben. Zwischen dem Kühlsockel und Gehäuse fehlt auch die Wärmeleitpaste. Vielleicht sollte ich da noch einen kleinen Lüfter einbauen. Den könnte ich ja über den Clinch-Ausgang ... Auf jeden Fall schreib ich unseren Cuba-Urlaubern erstmal `ne Mail, dass sie Wärmeleitpaste mitbringen. Hat Stephan `ne anspruchsvolle Aufgabe. In Cuba krieg ich das Zeug vermutlich eh nicht. Und irgendwie ist es ein beruhigenderes Gefühl einen FUNKTIONIERENDEN Reserveautopiloten zu haben. Hab ja noch zwei Stunden bis zur Wachablösung ...

Mittwoch, 19.02.2014
Moin, moin - hab verschlafen heut. Hab eiskalt meinen Wecker ignoriert und mich noch mal umgedreht. Pfui über mich! Aber jetzt steckt mein Capitano in der Kiste, so wie er sich hingelegt hat, ist er auch sofort weggeratzt, der Arme! Er hätte ja mal an mir rütteln können. Dann erstmal `n Kaffee kochen für Augen auf und so, Mist, die Milch ist in Bröckchen gefroren und ploppt da so rein, hab dann natürlich Tasse mit “Berg” drauf. Licht aus, mit Tasse und Berg durchs Schiff tabbern (klappt wider Erwarten), dann vorm Steckschott stehen ... noch mal Mist! Hab vergessen, das Ding vorher aufzumachen. Darüber balancieren, Tasse auf Cockpitbank abstellen. Suuuuper, immer noch nicht geplempert! Dann kommt ´ne Welle, ... Jo, schönen guten Morgen! Bisschen laut heute. Halb drei hat mein Capitano den Motor angeworfen wegen Null Wind! Und der dröhnt mir jetzt die Ohren zu. Natürlich ist auch noch die “alte” Welle da, geht aber. Gestern hatten wir Mega-Wellen, und mal wieder direkt achterlich, was für ein Gerolle! Nervt auf Dauer. Ich geb´s zu, ich war bisschen unleidlich ;) Am Spätnachmittag hatten wir dann eine Goldmakrele an der Angel. Mein geplagter Capitano hatte sie schon bis zur Bordwand ran, hübsches Fischchen, so schillernd bunt. Ich fand ihn bisschen klein, er nicht. Und während wir darüber gefachsimpelt haben, hat der Kleine sich wieder losgezappelt und ist abgedampft. Glück gehabt. Er. Nicht wir. - So, muss mich mal wieder meinen navigatorischen Pflichten widmen und aufpassen, dass wir nicht am “Navassa Island” langschürfen. Das gibt sonst Mecker ...

Donnerstag, 20.02.2014
Hach, immer dieser Stress am Morgen! Musste grad mal gucken gehen, was die da draussen spielen. Ja gut, der Wind hat bisschen zugelegt und da muss Welle natürlich mitmachen! Dreht uns immer “so schön” mit dem Hintern raus und der Autopilot rennt sich `nen Wolf. Dafür geht´s zügig vorwärts. Sehr zügig sogar! Ist auch gut, wollen ja endlich mal in den “Jardines de la Reina”, den “Gärten der Königin” ankommen. Momentan “hängen” wir so ziemlich in der Mitte zwischen Haiti und Cabo Cruz, dem Südwest-Kap von Cuba. Ja ja, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen ;) Gestern war fast nur Motorfahrt angesagt, der Wind war weg, aber die Welle war noch da. Noch dazu aus zwei Richtungen. Ost, vom Atlantik durch die Windward Passage und von Süd, von der Karibischen See durch den Jamaica Channel. Sehr, sehr hübsch! Aber am späten Nachmittag durfte dann die Genua endlich wieder raus. Wie erholsam, diese Stille!!! :) - Ist immer noch zappenduster. Ich stand schon um vier auf der Matte, konnte nicht mehr schlafen. Hat der Capitano wieder getoddert mit mir. Ist dann aber doch in die Koje geklettert. Wenn er gewusst hätte, dass es nach Ortszeit erst drei Uhr ist, hätt ich glatt wieder abtreten können. Draussen gibt´s  nur noch so´n Dreiviertelmond und jede Menge Wolken. Wird Zeit, dass wir ankommen. In stockdunkler Nacht segeln ist nicht wirkliDie Köder brauchen eben ne Ansage :)ch schön. Für mich jedenfalls. Die Wellen haben sich wieder weisse Mützen aufgesetzt und ich mach mal lieber das Schiebeschott dicht, ab und an landet eine im Cockpit. Hunger hab ich auch schon wieder. Um die Zeit? Seefahrt macht hungrig! Werd mir nachher gleich `n paar frische Brötchen backen. Gestern war nix mit Fisch, obwohl wir noch die zweite Angel mit rausgelassen hatten. Abends, als wir die Köder rein geleiert haben, “grinsen” die uns an. Hatten ja auch viel Spass den Tag über, beim Wellenreiten und so. Ist doch wirklich wichtig, sie morgens darauf hinzuweisen, wozu sie im Wasser sind. Sonst dödeln die da bloss rum! ;) Achtern wird´s langsam hell. Kann man die grossen Wellen gleich viel besser sehen. Haben bis jetzt 640sm geschafft. ICH HAB HUNGER! Muss jetzt erst was spachteln, sonst fall ich um ...

Freitag, 21.02.2014
Landfall!!! Nach 814sm und fünf Tagen Überfahrt platscht unser Anker kurz vor fünf in das kristallklare Wasser vor Cayo Anclitas. Das ist `ne Insel. Irgendwo in den “Jardines de la Reina”. Davon gibt`s hier hunderte. Die heissen alle Cayo. Und Riffe ohne Ende. Ewig langer Sandstrand, Palmen, türkisfarbenes Wasser und wir. Ganz alleine! Echt geil! Cabo Cruz haben wir schon gestern Abend passiert und die Nacht, schön im gebührenden Abstand an den Riffen und Inseln die cubanische Küste längs. Heute dann den ganzen Tag über Bilderbuchsegeln: Sonne satt, leichter Wind, fast glatte See und kurz vor der Einfahrt ins Riff beisst auch noch ein Barrakuda. Einfach perfekt! Jetzt muss ich das Vieh noch schnell ausweiden, dann gibt`s das Willkommens-Bier, Sonnenuntergang glotzen und lecker Fisch zum Abendbrot. Ach ne, ich trink erst das Bier und nehm dann den Fisch aus ...

 

Cayo Anclitas - unsere Insel!

Sonnabend, 22.0Neugierige Krabbe2.2014
Wir geniessen unsere Robinsoninsel. Stundenlang latschen wir am Strand rum, die Sonne knallt auf die Birne, Seesterne liegen im flachen Wasser, Rochen sonnen sich dort, Conch kriechen langsam über den Meeresgrund, am Ufer bringen sich Krabben vor uns in Sicherheit, Leguane hasten aufgeschreckt in den Palmenwald, wir verkriechen uns immer öfter unter Palmen - es ist einfach nur HEISS! Aber dafür haben wir das alles ganz für uns alleine! Jedenfalls bis zum späten Nachmittag. Da tauchen plötzlich zwei Segelyachten auf und schmeissen einfach ihren Anker. Das ist unsere Insel! Gut, die ankern bestimmt `n Kilometer entfernt von uns, aber das Robinsonfeeling ist weg :-( Und um uns die Stimmung vollends zu vermiesen, taucht kurz vor Sonnenuntergang noch `ne riesige Motoryacht auf und schmeisst auch ihren Anker. Auch vor unserer Insel!!! Selbst der Rochen, der genau neben unserem Boot mit kühnem Sprung einen Meter aus dem Wasser schnellt und platschend wieder aufschlägt kann uns nicht mehr umstimmen. Auf so einer “überlaufenen” Insel bleiben wir nicht. Gibt schliesslich noch geUnser heutiger Fangnug andere hier. Wir fahren. Gleich morgen.

Sonntag, 23.02.2014
Boah!!! Das haben wir bisher noch nicht erlebt. Kaum sind wir ankerauf, schmeiss ich natürlich den Angelköder über Bord. Knaaarz! Ein Biss! Ein kleiner Thuna. Während ich noch darüber sinniere, ob der auch gross genug für meine Ansprüche ist, hat er sich schon wieder losgeschüttelt. Frage geklärt. Aber dann geht es Schlag auf Schlag. Knaaaarz, Käpt`n springt zur Angel, fängt an zu kurbeln, kurz vorm Boot reisst sich ein Barrakuda mit einem gewaltigen Satz los und während ich noch den lädierten Köder in Form bringe, knarzt es auf der anderen Seite. Wieder kurbeln ... Wir hatten bestimmt zehn Bisse auf der Fahrt! Zeitweise sogar an beiden Angeln gleichzeitig. Wohin zuerst???!!! Und während der Käpt`n im Fangrausch ist schmückt sein Bordweib das Schiff: sie baut Girlanden. Eine an der Reling, eine im Salon, wo passt noch eine hin? Und so tuckern wir am Nachmittag hübsch dekoriert durch die Riffeinfahrt, um uns ein Ankerplätzchen vor Cayo Alcatraz zu suchen. Zwei prachtvolle Barrakudas baumeln am Heckkorb und dutzende Klopapierrollen schmücken, zur Girlande aufgefädelt die Reeling. Um jetzt Spekulationen vorzubeugen, das ist jetzt nicht so, dass wir die nach Benutzung auswaschen und trocknen um sie dann wieder ...Klopapiergirlande ne, Marion hat ihre Klopapiervorräte alle in einen Badschrank gestopft und genau da ist auch das Entlüftungsventil der Toiletten-Pumpe. Und das war undicht. Deswegen die Dekoration. An unserem geplanten Ankerplatz schaukelt schon ein Fischerboot. Ob wir über Nacht bleiben wollen? Si! Der Platz ist nicht gut, es gibt einen viel geschützteren in der Innenlagune. Und weil die Einfahrt dahin schwierig ist, fahren sie auch gleich vor uns her. Erst geradeaus, dann ganz plötzlich nach links auf einen Stock im Wasser zu, an dem ganz scharf rechts und auf einen zweiten Knüppel zusteuern, den man aber auf der linken Seite passiert ... der Tiefenmesser treibt uns Schweissperlen auf die Stirn ... aber nach noch einem unerklärlichen Schlenker sind wir in der Lagune. Hätten wir alleine nie reingefunden! Das Wasser ist ruhig wie auf`m Ententeich, wir sollen einfach in der Mitte ankern. Braucht ihr Lobster? Nein, wir haben Fisch - ruft Marion blöderweise und zeigt stolz auf den Fang ihres Käpt`ns. Bringt ihr einen bitterbösen Blick von mir ein. Lobster können wir immer gebrauchen, zische ich ihr zu. Und wie zum Beweis, versenke ich beim Ausnehmen der Fische auf der Badeplattform gleich einen. Versehentlich natürlich. Siehste, jetzt müssen wir hungern! knurre ich, bevor ich den zweiten 1m-Barrakuda sicherheitshalber vorm filetieren an der Schanzflosse festbinde :-)

 

Montag, 24.02.2014
Marion knurrt mich an: heut Nacht war`n Mosquitos in unserer Kabine. Weil JEMAND die eine Luke ohne Mosquitonetz drüber auch noch aufgemacht hat! Mir war eben warm. Und dass um halb acht, vorm Frühstück schon, ein Fischerbötchen in die Lagune tuckert um uns Lobster anzudrehen, heitert sie auch nicht grade auf. Aber diesmal bin ich schneller. Jo, was braucht ihr denn? Rum!!! Rum hab ich nicht, ein Sixpack Bier kann ich anbieten. Sie sind aber sieben. Pack ich noch `ne Dose drauf und schon ist der Handel perfekt. Und weil die Gefahr des Verhungerns damit abgewendet ist, beschliessen wir, noch einen Tag zu bleiben. Bisschen faulenzen ist ja immer gut und unsere nächsten Gäste kommen eh erst am 3.März in Havanna an. Jetzt müssen wir uns nur noch endgültig einigen, wo wir die beiden denn einsammeln. Entweder sind die zwei sich noch nicht ganz einig, oder haben etwas falsche Vorstellung von der Grösse Cubas und der Reisegeschwindigkeit eines Segelbootes, und die hiesigen Marina-Preise sind augenscheinlich auch kein Kriterium bei ihren Überlegungen. Bei uns schon! Bin ich also zum x-ten mal am Mail schreiben ... Hast du unseren Untermieter schon gesehen?, lockt Marion mich nach draussen. Unterm Boot schwimmt ein riesiger Barrakuda. Ein Monster! Der ist schon den ganzen Tag da, erwähnt sie beiläufig. Und ich spring da andauernd ohne BWir werden heut bekocht :)adehose rein!!! Traue ich mich jetzt natürlich nicht mehr. Spätnachmittags, wir ham uns grad das Feierabendbier aus`m Kühlschrank geangelt,  kommt das Fischerbötchen von gestern  in die Lagune getuckert und schmeisst seinen Anker hinter uns ins Wasser. Logisch, dass gleich das Beiboot angerudert kommt, zwei Fischer, vier Lobster. Hol ich noch zwei Bier. Nö, Lobster wollen wir nicht. Wollen die Jungs zum Bier auch eine rauchen. Unsere letzte halbvolle Schachtel hat Marion ja zum Glück versteckt. Rufen sie kurz was zum Boot rüber, kommen die nächsten beiden angerudert. Ich wieder zum Kühlschrank, neues Bier holen. Jetzt haben wir ja auch Kippen dazu. Nun sind die Biervorräte unseres Kühlschranks ja begrenzt, die nächste Runde kommt warm. Finden jetzt alle blöd. Aber kein Problem, sie haben Eis drüben. Ob sie ihren Padrone auch mitbringen dürfen? Ja sicher! Rudert also noch mal einer los, um reichlich Eis und ihren Capitano einzusammeln. Jetzt wird`s richtig lustig, eiskalte Bierdosen aus dem Eiskübel fischen macht viel mehr Spass, ich bin reichlich am Nachfüllen, Marion dreht Musik auf ... rudert noch mal einer rüber. Fisch holen. Weil wir ja keinen Lobster wollten, haben sie beschlossen für uns Fisch zu brutzeln. Und die Lobster kommt in den Backofen! Roberto will kochen. In Marions Küche! Das treibt ihr doch so`n bisschen die Schweissperlen auf die Stirn. Vor zehn Jahren haben uns schon mal kubanische Fischer auf `nem Boot bekocht, was eine mehrstündige Intensivreinigung der Kombüse nach sich zog... Aber tapfer zeigt sie ihm wo alles steht, rückt das Öl raus und eine Stunde später steht ein lecker Abendessen auf dem Tisch. Die Lobster müssen wir alleine essen, die Dinger können die Jungs nicht mehr sehen ;) Das Essen ist lecker, die Stimmung sowieso, ich kipp in bierseliger Spendierlaune reichlich Dosen ins Eis, wir singen lauthals “Comandante Che” und “Guantanamera” und nur die Grösse unseres Cockpits und die leeren Dosen, die sich überall stapeln verhindern, dass wir dazu auch noch tanzen ...PS: Party-Fotos gibt`s keine, die Jungs haben uns gebeten, keine ins Internet zu stellen

Dienstag, 25.02.2014
Marion schwärmt von Roberto dem cocinero, wie lecker der doch gekocht und gar nicht so mit dem Fett gespritzt und auch alles wieder sauber gewischt hat, ... ich sammle im Cockpit leere Dosen ein, knüll sie zusammen und stopf sie in Plastiksäcke. 48 Stück. Zwei Paletten!!! War`s aber wert, echt lustiger Abend und Lobster zumHamburgesa-Sonne Essen hat nun mal seinen Preis :-) Aber wo die Kopfschmerzen bloss herkommen ... Neue Mail von unseren beiden Urlaubern, sie wollen erst noch ein paar Tage in Varadero bleiben. Damit ist die Frage geklärt, wo wir jetzt hinsegeln. Nach Cienfuegos, um da `ne Woche für 20 $ die Nacht auf sie zu warten - müssen wir nicht haben. Segeln wir eben direkt nach Cayo Largo. Da wollten wir eh mit ihnen hinsegeln. Einklarieren geht dort auch unkomplizierter, man kann umsonst ankern und von Varadero dahin gibt`s `nen Inselflieger. Fein. Kurz vor zehn tasten wir uns vorsichtig aus der Lagune, immer schön dem Plott von der Einfahrt folgend, rechts, links, Knüppel eins, Knüppel zwei, irgendwann haben wir richtig tiefes Wasser, zotteln die Segel raus und lehnen uns entspannt zurück. Bisschen wenig Wind heute. Was soll`s, sind ja nur 140sm. Marion kocht uns ein lecker Fisch-Curry, kitschiger Sonnenuntergang, allein auf dem Meer dann teilen wir uns feierlich die allerletzte Zigarette. Marion hatte die Kippen ja schon seit ein paar Tagen rationiert und nur ab und zu eine rausgerückt (weicher Entzug ;). Und eigentlich haben wir die letzte ja schon zweimal geraucht, weil jeder so`n bisschen geschummelt und heimlich noch eine Schachtel versteckt hatte. Aber diesmal ist es wirklich die Allerallerletzte! Wie soll ich bloss die Nachtwache überstehen?

Mittwoch, 26.02.2014
Ich bin mir nicht sicher, ob wir segeln oder bloss treiben. 2,3 kn Fahrt zeigt das GPS. Aber ich bin eisern. Der Stinkediesel bleibt aus! Dann schaffen wir es eben heute nicht bis Cayo Largo. Gibt ja auch noch ein paar andere Inseln davor. Cayo Inglés zum Beispiel. Das schaffen wir noch bis zum Sonnenuntergang und dann segeln wir eben morgen die letzten 12sm. So machen wir das! Aber DEIN MICHA wartet doch auf dich, kommt von Marion. Wir haben uns mit “Marlin´s” verabredet! Allerdings auch schon auf den Roques, auf Curacao, ... irgendwie schaffen wir es nie, die Verabredung einzuhalten, Mein wieder entspannter, sprechender Jäger :)weil wir dann noch mal hierhin müssen oder da hängenbleiben ... Aber diesmal kann ich ja nichts dafür, ist echt kein Wind da. Und der Stinkediesel bleibt aus! Cayo Inglés!

Donnerstag, 27.02.2014
Der Tag beginnt etwas gesprächsarm. Also der Käpt`n ist so`n bisschen mürrisch. Findet Marion! Und schiebt meine ANGEBLICHE schlechte Laune auf Nikotinmangel. So`n Quatsch! Ich mag grad nicht rauchen. Dass die Zigaretten alle sind, hat damit überhaupt nichts zu tun! Ich will auch gar nicht reden. Ich will meine Ruhe haben! Am besten ich geh schnorcheln, da muss ich mit keinem quatschen! Glotz ich also so`n bisschen durch die Brille den Fischen zu. Ein Barrakuda, zwei kleine Thunas schwimmen gemächlich vorbei, diverse Conch kriechen über den Sandboden ... und dann plötzlich zwei lange Fühler aus einer Höhle! LOBSTER! Ruckzuck bin ich zurück zum Boot und sammel meine “Jagdausrüstung” zusammen. Die Abfahrt wird verschoben, ich besorg was zu essen! Wenig später klettere ich mit der ersten Beute die Badeplattform hoch. Ich brauch `n Eimer! Hört, hört, er redet wieder! Ich schmeiss das Riesenvieh in die Pütz und spring wieder ins Wasser. Nächster Lobster! Wir haben doch noch Lobster von den Fischern, versucht Marion meinen Beutezug zu sabotieren. Aber meine sind grösser und wir kriegen doch Besuch! Ja, aber erst irgendwann ... Platsch, ich bin schon wieder im Wasser. Als ich mit dem dritten Tier auftauche verkündet Marion lautstark, dass auf keinen Fall mehr Tiere in den Kühlschrank passen und rettet damit dem Rest der hiesigen Population das Leben. Schade! Und während ich die Dinger auf Kühlschrankgrösse bringe, zieht Marion mit Schnorchel und Brille los. Vermutlich, um den restlichen Tieren zu sagen, dass keine Gefahr mehr droht ...

Freitag, 28.02.2014
Es regnet! Findet Marion ja immer gut, weil dann das Salz der Überfahrt vom Deck gespült wird, aber meistens passt der Zeitpunkt nicht. Heut auch nicht! Wir sind grad dabei den Anker hoch zu zotteln! Dafür passt der Wind. Und wie! Wir fliegen nur so nach Cayo Lago, heizen durch die Riffeinfahrt - aus 1000m Wassertiefe werden plötzlich 3! - hoch am Wind und schön schräg segeln wir die letzten 2sm bis zum Ankerplatz. Sieht cool aus! Da schaukelt auch schon die “Marlin”, die komplette Familie winkend an der Reling aufgereiht. Hatte ganz vergessen, dass Lena so laut schreien kann :-) Knutschen und drücken kommt später, erstmal müssen wir in die Marina zwecks Einklarieren. Und das dauert! Vom Boot dürfen wir natürlich noch nicht. Irgendwann taucht der Doctore auf, schaut uns vom Steg aus in die Augen und fragt, ob wir gesund sind. Claro, aber wir frieren! Ja, er auch, kein schönes Wetter heute. Haben wir den Gesundheitscheck schon mal hinter uns. Nummer zwei ist eine uniformierte Dame, den Steg langstöckelnd, die unsere Pässe einsammelt. Als nächstes tauchen wieder zwei Doctores auf. Diesmal nicht im weissen Kittel. Sie sind von der Agricultura. Aha! Sie müssen unser Boot inspizieren und auch die Lebensmittel. Aber gerne! Nathalie hatte uns über Funk ja schon “vorgewarnt”, dass bei ihnen Fleisch, Gemüse und ähnliches eingeschweisst und verplombt werden sollte und sie es erst bei der Ausreise hätten wieder öffnen dürfen. Zwei Monate später! Da freut man sich doch so richtig drauf, die Fleischtüte dann wieder aufreissen zu dürfen :-( Haben wir also gestern schon so ziemlich alle Lebensmittel versteckt und halten den beiden stolz unsere Reste hin. Eine Gurke, zwei Zwiebeln, zwei Eier und drei Kartoffeln! Im Kühlschrank liegt ein einsames Stückchen Käse. Nicht mehr? Nö. Der Rest wohnt im, auf Minimum gestelltemLena und René werden laufend rausgeschmissen, strahlen trotzdem Gefrierschrank unter der Salonsitzbank. Da sitzen die Jungs gerade drauf :-) Das Gemüse und Eier überstehen dieMaya gewinnt! eingehende Untersuchung unbeanstandet und den Käse lassen sie uns auch durchgehen. Jetzt nur noch ein paar Seiten Protokolle, Belehrungen, diverse Unterschriften und schon sind wir fertig. Mit der Agricultura. Jetzt müssen wir nur noch zur Aduana. Dafür dürfen wir aber von Bord. Wir sind ja gesund und haben keine Läuse an Bord. Das geht schnell und unkompliziert. Bisschen Schreibkram, woher, wohin, ein paar Stempel, Visa ausschreiben und bezahlen müssen wir auch noch. Aber erst manana. Und jetzt können wir endlich Micha drücken, Nathalie knutschen, die Kids auf die Schulter nehmen und die Dosen austrinken, die Micha uns schon die ganze Zeit hinhält. Seit Grenada haben wir uns nicht gesehen, das ist jetzt ... äh, wie lange her? Jeden Morgen über die Funke quatschen ist eben nicht das selbe, wie zusammen im Cockpit hocken. Micha ist grad Nichtraucher. Zumindest solange, bis ich mit `ner Schachtel Zigaretten vom Mercado zurück bin :-) Kurz vor Sonnenuntergang werfen wir noch schnell die Leinen los, schmeissen vor der Insel die Anker und schon hocken die Kids nebst Micha bei uns im Cockpit, Mensch-Ärger-dich-nicht spielen! Na unbedingt! Wie immer voller Einsatz, Lena schreit am lautesten, Micha verdrückt sich nach Hause, Marion kocht, Maya gewinnt und ich darf alles wegräumen. Wegen mehr Platz , hocken wir den Rest des Abends doch lieber auf der Marlin. Ausser Lena, die hockt meist auf mir :-)

 

 

 

[Home] [Crew] [Boot] [Unsere Route] [Tagebuch] [Venezuela, Bonaire und weiter...] [auf in die Karibik] [Uruguay] [Argentinien] [Brasilien] [Atlantik] [Mittelmeer] [gen Süden] [nach Portugal] [Fotos] [Gästebuch] [Impressum]